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07.09.2011

15:29 Uhr

Goldpreis

Rekordjagd (vorerst) beendet

Der Goldpreis schlägt eine ungewohnte Richtung ein: Schweizerischer Franken und gute Börsenstimmung drücken den Preis für das Edelmetall um fast 100 Dollar. Doch die nächste Rally kommt bestimmt.

Goldpreis verliert an Fahrt. dpa

Goldpreis verliert an Fahrt.

DüsseldorfEs kann nicht immer nur nach oben gehen - nicht einmal für den Goldpreis. Die Rekordjagd ist vorerst gestoppt. Allein am Mittwoch sank der Preis bis zum Mittag um rund 1,5 Prozent und lag zeitweise nur noch bei 1.827 Dollar je Feinunze (etwa 31 Gramm). Vom Allzeithoch von 1.921 Dollar je Unze, das der Goldpreis am Vortag erreicht hatte, ist das deutlich entfernt. Seitdem ging es um knapp 100 Dollar oder knapp fünf Prozent abwärts. Betrachtet man das laufende Jahr, so ist die Performance mit einem Plus von 33 Prozent aber trotz der jüngsten Verluste beachtlich.

Händler sehen als Grund für den jüngsten Preisabfall die Rückkehr von Anlegern an die Aktienmärkte. Eine typische Entwicklung: In den vergangenen Wochen verloren die Börsen und der Goldpreis jagte von Rekord zu Rekord. Ist der Börsencrash vorbei, so verliert die Krisenwährung wieder an Wert. Als weitere Ursache für den Kursrutsch nennen Händler technische Gründe: Ein Investor habe sich von einer größeren Position getrennt und damit weitere Verkaufsorders ausgelöst.

Meilensteine des Goldpreises

Kupferzeit

Die Goldgewinnung beginnt.

Um 4000 vor Christus

Rund 6.000 Jahre alt sind Funde aus Ägypten, die eine Bearbeitung des Edelmetalls belegen. Im Land der Pharaonen entsteht die erste große Goldkultur. Ein Großteil der Techniken, die zur Verarbeitung des Goldes notwendig sind, wird im antiken Ägypten entwickelt.

Gold gilt den Ägyptern als „Sonnenmetall“. Sowohl die Sonne als auch das Gold werden mit derselben Hieroglyphe bezeichnet. Ursprünglich kommt das Gold der alten Ägypter aus dem Nil, an dessen Ufern es in Form von Waschgold gewonnen wird. Später betreibt man in Nubien, Ägyptens Goldland, Bergbau, um an das kostbare Metall zu kommen.

600 bis 1200

Nach dem Ende der Spätantike um 600 bleibt der Solidus im Oströmischen Reich die wichtigste Währung. Sie ist bis zum beginnenden 12. Jahrhundert die Leitwährung in Europa, Nordafrika und Vorderasien. Gründe dafür sind der hohe Goldgehalt und die daraus folgende Stabilität der Goldwährung. Mit dem Niedergang von Byzanz verfällt auch dessen Währung.

Die Goldzirkulation im Rahmen der staatlichen Institutionen nimmt im frühen Mittelalter ab. Andererseits entwickelt sich das Geld in zunehmendem Maße zu einem Tauschmittel, welches dem Handels- und Marktgeschehen dient. Die ursprüngliche Goldwährung verliert als Zahlungsmittel an Bedeutung und wird nur noch als eine Art Wertspeicher gehortet. Die meisten Wohlhabenden wechseln zur Silberwährung, da Gold seltener und teurer ist als Silber. Silber weist lediglich den reinen Rechenbezug zum Gold auf.

15. und 16. Jhr.

Portugals Entdeckungsfahrten und die nachfolgende Kolonialisierung bringen afrikanisches Gold nach Europa. Jedoch gelingt es Portugal nicht, Goldvorkommen unter seine Kontrolle zu bringen. Die eingeführten Goldvorräte von von etwa 700 Kilogramm im Jahr kommen durch Tauschhandel zustande.

Funde belegen, dass in Westafrika seit mindestens 2.000 Jahren Gold gewonnen wird. Neben dem Königreich Mail (Gebiet im nordöstlichen Guinea) verfügt das Ashanti-Reich auf dem Territorium des heutigen Ghana, das vom Ende des 17. bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert besteht, über reiche Goldvorkommen. Die 1897 gegründete Ashanti Goldfields Corporation ist unter dem Namen AngloGoldAshanti noch heute einer der größten Goldproduzenten der Welt.

