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08.10.2014

10:26 Uhr

Goldpreis rutscht ab

Goldige Zeiten? Von wegen!

VonSara Zinnecker

Irak, Syrien, Ukraine: Die Konflikte der Welt dominieren das Tagesgeschehen. Doch Gold kann nicht profitieren. In Dollar gemessen ist die Feinunze so billig wie seit Monaten nicht. Hat die „Krisenwährung“ ausgedient?

Es knackst beim Goldpreis: In Dollar gerechnet, kostet eine Feinunze so wenig wie seit Monaten nicht. Getty Images

Es knackst beim Goldpreis: In Dollar gerechnet, kostet eine Feinunze so wenig wie seit Monaten nicht.

DüsseldorfDie Angst regiert den Goldpreis – seit jeher hält sich dieser Glaube bei Anlegern recht hartnäckig. Je mehr Konflikte, je mehr Krisen sich in der Welt ausbreiten, desto mehr sollte das Edelmetall als sicherer Hafen erscheinen, könnte man denken. Schließlich gilt Gold als die einzige „Krisenwährung“, die auch dann noch funktioniert, wenn etwa Papiergeld versagt, die Wirtschaft zusammenbricht oder die Kriege der Welt – ob Terror oder Wirtschaftskrieg – immer näher an Europa heranrücken. Je größer die Angst, umso mehr Gold wird nachgefragt, lautet die Theorie. Je mehr Krisen, umso teurer müsste das Edelmetall eigentlich werden. Eigentlich.

In Wirklichkeit passiert gerade das Gegenteil. Die Angst vor schwelenden Konflikten beherrscht die politische Debatte seit Wochen, hierzulande wie auch in den USA, doch der Goldpreis steigt nicht. In Euro gemessen tendiert der Preis für eine Feinunze Gold seitwärts. In US-Dollar hat er zuletzt weiter nachgegeben. Fast vier Prozent hat das Edelmetall auf Monatssicht verloren. Am vergangenen Freitag rutschte der Kurs unter die „optisch“ wichtige Marke von 1.200 Dollar, am Montag erneut. Obwohl der Goldpreis dann auf aktuell 1216 Dollar stieg: Gold ist so billig wie seit Dezember 2013 nicht mehr.  

Auch Experten haben den intuitiven Widerspruch bei der Entwicklung des Goldpreises erkannt. „Der jüngste Wertverfall in US-Dollar kommt schon etwas überraschend, gerade weil die geopolitischen Risiken dem Goldpreis eigentlich als Unterstützung dienen sollten“, sagt etwa Niall Delventhal vom Online-Devisenhändler Daily FX. „Trotz des Kampfes der Terrorallianz gegen die IS und der weiterhin sorgenvollen Lage in der Ostukraine finden sich keine Käufer für das Edelmetall.“ Ein Hexenwerk ist der aktuelle Preisrutsch für ihn dennoch nicht.

Denn Rohstoffexperten sind sich einig, dass in den vergangenen Jahren andere Faktoren den Goldpreis entscheidend beeinflusst haben. „Das vorherrschende Thema in diesem Markt ist und bleibt die Zinsentwicklung in den USA und die damit einhergehende ungebrochene Stärke des amerikanischen Dollar“, sagt Delventhal. Auch Eugen Weinberg, Leiter der Abteilung Rohstoffanalyse, sieht die Realzinsen in den USA, den Dollarkurs und die Nachfrage nach Aktien als die Treiber des Goldpreises.

Die globalen staatlichen Goldreserven

Hintergrund

Die Daten des Internationalen Währungsfonds zeigen die Goldreserven ausgewählter Staaten (in Tonnen) zum Jahresende 2016. Die Statistik legt außerdem offen, wie groß der Anteil des Goldes an den gesamten staatlichen Währungsreserven ist. Viele Länder bunkern neben Gold große Devisenbestände, etwa in US-Dollar oder in Euro.

USA

Bestand: 8133,5 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 73,8 Prozent

Quelle: World Gold Council

Deutschland

Bestand: 3779,9 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 67,6 Prozent

Frankreich

Bestand: 2435,8 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 61,5 Prozent

China

Bestand: 1842,6 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 2,2 Prozent

Schweiz

Bestand: 1040,0 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 5,6 Prozent

Russland

Bestand: 1615,2 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 15,2 Prozent

Indien

Bestand: 557,8 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 5,7 Prozent

Großbritannien

Bestand: 310,3 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 8,5 Prozent

In der Tat erwarten Marktteilnehmer seit geraumer Zeit, dass die US-Notenbank Fed die Leitzinsen erhöht. Die Wirtschaft hatte sich zuletzt gut entwickelt, die Produktion war gestiegen, die Arbeitslosenzahlen gesunken. Damit aber werden Investments in US-Dollar wieder attraktiver. „Das Unbehagen über die Zinspolitik nimmt ab, die Risikobereitschaft der Anleger steigt, ihr Bedürfnis nach Absicherung sinkt“, weiß Weinberg von der Commerzbank. „Je mehr sich das Zinsniveau normalisiert, desto weniger scheint Gold für Investoren attraktiv, weil es keine Zinsen abwirft“, sagt auch Proettel.

Kommentare (58)

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Frau Helga Trauen

08.10.2014, 10:30 Uhr

Gold hat als Krisenwährung ausgedient, bis das FIAT-Money-System kollabiert. Und die Manipulationen im Auftrag der Notenbanken verhindert werden. Der Handel mit Papiergold ist die eigentliche Goldgrube für Goldman Sucks, etc...

Herr wulff baer

08.10.2014, 10:37 Uhr

Mal die eigene Zeitung lesen, liebe Sara!
Der Dax schmiert ab und Gold steigt wieder.
Die von den Londoner Finanzganoven manipulierten Papiergold-Preise werden sowieso von dem echten Goldcrack nicht ernst genommen. Er hat physisches Gold und Silber und wartet auf den Moment des Zusammenbruchs der Finanzmärkte.
Als Anleger würde ich mehr Sorgen machen um die "Mogelpackung Dax" (Zitat Mr.Dax).

Herr Thomas Albers

08.10.2014, 10:54 Uhr

"„Der jüngste Wertverfall in US-Dollar kommt schon etwas überraschend, gerade weil die geopolitischen Risiken dem Goldpreis eigentlich als Unterstützung dienen sollten“"

Noch überraschender ist für mich, dass die Euro-Krise gemessen am Goldpreis in USD überwunden scheint. Ich weiß nicht, ob das in den nächsten Monaten so eine gute Idee ist, sich hier von Gold übermäßig zu trennen.

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