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07.03.2013

17:20 Uhr

Goldpreis unter Druck

Warum Investoren ihr Gold verkaufen

Der Goldpreis ist von seinem Rekordhoch weit entfernt und erlebt die längste Talfahrt seit 15 Jahren. Analysten sehen mehrere Gründe für den Preisverfall und haben auch den „größten Feind“ des Goldes gefunden.

1000 Gramm schwere Goldbarren. Der Goldpreis fällt seit fünf Monaten. dpa

1000 Gramm schwere Goldbarren. Der Goldpreis fällt seit fünf Monaten.

FrankfurtAuf dem Höhepunkt der Finanz- und Schuldenkrise rissen sich die Anleger noch um Gold - der ältesten Währung der Welt. Doch obwohl die Krisen weiter schwelen, rückt das Rekordhoch von 1920 Dollar je Feinunze aus dem September 2011 dieser Tage in immer weiterer Ferne. Eine Feinunze des Edelmetalls kostet derzeit etwas weniger als 1600 Dollar. Und viele Experten senken seit Wochen ihre Prognosen für die weitere Preisentwicklung.

Goldnachfrage weltweit (in Tonnen)

2003

Schmuck: 2.484
Barren und Münzen: 304
ETFs: -
Industrie: 386
Zentralbanken: -620
Gesamt: 2.594 Tonnen

2004

Schmuck: 2.616

Barren und Münzen: 355

ETFs: 133

Industrie: 419

Zentralbanken: -479

Gesamt: 3.044

2005

Schmuck: 2.719

Barren und Münzen: 396

ETFs: 208

Industrie: 438

Zentralbanken: -663

Gesamt: 3.098

2006

Schmuck: 2.300

Barren und Münzen: 414

ETFs: 260

Industrie: 468

Zentralbanken: -365

Gesamt: 3.077

2007

Schmuck: 2.423

Barren und Münzen: 435

ETFs: 253

Industrie: 476

Zentralbanken: -484

Gesamt: 3.104

2008

Schmuck: 2.304

Barren und Münzen: 869

ETFs: 321

Industrie: 461

Zentralbanken: -235

Gesamt: 3.720

2009

Schmuck: 1.814

Barren und Münzen: 780

ETFs: 623

Industrie: 410

Zentralbanken: -34

Gesamt: 3.593

2010

Schmuck: 2.017

Barren und Münzen: 1.205

ETFs: 382

Industrie: 466

Zentralbanken: 77

Gesamt: 4.147

2011

Schmuck: 1.972

Barren und Münzen: 1.515

ETFs: 185

Industrie: 453

Zentralbanken: 457

Gesamt: 4.582

2012

Schmuck: 1.908

Barren und Münzen: 1.256

ETFs: 279

Industrie: 428

Zentralbanken: 535

Gesamt: 4.405

2013

Schmuck: 2.671

Barren und Münzen: 1.702

ETFs: - 916

Industrie: 354

Zentralbanken: 625

Gesamt: 4.436

2014

Schmuck: 2.457

Barren und Münzen: 1.004

ETFs: - 183

Industrie: 347

Zentralbanken: 588

Gesamt: 4.212

Q1 2015

Schmuck: 601

Barren und Münzen: 253

ETFs: 26

Industrie: 80,4

Zentralbanken: 119

Gesamt: 1.079
Auf das Jahr hochgerechnet: 4.316

Als Begründung geben sie die Erholung der US-Konjunktur und eine Beruhigung der Schuldenkrise in der Euro-Zone an. Das politische Patt in Rom, das an anderen Märkten den Investoren zeitweise den Nerv raubte, oder das Scheitern der Haushaltsverhandlungen in den USA ließ die Goldinvestoren kalt. Die jüngsten Ereignisse hätten allenfalls die Talfahrt etwas gebremst, erläutern Rohstoff-Händler.

Den Trend geändert hätten sie bislang nicht, was an den Abflüssen aus dem New Yorker SPDR Gold Trust - dem größten börsennotierten ETF-Fonds der Welt - abzulesen ist. Er verzeichnete im Februar den größten Rückgang seit 2004.

Der Goldpreis selbst ist in den vergangenen fünf Monaten gefallen. Das ist der längste Abwärtstrend seit Anfang 1997. Allein im Februar sank der Preis um rund fünf Prozent.