Goldrausch im 19. Jahrhundert

Das 19. Jahrhundert steht im Zeichen des Goldes. Der Goldrausch beginnt in den 1820er Jahren in Russland, wo im Uralgebirge und später auch in Sibirien Goldvorkommen entdeckt werden. Im Januar 1848 findet man im kalifornischen Sacramento Valley Gold. Viele Menschen aus aller Herren Länder kommen in die Region, um ihr Glück zu versuchen. Weiter geht es 1851 mit der Entdeckung von Goldlagerstätten in Australien, wo in verschiedenen Gebieten in den folgenden Jahrzehnten weitere Lager erschlossen werden. Im März 1886 stößt man im südafrikanischen Transvaal, am so genannten Witwatersrand, auf die ergiebigste Goldlagerstätte der Welt. Der letzte Goldrausch des Jahrhunderts spielt sich in Alaska ab, wo im August 1896 am Mündungsgebiet des Klondike River in den Yukon River Gold gefunden wurde. Die reichen Vorkommen, die den Goldrausch ausgelöst haben, gewinnen erhebliche Bedeutung für die Wirtschaftskraft des jeweiligen Landes.

1944-1971

In den Jahren 1944 bis 1971 ist der US-Dollar an Gold gebunden. Jedes Land, das dem so genannten Bretton Woods System beitritt, hat das Recht, Dollar-Reserven zu einem fixen Preis von 35 USD je Unze in Gold umzutauschen. Vorrangige Ziele der Konferenz in Bretton Woods, New Hampshire, sind die Wiederherstellung der Wirtschaftsmacht Europa und die Belebung und Vereinfachung des Welthandels. Zu diesem Zweck sollen die Wechselkurse zwischen den Währungen stabilisiert werden. Trotz wirtschaftlicher Erfolge treten in der Folge die Mängel der Währungsordnung immer deutlicher zutage. Das Fehlen von Mechanismen der Zahlungsbilanzanpassung und die Vormachtstellung des US-Dollars lassen das System bröckeln...

1971

Im August 1971 beendet US-Präsident Richard Nixon eine Ära: Er hebt die Bindung des US-Dollars an Gold auf und beendet das in Bretton Woods festgezurrte Weltwährungssystem.

März 1973

Im März 1973 werden die Devisenbörsen in vielen Ländern Europas geschlossen, da das Bretton Woods System zusammenzubrechen droht. In der Folge wird das System offiziell außer Kraft gesetzt. Die Mehrzahl der großen Industrienationen geht zu einem System flexibler Wechselkurse über. Den Anfang machen die Schweiz und Großbritannien.

Januar 1980

Zu Beginn des Jahres 1980 steigt der Goldpreis erstmalig auf 850 US-Dollar (inflationsbereinigt 2.100 US-Dollar). Steigende Ölpreise und die damit verbundene hohe Inflation, der sowjetische Einmarsch in Afghanistan und die Revolution in Iran treiben Anleger weltweit in den "sicheren" Hafen Gold.

August 1999

In der Folge schaffen es die USA, die Inflation stark zu verringern. In einer langjährigen Phase des Aufschwungs sinkt der Goldpreis. Spekulationen über eine Reduzierung der Gold-Reserven der Notenbanken drücken ihn im August 1999 auf 251,70 US-Dollar.

Oktober 1999

Nur zwei Monate später einigen sich 15 europäische Zentralbanken auf eine Begrenzung der Gold-Verkäufe. Die Folge: Der Goldpreis steigt auf ein Zwei-Jahres-Hoch von 338 US-Dollar.

Februar 2003

Seit Beginn der 2000er-Jahre steigt der Goldpreis stetig. Experten sind der Meinung, der Anstieg hängt mit der wachsenden Schuldenlast der USA und der Schwächung des US-Dollars gegenüber anderen Währungen zusammen. Der Einmarsch der US-Truppen in den Irak und die damit verbundene Angst vor einem Flächenbrand in der Region treibt Gold auf den höchsten Stand seit viereinhalb Jahren: 388,50 Dollar.

2003 bis 2005

In den folgenden beiden Jahren nimmt der Goldpreis die Marken von 400 und 500 US-Dollar.

