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16.06.2011

08:21 Uhr

Griechenland-Krise

Der Euro fällt, die Wut wächst

Der griechische Regierung wankt, die Euro-Länder streiten endlos über das Rettungspaket: Das europäische Chaos bringt die Gemeinschaftswährung stark unter Druck.

Proteste vor dem Parlament: Die Griechen wollen von der Politik gehört werden - egal wie. Quelle: dpa

Proteste vor dem Parlament: Die Griechen wollen von der Politik gehört werden - egal wie.

Eine Lösung für die Schuldenkrise Griechenlands ist weiterhin nicht in Sicht - sehr zum Unbehagen der Märkte. Die Furcht vor einer Eskalation der europäischen Schuldenkrise hat den Euro am Donnerstag stark unter Druck gesetzt. Die Gemeinschaftswährung fiel am Morgen auf ein Drei-Wochen-Tief von 1,4091 Dollar nach 1,4160 Dollar im späten New Yorker Vortagesgeschäft. Für den Rutsch nach unten sorgten laut Händlern vor allem die Aussagen von EZB-Ratsmitglieds Nout Wellink. Er forderte laut einem niederländischen Zeitungsbericht, den europäischen Rettungsfonds wegen der Griechenland-Krise auf 1,5 Billionen Euro zu verdoppeln.

An der Wall Street schloss der Euro dann mit 1,4179 US-Dollar. Experten rechnen damit, dass die Gemeinschaftswährung weiter unter Druck gerät. Auch an den Aktienmärkten hinterließ die Unsicherheit Spuren.

Zum Handelsbeginn am Donnerstag in Tokio notierte der Euro zum Yen deutlich schwächer mit 114,69-73 Yen nach 115,82-86 Yen am späten Vortag. Zum Dollar lag er bei 1,4189-91 Dollar nach 1,4371-73 Dollar am späten Vortag.

Prominente Stimmen zur Schuldenkrise

Axel Weber, Ex-Chef der Bundesbank

„Ab einem bestimmten Punkt muss man seine Verluste einschränken und das System neu starten“

Horst Köhler, ehemaliger Bundespräsident und einst Chef des IWF

„Die Euro-Gruppe und das ganze europäische Projekt stehen wegen gravierender politischer Versäumnisse in der Vergangenheit vor einer nie dagewesenen Zerreißprobe.“

George Soros, Großinvestor und Präsident von Soros Fund Management

„Seien wir mal ehrlich: Wir stehen am Rand des Zusammenbruchs, der - sagen wir mal - mit Griechenland anfängt, aber sich leicht ausweiten kann.“

Wolfgang Schäuble, Bundesfinanzminister

„Wir stehen vor dem realen Risiko der ersten ungeordneten Staatsinsolvenz innerhalb der Euro-Zone.“

Mohamed El-Erian, Chef des weltgrößten Anleiheinvestors Pacific Investment Management Co (Pimco)

„Griechenland hat zu viele Schulden und kann nicht wachsen, solange diese Probleme nicht gelöst sind. [...] Das Land wird um eine Umschuldung nicht herumkommen.“

Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung

„Also das Geld ist verloren. Die Griechen können ja jetzt schon nicht zurückzahlen. Griechenland war im Grunde schon vor einem Jahr pleite.“

Barack Obama, US-Präsident

„Eine Spirale der Zahlungsunfähigkeit wäre eine Katastrophe.“

Jürgen Stark, Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank

„Solidarität darf nicht in der Weise missverstanden werden, dass die europäischen Partner und die internationale Gemeinschaft keine andere Wahl hätten, als die Finanzierung fortzusetzen. Niemand ist erpressbar und niemand darf erpressbar sein. [...] Das Schicksal des Euro hängt nicht an Griechenland.“

Warren Buffett, Investmentlegende

„Ein Kollaps des Euro ist nicht undenkbar.“

Kenneth Rogoff, Harvard-Professor und ehemaliger Chefökonom des IWF

„Die EU schiebt das Schuldenproblem nicht nur vor sich her, sondern wie einen Schneeball den Berg hinunter.“

Jean-Claude Juncker, luxemburgischer Premier und Eurogruppenchef

„Es wird keine vollständige Umschuldung Griechenlands geben. Auch der Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone ist niemals ein Thema gewesen“.

Jim Rogers, Börsenexperte

„Lasst Griechenland pleitegehen!“

Jim O'Neill, Chef der Vermögensverwaltung bei Goldman Sachs

„Es wäre besser für die Zukunftsfähigkeit der Europäischen Währungsunion, die Restrukturierung Griechenlands schnell über die Bühne zu bringen. Wenn nicht, wird die Krise immer schlimmer und breitet sich womöglich auch auf andere Länder aus.“

Bill Gross, Manager des größten Anleihefonds der Welt

„Die Währungshüter versuchen, das Ungleichgewicht von zu hohen Schulden und zu attraktiven Zinsen auf Ersparnisse auszugleichen. Man könnte das als finanzielle Repression bezeichnen. Wir nennen es Taschendiebstahl.“

Angela Merkel, Bundeskanzlerin

„Wenn der Euro als Ganzes in Gefahr ist, ist es das deutsche Interesse zu helfen, um den wirtschaftlichen Aufschwung nicht zu gefährden.“

Am späten Mittwochnachmittag war bekannt geworden, dass Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou der Opposition angeboten habe, eine gemeinsame Regierung zu bilden. Diese Einheitsregierung solle alle nötigen und schmerzhaften Reformen durchsetzen, die notwendig sind, um weitere Milliardenhilfen von der EU und dem Internationalen Währungsfonds zu erhalten. Falls es zur Bildung einer solchen Regierung komme, werde Papandreou möglicherweise auf das Amt des Regierungschefs verzichten, hieß es.

„Sollte Papandreou überraschend nicht das Vertrauen erhalten, wäre das ein erheblicher Rückschlag hin zu einem neuen Hilfspaket für Athen. Mit den zunehmenden Protesten gegen die geplanten Sparmaßnahmen baut sich zudem das Risiko auf, dass ein solches Paket scheitert, weil die Griechen den Ernst der Lage nicht erkennen“, schrieben die Analysten der Commerzbank in einem Kommentar.

Kommentare (27)

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Revision

16.06.2011, 05:23 Uhr

die DM war das schaerfste Schwert der Deutschen. Darum war der Euro die Bedingung der Franzosen fuer die deutsche Wiedervereinigung.
Freiwillig werden wir nie aus dem Euro Waehrungsverbund ausscheiden duerfen.

Account gelöscht!

16.06.2011, 07:10 Uhr

Wenn man für die Relation US-$ und € über die letzten 6 Jahre eine Trendlinie legt, so findet man einen Anstieg des € von ca. 1,25 auf ca. 1,40. Sicher gibt es seit 2008 erhebliche Schwankungen. Aber jetzt von einem 'Absturz' zu reden (im Juni 2010 lag der Wert bei rund 1,20) halte ich für ziemlich reißerisch und spekulativ.

GOLDI

16.06.2011, 07:49 Uhr

Die Politiker der EU möchten mit der Wahrheit nicht an die Öffentlichkeit treten! Es wird nach einer Lösung gesucht die Wahrheit zu vertuschen.... und man findet bis jetzt keine, leider.
Es gibt 2 Lösungen:
Griechenland ist insolvent, dies ist zu akzeptieren und entsprechend ist das Land abzuwickeln
oder Deutschland zahlt jährlich 100-200 Milliarden an Griechenland zum Ausglich deren Schulden und laufenden Ausgaben, dann wäre der EURO bis zur Zahlungsunfähigkeit Deutschlands gerettet.

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