Sollten langfristig orientierte ETF-Investoren tatsächlich ihre Bestände reduzieren, könnte dies für all jene ein Problem werden, die auf steigende Goldnotierungen im Stil der letzten zehn Jahre setzen, erklärt Daniel Brebner, Analyst bei der Deutschen Bank in London. Immerhin zählt zu denen, die zuletzt ihre Anteile am SPDR-Fund senkten, kein Geringerer als die US-Investorenlegende George Soros. Im vierten Quartal 2012 trennte er sich von mehr als der Hälfte seiner SPDR-Anteile. Nachdem Soros 2011 die Goldpreisentwicklung als „die ultimative Blase“ beschrieben hatte, überraschte das zwar wenige Börsianer. Doch verstimmte es viele, wenn sich ein Mann mit dem Ruf von Soros abwendet.

Was 2012 aus 1.000 Euro wurde

Zypriotische Aktien (CSE)

407 Euro

Öl (WTI)

899 Euro

Spanische Aktien (Ibex)

968 Euro

Chinesische Aktien (Shanghai Composite)

989 Euro

Sparbuch (Durchschnitt)

1005 Euro

Tagesgeld (Durchschnitt)

1014 Euro

US-Staatsanleihen

1029 Euro

Gold

1034 Euro

Bundesanleihen

1038 Euro

Dow Jones

1049 Euro

Silber

1052 Euro

Nikkei 225

1069 Euro

EuroStoxx 50

1149 Euro

Schweizerische Aktien (SMI)

1167 Euro

Italienische Staatsanleihen

1203 Euro

Euro-Unternehmensanleihen (Non-Investment-Grade)

1242 Euro

Irische Staatsanleihen

1297 Euro

Dax

1299 Euro

Griechische Aktien (ASE)

1342 Euro

Griechische Staatsanleihen (inkl. Schuldenschnitt, ohne Rückkauf)

1452 Euro

Türkische Aktien (ISE 100)

1576 Euro

Venezolanische Aktien (IBC)

2882 Euro

Hinter den börsennotierten Indexfonds (ETF) stehen nicht weniger als 2265 Tonnen Gold - mehr als Japan, Russland und die EZB zusammen eingebunkert haben. Sollte das alles gleichzeitig auf den Markt kommen, würde der Goldpreis kollabieren. Doch damit rechnen die Analysten nicht. Die Goldkäufe der Zentralbanken dürften die potenziellen ETF-Verkäufe kompensieren, erklären die Experten der DZ Bank und der LBBW. Viele Notenbanken - vor allem aus den Schwellenländern - nutzten Gold zur Diversifizierung ihrer Währungsreserven. Die DZ Bank rechnet vor, dass die Zentralbanken 2012 mit 535 Tonnen Gold soviel wie seit 1964 nicht mehr gekauft haben.

Kommentare (46)

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Taeuschung-der-Massen

07.03.2013, 17:38 Uhr

Ein Artikel, der nicht in der Lage ist, zwischen physischem Gold und Papiergold (Optionen, Comex-kontrakte und ETFs, vor allem GLD) zu unterscheiden, entbehrt leider der Seriosität. Es scheint den Autoren nicht bekannt zu sein, das für jede Unze physisch existierendes Gold Paperversprechen für mindestens 100 Unzen bestehen. Wie könnte sonst an einem Tag am 19 2.2013 soviel Goldkontrakte an COMEX gehandelt werden wie physisches Metall in einem Jahr überhaupt produziert wird? Auch nicht, dass östliche Zentralbanken, allen voran Russland und China, novh heute massiv physisches Gold kaufen. Auch nicht, dass Soros sein Papiergold verkauft um auf physisches umzusteigen.

Michael

07.03.2013, 17:41 Uhr

Kaufe zur zeit die dritte Charge. Nicht wirklich viel (ist ja immer Ansichtssache), aber schaden wird es nicht.

azaziel

07.03.2013, 18:02 Uhr

Die groesste Gefahr fuer den Goldpreis ist ein Verbot privaten Besitzes von Gold in wichtigen Laendern. Sobald ein Staat seine Hoheit ueber gesetzliche Zahlungsmittel zu verlierenn droht, wird er handeln. So ist es seit vielen Jahrhunderten gelaufen. Siehe Philip, der Schoene (Wikipedia). Heute ist sogar mit koordiniertem Handeln vieler Staaten und ihrer Zentralbanken zu rechnen.

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