April bis Juni 2006

Der schwächelnde Dollar, steigende Ölpreise und der Atom-Konflikt mit Iran treiben Gold auf 730 US-Dollar. Das ist der höchste Stand seit 26 Jahren. Im Juni drücken Gewinnmitnahmen den Preis wieder auf 543 Dollar.

September 2008

Der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers verändert die globale Finanzwelt - und beschert dem Goldpreis den größten Tagesgewinn der Geschichte: Am 17. September 2008 steigt Gold binnen 24 Stunden um 90 Dollar.

Februar 2009

Im Zuge der weltweiten Finanzkrise erreicht der Goldpreis ungeahnte Höhen. Im Februar 2009 schießt Gold über 1.000 US-Dollar. Drastische Kursverluste an den internationalen Aktienmärkten und die Gefahr einer weltweiten Rezession lassen Anleger in den sicheren Hafen flüchten.

Von Januar bis März 2009 verbuchen börsennotierte Gold-Fonds (ETFs) Rekord-Mittelzuflüsse. Die Goldbestände des weltgrößten Gold-Fonds, SDPR Gold, steigen um 45 Prozent auf 1127,44 Tonnen.

2010

Der Goldpreis steigt von Rekord zu Rekord. Vor allem die Angst vor einer Ausweitung der europäischen Schuldenkrise treibt das Edelmetall. Die Nachfrage der Anleger beschert Gold im Gesamtjahr ein sattes Plus von fast 30 Prozent. Ende des Jahres lässt das milliardenschwere Fed-Anleihenkaufprogramm den Goldpreis auf über 1.400 Dollar steigen.

Allzeithoch im September 2011

Im August beschleunigt sich die Rekordjagd des Goldpreises. Einbrechende Aktienkurse weltweit verstärken die Flucht in Sicherheit. Binnen weniger Wochen legt der Goldpreis kräftig zu und steigt bis auf 1912 Dollar. Ein Anstieg über 2.000 Dollar gilt für die meisten Experten als ausgemacht. Doch tatsächlich folgt erst einmal ein langer Kursrutsch.

Juni 2013

Die Spekulationen auf eine nachlassende Schwemme billigen Notenbank-Geldes aus den USA setzen den Edelmetallen zu. Der Preis für Gold fällt in Richtung 1200 Dollar je Feinunze. Es droht der größte Quartalsverlust seit dem Zusammenbruch des Währungssystems von Bretton Woods Anfang der 1970er Jahre.

Oktober 2013

Der Goldpreis läuft auf den ersten Jahresverlust in 13 Jahren zu. Seit Anfang dieses Jahres ist der Preis des Edelmetalls um 22 Prozent gesunken. Indessen prognostizieren Investmentbanken weitere Verluste: Einer Morgan Stanley-Studie zufolge sein Preis 2014 im Schnitt 1313 Dollar pro Unze betragen - und damit niedriger ausfallen als die Prognose von 1420 Dollar für 2013. Grund ist die Geldpolitik der Fed: Investoren fürchten, dass die Rücknahme der Bondkäufe durch die Notenbank „verschoben, aber nicht aufgehoben” sei, was wenig Aufwärtspotenzial für das Edelmetall verspreche.

Februar 2014

Der Goldpreis kann in den ersten zwei Monaten des Jahres 2014 wieder etwas an Boden gewinnen. Er steigt von Anfang Januar bis Ende Februar um zehn Prozent auf 1330 Dollar pro Feinunze. Vor allem die steigende Nachfrage nach börsengehandelten Gold-Indexfonds, die das Edelmetall physisch erwerben, führt zu dem Preisanstieg. Zudem notiert der Goldpreis wieder über der wichtigen 200-Tage-Linie. Für technisch orientierte Investoren gilt dies als wichtiges Signal für eine Trendwende.

Mai 2014

Als der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine Mitte März zu eskalieren droht, suchten Anleger wieder verstärkt den sicheren Hafen Gold. Am 14. März stieg der Preis für eine Feinunze Gold bis auf 1383 Dollar an. Seither ging es aber permanent abwärts. Ende Mai liegt der Preis für eine Feinunze Gold mit 1294 Dollar leicht unter seinem Stand Ende Februar. Hedgefonds haben in der Woche zum 13. Mai ihre Wetten auf steigende Goldpreise (Netto-Long-Positionen) um 8,3 Prozent auf 94.329 Kontrakte reduziert, wie Zahlen der U.S. Commodity Futures Trading Commission zeigen. Short-Positionen legten dagegen um zehn Prozent auf 31.283 zu und markierten damit den höchsten Stand seit Februar.

