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20.07.2017

22:51 Uhr

Hack von ungeahnter Größe

Ether im Wert von 32 Millionen US-Dollar gestohlen

VonFelix Holtermann

Die Serie von Ethereum-Diebstählen reißt nicht ab: Erneut ist eine große Summe der Internetwährung entwendet worden. Diesmal traf es keine Privatanleger, sondern drei Krypto-Start-ups.

Die digitale Währung könnte noch in diesem Jahr den Bitcoin in der Beliebtheit überholen. steheap - stock.adobe.com

Ethereum-Logo

Die digitale Währung könnte noch in diesem Jahr den Bitcoin in der Beliebtheit überholen.

DüsseldorfDie Hiobsbotschaften nehmen kein Ende. Nachdem vor wenigen Tagen beim sogenannten ICO, einer Finanzierungsrunde des Start-ups Dashcoin Ethereum im Wert von 6,5 Millionen Dollar binnen dreier Minuten entwendet worden war, liegt die Summe bei einem neuen Diebstahl nun bedeutend höher. Am Mittwoch stahlen Hacker ganze 150.000 Einheiten der Internetwährung im Wert von rund 26,8 Millionen Euro.

Geprellt wurden diesmal nicht Privatanleger, sondern eine Reihe an Start-ups aus dem Bereich Kryptowährungen, darunter offenbar die Firmen Edgeless Casino, Swarm City und Aeternity. Besonders pikant: Der Hack erfolgte bei digitalen Konten (in der Fachsprache als „Wallets“ bezeichnet), die eigentlich als besonders sicher gelten: Betroffen ist ein sogenanntes Multisig-Wallet, das im Unterschied zu privaten Konten das Geld mehrerer Anleger aufbewahrt.

Kryptowährungs-Nutzer, die in einem solchen Multisig-Wallet digitale Münzen aufbewahren, benötigen eigentlich mehrere Signaturen, um eine Transaktion auf ein anderes Konto auszulösen. Das verspricht mehr Sicherheit, was im konkreten Fall jedoch nichts genutzt hat.

Die wichtigsten Antworten zum Bitcoin

Was sind Bitcoins?

Bitcoins sind eine digitale Währung, deren Idee 2008 vorgestellt wurde. Die Bitcoins werden in komplizierten Rechenprozessen erzeugt, das kostet viel Zeit und Rechenleistung, wodurch eine Inflation verhindert werden soll. Auf Plattformen im Internet werden die Bitcoins gegen klassische Währungen gehandelt. Damit soll ein Geldsystem ermöglicht werden, das unabhängig von Staaten und Banken funktioniert sowie Transaktionen beschleunigt und Kosten minimiert.

Verbreitung

Pro Tag werden der Bundesbank zufolge auf der ganzen Welt 350.000 Transaktionen mit dem digitalen Tauschmittel getätigt, verglichen mit 77 Millionen Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen allein in Deutschland. Vor allem die Bitcoins haben sich über die USA hinaus zu beliebten Spekulationsobjekten mit starken Kursschwankungen entwickelt, außerdem zu einer Art Alternativwährung in Ländern mit Kapitalverkehrskontrollen. So ballt sich ein Großteil des Handels in China.

Vorteil 1

Durch Bitcoins sollen die Gebühren von Finanztransaktionen radikal absinken: Während man für eine Auslandsüberweisung über ein traditionelles Kreditinstitut schnell einen zweistelligen Euro-Betrag zahlt, ist die Gebühr für eine Bitcoin-Transaktion gering, liegt teilweise im Cent-Bereich. Zudem dauert die Transaktion meist nur Minuten, ganz egal wie groß die geografische Distanz zweier Konten zueinander ist.

