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25.07.2015

11:43 Uhr

Goldpreis sinkt weiter

Goodbye, Gold!

VonLisa Hegemann

„Gold is over“: Während der Finanzkrise galt Gold als sichere Anlage, der Kurs brach einen Rekord nach dem anderen. Doch nach dem Absturz am Montag haben Experten den Glauben an die glänzenden Zeiten verloren.

Goldpreis im Sinkflug

Experten: Finger weg vom Gold!

Goldpreis im Sinkflug: Experten: Finger weg vom Gold!

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Berlin„Die letzte Bastion, umlagert“: Mit diesen Worten beschreiben die Analysten der Investmentbank Morgan Stanley die Entwicklung des Goldkurses in den vergangenen Tagen. In einem Bericht an ihre Rohstoffanleger sprechen die Experten nun das aus, was sich spätestens seit Montag andeutete: Die Goldrally ist vorbei. Als Grund dafür sehen sie nicht nur die stockende Nachfrage aus China. Was war passiert?

Zurück zum Wochenanfang. Früh am Montagmorgen schockte ein Massenverkauf die Märkte: Binnen 60 Sekunden hatten Investoren im frühen asiatischen Handel Goldkontrakte mit einem Wert von mehr als 500 Millionen Dollar veräußert. Der Preis für den glänzenden Rohstoff fiel dramatisch um 20 Dollar auf 1.100 Dollar pro Unze. Selbst erfahrene Analysten hatten sich erstaunt über den schnellen Fall gezeigt. Hinzu meldete die Chinesische Volksbank, dass sie weit weniger Goldreserven hält als bisher angenommen. Auch das setzte dem Kurs zu.

Goldnachfrage weltweit (in Tonnen)

2003

Schmuck: 2.484
Barren und Münzen: 304
ETFs: -
Industrie: 386
Zentralbanken: -620
Gesamt: 2.594 Tonnen

2004

Schmuck: 2.616

Barren und Münzen: 355

ETFs: 133

Industrie: 419

Zentralbanken: -479

Gesamt: 3.044

2005

Schmuck: 2.719

Barren und Münzen: 396

ETFs: 208

Industrie: 438

Zentralbanken: -663

Gesamt: 3.098

2006

Schmuck: 2.300

Barren und Münzen: 414

ETFs: 260

Industrie: 468

Zentralbanken: -365

Gesamt: 3.077

2007

Schmuck: 2.423

Barren und Münzen: 435

ETFs: 253

Industrie: 476

Zentralbanken: -484

Gesamt: 3.104

2008

Schmuck: 2.304

Barren und Münzen: 869

ETFs: 321

Industrie: 461

Zentralbanken: -235

Gesamt: 3.720

2009

Schmuck: 1.814

Barren und Münzen: 780

ETFs: 623

Industrie: 410

Zentralbanken: -34

Gesamt: 3.593

2010

Schmuck: 2.017

Barren und Münzen: 1.205

ETFs: 382

Industrie: 466

Zentralbanken: 77

Gesamt: 4.147

2011

Schmuck: 1.972

Barren und Münzen: 1.515

ETFs: 185

Industrie: 453

Zentralbanken: 457

Gesamt: 4.582

2012

Schmuck: 1.908

Barren und Münzen: 1.256

ETFs: 279

Industrie: 428

Zentralbanken: 535

Gesamt: 4.405

2013

Schmuck: 2.671

Barren und Münzen: 1.702

ETFs: - 916

Industrie: 354

Zentralbanken: 625

Gesamt: 4.436

2014

Schmuck: 2.457

Barren und Münzen: 1.004

ETFs: - 183

Industrie: 347

Zentralbanken: 588

Gesamt: 4.212

Q1 2015

Schmuck: 601

Barren und Münzen: 253

ETFs: 26

Industrie: 80,4

Zentralbanken: 119

Gesamt: 1.079
Auf das Jahr hochgerechnet: 4.316

Die Analysten von Morgan Stanley sehen trotzdem nicht das Reich der Mitte als Ursache für den Kurssturz. Die Ankündigung der People's Bank of China sei nur die letzte in einer Reihe von „Bären-Entwicklungen“ gewesen. Zunächst seien da die griechischen Schulden, die nun langsam neutralisiert würden. Damit spielen die Analysten auf das dritte Hilfspaket an, über das nun bald verhandelt werden soll – aber auch auf einen möglichen weiteren Schuldenschnitt.

Doch nicht nur die Streitigkeiten in Europa wirken sich negativ auf den Goldpreis aus. Die robuste US-Wirtschaft und die „drohende Zinserhöhung“, die sie bändigen soll, sorgten für einen starken Dollar. Und genau diese Kombination wiederum lässt den Goldpreis ebenfalls fallen. Hinzu kommt als dritter Punkt, dass die Minen radikal Betriebskosten minimieren, was der fallende Ölpreis begünstigt.

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„Die Kulisse verfällt“, schreibt das Team um den Analysten Tom Price. Besonders frustrierend für Rohstoffanleger sei, dass Edelmetalle bislang die „letzte Bastion“ auf dem stagnierenden Rohstoffmarkt gewesen seien. Doch die vielen Ereignisse zusammen hätten dafür gesorgt, dass die Preise für Gold in den vergangenen acht bis zehn Wochen so massiv gefallen seien.

Die Analysten prognostizieren, dass es für das Edelmetall sogar noch weiter herabgehen könnte – auf bis zu 800 Dollar pro Unze. Zwar sei es wahrscheinlicher, dass der Goldpreis eher bei 1050 Dollar verweile. Doch wenn die Zinsen in den USA wieder steigen, China eine weitere Korrektur erfährt und die Zentralbanken noch weitere Reserven veräußern, könnte für das Edelmetall eben doch das Worst-Case-Szenario eintreten und der Kurs unter die 1000-Dollar-Grenze fallen.

Kommentare (1)

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27.07.2015, 18:04 Uhr

Ich habe doch gar kein Gold

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