Juli 2015

Anfang 2015 stieg der Goldpreis wieder auf 1.300 Dollar. Doch die Wirtschaft in den USA läuft rund und die Wachstumszahlen für 2015 sind erfreulich. Anleger gehen deshalb von einer baldigen Zinserhöhung der US-Notenbank Fed aus. Das würde den Dollar stärken und den Goldpreis belasten. Dementsprechend geht der Goldpreis seit Monaten auf Talfahrt und notierte am 22. Juli erstmals seit 2010 unter 1.100 Dollar.

Bereits am Dienstag war der Goldmarkt ins Trudeln geraten. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hatte mitgeteilt, den Franken künftig an den Euro zu koppeln. Den Mindestkurs des Euro von 1,20 Franken möchte die SNB mittels unbeschränkten Devisenkäufen halten. Auf diese Nachricht hin verloren Franken und Goldpreis deutlich an Wert. „Mit der Entscheidung der SNB entfällt ein bislang sicher geglaubter Hafen, so dass der starke Preisrückgang bei Gold für uns nicht vollständig nachvollziehbar ist“, heißt es bei der Commerzbank.

Die SNB-Maßnahme habe die Gold-Verkäufe ausgelöst, sagte Manager Ole Hansen von der Saxo Bank. „Das Problem ist aber: Wenn der Schweizer Franken gekoppelt ist, welche anderen sicheren Häfen haben wir dann noch?“ Tom Kendall, Analyst bei Credit Suisse, rechnet mit Goldzukäufen von Investoren, die bisher im Schweizer Franken angelegt haben. „Wir haben gesehen, dass das Image einer praktisch risikofreien Anlage bei US-Anleihen bereits ramponiert ist. Jetzt sehen wir, dass der Franken das Ziel von deutlichen und andauernden Interventionen durch die SNB sein wird. Das wird die Reputation von Gold als sicheren Hafen stärken.“

Von Dauer sein wird der Kursrutsch daher wohl nicht. Analysten sehen den Preis des Edelmetalls bald wieder auf Rekordjagd. Schließlich werde der Franken künstlich geschwächt und könne seinen Ruf als sicherer Hafen verlieren.



Kommentare (5)

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Schlaumeier

07.09.2011, 15:42 Uhr

Wer manipuliert wohl den Goldpreis? Genau Ben Bananke (FED).
Das schlimmste (siehe alte Fed-Protokolle) ist ein steigender Goldpreis. Das fürt dem "Letzten" vor Augen, dass die Papierschnipsel nichts mehr Wert sind

stevie

07.09.2011, 16:04 Uhr

Gold ist schwer und selten. Angeblich ist es schön, deshalb macht man Schmuck und Kerzenständer draus.
Die Wahrheit ist, dass Gold eigentlich für nichts zu gebrauchen ist. Wer sein Geld in Gold anlegt sollte lieber keinen Hunger haben.

Peter

07.09.2011, 16:05 Uhr

Solange noch genug Metall zum Manipulieren da ist sehe ich es nicht als Manipulation, wenn ein großer Marktteilnehmer (und sei es die FED)entsprechende Verkäufe tätigt. Diese Verkäufe beweisen vor allem, dass Gold auf dem gegenwärtigen Preisniveau ausreichend zur Verfügung steht. Man sollte nicht immer gleich Zeter und Mordio schreien, nur weil Helikopter-Ben zwischen all den Papierschnipseln auch mal ein paar echte Münzen fallen lässt.
Wirklich interessant wäre es aus meiner Sicht zu wissen, ob denn die vielen Tonnen von Goldbarren, welche in NY und London lagern, auch tatsächlich identisch sind mit der Menge, die als physisches Gold zwar gehandelt, aber physisch gar nicht bewegt wird. So etwas kann sich erst zeigen, wenn in nennenswertem Umfange physisches Gold aus den Tresoren abgerufen wird. Zum Beispiel, weil plötzlich wirklich Kleinanleger einsteigen, was sie nach meiner rein persönlichen Beobachtung noch längst nicht so tun wie sie früher im Kauf von Dotcom-oder Telekomaktien engagiert waren, oder weil neben Venezuela noch andere Länder ihre Barren heimholen wollen.

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