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15.05.2012

15:26 Uhr

Goldreserven der Bundesbank

Wo steckt das Gold - und wie viel ist übrig?

VonNorbert Häring, Frank Matthias Drost, Jörg Hackhausen

Um das Gold der Deutschen ist eine heftige Debatte entbrannt. Kritiker werfen der Bundesbank vor, sie passe nicht gut genug auf den Schatz auf. Nun wollen sie die Barren nachzählen. Die Währungshüter sind strikt dagegen.

Goldbarren - diese hier lagern nicht in New York, bei der Fed, sondern bei der Bundesbank selbst. dpa

Goldbarren - diese hier lagern nicht in New York, bei der Fed, sondern bei der Bundesbank selbst.

Frankfurt, Berlin, DüsseldorfDie Deutsche Bundesbank wacht über einen riesigen Goldschatz. An den lässt sie niemanden ran - sie erlaubt nicht einmal, dass jemand nachschaut, ob noch alles da ist. Das Ansinnen des Bundesrechnungshofs, die deutschen Goldreserven überprüfen zu lassen, wiesen die Währungshüter zurück. Eine derartige Kontrolle sei unter Notenbanken unüblich, hieß es. Der Bundesrechnungshof hatte zum einen stichprobenartige Kontrollen gefordert, zum anderen angemahnt, der Goldbestand müsse komplett inventarisiert werden.

Nach Angaben der Bundesbank lagert der größte Teil ihrer knapp 3.400 Tonnen Gold in New York, bei der US-Zentralbank Federal Reserve. Außerdem verwahren die Notenbanken Großbritanniens und Frankreichs kleinere Bestände des deutschen Goldes.

Die Goldreserven der Staaten

USA

Goldschatz: 8.133,5 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 75,7 Prozent

Stand: Januar 2014

Deutschland

Goldschatz: 3.387,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 72,8 Prozent

Internationaler Währungsfonds (IWF)

Goldschatz: 2.814 Tonnen

Italien

Goldschatz: 2.451,8 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 72,1 Prozent

Frankreich

Goldschatz: 2.435,4 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 70,5 Prozent

China

Goldschatz: 1.054,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 1,7 Prozent

Schweiz

Goldschatz: 1.040,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 10,6 Prozent

Russland

Goldschatz: 1.015,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 9,5 Prozent

Japan

Goldschatz: 765,2 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 3,2 Prozent

Niederlande

Goldschatz: 612,5 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 59,7 Prozent

Indien

Goldschatz: 557,7 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 9,9 Prozent

Türkei

Goldschatz: 506,3 Tonnen

Europäische Zentralbank (EZB)

Goldschatz: 502,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 32,9 Prozent

Kritiker nehmen daran Anstoß. Sie meinen, die Bundesbank habe die Kontrolle über das Gold aus der Hand gegeben. Der Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler, der schon vor zwei Jahren über parlamentarische Anfragen und ein Rechtsgutachten mehr Aufklärung über die deutschen Goldreserven angemahnt hatte, erklärte: "Die Frage ist, ob ein Großteil der physischen Goldreserven nur noch aus bloßen Goldforderungen besteht. Ob also ein wesentlicher Teil verliehen wurde." Gerade in den heutigen Krisenzeiten dürfe es keinen Zweifel geben, dass die Bundesbank physisch über ihr Gold verfügen könne. Der Münsteraner Professor Jörg Baetge hatte in einem Gutachten für Gauweiler festgestellt, die Bundesbank verletze beim Gold die Grundsätze ordnungsgemäßer Inventur und Buchführung.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

Inzwischen hat auch der Haushaltsausschuss des Bundestags einen Bericht angefordert. Eine Meldung der "Bild-Zeitung" Angaben, nach denen Bundesbank-Chef Jens Weidmann eine Herausgabe des Berichts verhindern wollte, dementierte die Bundesbank. Ein Sprecher des Rechnungshofs kündigte an, der Bericht werde dem Ausschuss mit einer Stellungnahme der Bundesbank und einer eigenen Würdigung zugesandt." An der Integrität und der Reputation ausländischen Lagerstellen gibt es keinen Zweifel", betont die Bundesbank. Zudem sei von dem Gold nichts verliehen.

Kommentare (39)

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Account gelöscht!

15.05.2012, 15:43 Uhr

"Gerade in den heutigen Krisenzeiten dürfe es keinen Zweifel geben, dass die Bundesbank physisch über ihr Gold verfügen könne"

Abwarten wenn selbst der dümmste Bürger versteht dass sein Euro und Dollar nichts weiter als faule Versprechen sind und eigentlich nicht mal mehr das PApier wert sind auf dem sie stehen. Man konnte in den letzten damaligen Währungsreformen, vor denen wir unweigerlich bald wieder stehen, nicht umsonst ganze Strassenzüge mit wenigen Unzen Gold kaufen.

IRR

15.05.2012, 15:48 Uhr

Wenn das Gold der Bundesbank nicht mehr hier in Deutschland ist, dann gehört es uns sicher nicht mehr.
Oder aus welchem Grund gibt man die Aufbewahrung von Gold in fremde Hände?

Account gelöscht!

15.05.2012, 15:55 Uhr

Soweit ich gelesen habe, lagert das meiste Gold in Westpoint, einem amerikanischen Militärstützpunkt. Und selbst die Amerikaner fragen sich, ob ihr Gold überhaupt noch in dem Maße vorhanden ist, wie die Zahlen glauben schenken wollen.
Und soweit ich noch gelesen habe, besteht von amerikanischer Seite kein großer Wille, deutsches Gold wieder auszuhändigen. Denn solange die FED der EZB grenzenlose Dollar-Kredite per Knopfdruck verschafft, steht Europa bei den USA in der Kreide. Deswegen werden sie warscheinlich alles tun, damit deutsches Gold in den USA bleibt. Im Krisenfall hat schließlich der die Macht, der auf dem Gold sitzt. Und das ist sogar im Endeffekt das amerikanische Militär und nicht die US-Regierung!

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