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05.05.2015

13:26 Uhr

Großbritannien

Pfund-Anleger so nervös wie lange nicht

Vor der Parlamentswahl am Donnerstag in Großbritannien werden Pfund-Anleger zunehmend nervös. Je näher der Wahltag rückt, umso stärker schwankt die Währung. Das Währungsrisiko abzusichern, wird immer teurer.

Absicherungsgeschäfte auf Schwankungen des Pfund werden teurer. dpa

Das britische Pfund

Absicherungsgeschäfte auf Schwankungen des Pfund werden teurer.

LondonWenige Tage vor der Parlamentswahl in Großbritannien schießen die Kosten zur Absicherung gegen starke Schwankungen beim Pfund in die Höhe. Das Barometer, das die Nervosität der Pfund-Anleger misst, kletterte am Montag auf 17,725 Punkte und markierte damit den höchsten Stand seit fünf Jahren.

Für Ungewissheit sorgt vor allem die Frage, ob Großbritannien in der nächsten Legislaturperiode auf einen Austritt aus der EU zusteuern könnte. Premierminister David Cameron hatte jüngst bekräftigt, im Falle seiner Wiederwahl noch vor 2017 ein Referendum über den EU-Verbleib Großbritanniens anzusetzen. Der Ausgang der Wahlen ist noch völlig offen: Zuletzt lieferten sich die regierenden Konservativen und die oppositionelle Labour Party in den Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Gewählt wird am Donnerstag.

Vom Urnengang bis zum traditionellen Handkuss

Vom Urnengang bis zum traditionellen Handkuss (1)

Nach der Parlamentswahl in Großbritannien am Donnerstag wollen sowohl die konservativen Tories von Premierminister David Cameron als auch die sozialdemokratische Labour-Partei von Oppositionsführer Ed Miliband gern allein regieren. In Umfragen liegen beide nahezu gleichauf - was das Wahlergebnis hergeben wird, ist aber unklar.

Vom Urnengang bis zum traditionellen Handkuss (2)

Beobachter halten eine neuerliche Koalitions- oder aber eine Minderheitsregierung für gut möglich. Unter anderem wird dies vom Abschneiden kleiner Parteien wie der Schottischen Nationalpartei (SNP) oder der EU-feindlichen United Kingdom Independence Party (Ukip) abhängen. Ein Überblick zur Wahl:

Vier Regionen, 650 Sitze und strenges Mehrheitswahlrecht (1)

Insgesamt sind bei der Wahl zum Unterhaus für England, Schottland, Wales und Nordirland 650 Sitze zu vergeben. Jeder Wahlkreis fasst etwa 70.000 Wähler, und die Abstimmung verläuft streng nach dem Mehrheitswahlrecht. Dies bedeutet, dass gewählt ist, wer die meisten Stimmen im Wahlkreis erhält.

Vier Regionen, 650 Sitze und strenges Mehrheitswahlrecht (2)

Die landesweite Gesamtstimmenanteil ist letztlich unerheblich, was für die Tories und Labour als Volksparteien vorteilhaft ist. Der Wahltermin ist nach der Einführung fester Zeitpunkte im Jahr 2011 erstmals in der britischen Geschichte bereits seit vier Jahren bekannt.

Absolute Mehrheit, Koalition oder Minderheitsregierung (1)

Gewinnt eine Partei 326 Sitze oder mehr, beauftragt Königin Elizabeth II. deren Chef mit der Regierungsbildung. Ohne absolute Mehrheit muss nach Partnern für eine Koalition oder eine Minderheitsregierung gesucht werden. Die Regierung bleibt dann geschäftsführend im Amt.

Absolute Mehrheit, Koalition oder Minderheitsregierung (2)

Koalitionen wie derzeit zwischen Tories und Liberaldemokraten sind in Großbritannien jedoch traditionell unüblich. Daher könnten die Tories oder Labour eher auf eine von einer kleinen Partei gestützte Minderheitsregierung bauen. Diese müsste zum Start eine Vertrauensabstimmung bestehen.

Rücktritt, Neuernennung ud der traditionelle Handkuss (1)

Sobald sich abzeichnet, dass eine neue Regierung zustande kommt, ist der übergangsweise amtierende Premierminister zum Rücktritt verpflichtet. Dies trifft sowohl für den Fall einer Koalition als auch einer Minderheitsregierung zu.

Rücktritt, Neuernennung und der traditionelle Handkuss (2)

Der mögliche neue Regierungschef wird dann von der Queen zum sogenannten Handkuss in den Buckingham Palace eingeladen, mit der Regierungsbildung beauftragt und symbolisch ernannt. Die Hand des Monarchen muss bei der Zeremonie inzwischen nicht mehr geküsst werden, die formelle Amtsübernahme erfolgt zudem erst später.

Das Pfund notierte am Dienstagmorgen mit 1,5101 Dollar schwächer als noch Ende vergangener Woche. Und auch gegenüber dem Euro ist die britische Währung zuletzt unter Druck gekommen. Devisenstrategen und Fondsmanager hatten das bereits vorhergesagt und erwarten noch stärkere Schwankungen, je näher der Wahltag kommt.

„Da es bei den Wahlen Spitz auf Knopf steht, ist man besser beraten, vorsichtiger zu agieren und kurzfristig nicht darauf zu setzen, dass das Pfund gegenüber dem Euro weiter aufwertet, ob die britische Konjunktur dafür spricht“, sagt Adrian Owens, Devisenfondsmanager von GAM.

Je nachdem, wie die Wahl ausgeht, könnten die Währungsschwankungen noch weiter anhalten oder schnell wiederkehren. Denn noch ist unklar, ob der Urnengang zu einer stabilen Koalition oder einer Minderheitsregierung führt und welche Partei das Sagen haben wird. Auch Neuwahlen halten Experten für denkbar. Unwahrscheinlich ist aus Sicht der weltweit größten Vermögensverwalters Blackrock dagegen nur eines: eine rasche und reibungslose Regierungsbildung.

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