Vorteil 2

Die Digitalwährung wird „peer-to-peer“ gehandelt, also direkt zwischen Nutzern ohne die Hilfe von Banken. Möglich macht dies die Nutzung der Blockchain-Technik: Innerhalb des Systems werden alle Transaktionen vielfach und dezentral (und damit dauerhaft nachvollziehbar) gespeichert. Dies könnte nicht nur Währungstransaktionen ohne Zwischeninstanz ermöglichen, sondern zum Beispiel auch Immobiliengeschäfte – die Rolle des Notars übernimmt dann das Blockchain-System. Ihr Konzept hat der bis heute unbekannte Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto in seinem berühmten „White Paper“, dem Gründungsdokument der Community, 2008 beschrieben. Bitcoins funktionieren außerdem „permissionless“, können also ohne Erlaubnis durch eine technische Aufsichtsbehörde benutzt werden. Die Internetwährung ist zudem „trustless“: Anleger müssen keiner externen Partei vertrauen, etwa auf die Autorität staatlicher Aufsichtsbehörden oder Zentralbanken, um Bitcoins nutzen zu können.

Nachteil 1

Hauptproblem für die Nutzer dürfte die starke Volatilität sein: Tatsächlich gab es seit 2014 mehrere markante Einbrüche. Im Januar war der Kurs noch unter die Marke von 800 Dollar gerutscht, auch im März hatte es einen größeren Rückschlag gegeben. Wie volatil der Kurs auf lange Sicht ist, zeigt ein Blick auf den Wertverlauf: Nach einem ersten Höchststand bei über 1.200 Dollar Ende 2013 ging es für Bitcoin-Besitzer vor allem bergab. Erst seit Ende 2015 steigt der Kurs tendenziell wieder, weist aber hohe Ausschläge nach oben und unten auf. Ein weiteres Problem: Bitcoins sehen sich harscher Kritik der Aufsichtsbehörden ausgesetzt. Kritiker monieren, dass die Digitalwährung wegen der schwer nachvollziehbaren Zahlungswege auch für kriminelle Zwecke verwendet werden kann. Die Bundesbank hatte unlängst Sparer vor Geldanlagen in der Digitalwährung gewarnt. Der Bitcoin sei „ein Spekulationsobjekt“, dessen Wert sich rapide verändere, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele. „Aus unserer Sicht ist der Bitcoin kein geeignetes Medium, um Werte aufzubewahren.“

Nachteil 2

Absolute Sicherheit gibt es nicht, wie die Angreifbarkeit digitaler Währungen zeigt. So gab es in der Vergangenheit zahlreiche Hackerangriffe auf große Krypto-Tauschbörsen wie MtGox oder BitFinex, bei denen Nutzer Geld verloren haben. Und innerhalb der Bitcoin-Gemeinde schwelt ein Streit über die Herstellungsrechte. Auf unbedarfte Benutzer, auf die die eingeschworene Bitcoin-Gemeinschaft eher abschätzig herabblickt, lauert eine weitere Gefahr: Digitalwährungen, die sich zwar begrifflich an die Bitcoin-Währung anlehnen, hinter denen aber ein betrügerisches System steckt. Der bekannteste Fall ist der der sogenannten Onecoins. Onecoins waren nur über eine zentrale Plattform zu erwerben und auf zentralen Servern gespeichert, Nutzer somit voll dem Betreiber ausgeliefert – für die Bitcoin-Gemeinde, die sich in Online-Foren wie Reddit austauscht, klare Anzeichen für ein Betrugssystem. Inzwischen ermitteln die Behörden.

Möglich wurde der Hack durch einen simplen Programmierfehler, einem Bug innerhalb der Wallet-Software. Die Entwickler entdeckten die IT-Hintertür über Monate nicht, die Hacker nutzten sie jedoch in kurzer Zeit aus, um das digitale Geld ohne die nötige Verifikation zu überweisen.

Neben den entwendeten 150.000 Ether (wie die Ethereum-Münzen kurz heißen) waren einem Bericht des Fachportals „BTC-Echo“ zufolge weitere 377.000 Ether im Gesamtwert von 67,4 Millionen Euro in Gefahr. Ein Entwickler bemerkte jedoch den Raubzug und informierte über Twitter andere Kollegen, wodurch die gefährdete Summe auf einem sicheren Konto geparkt werden konnte. Inzwischen soll der Fehler im Programmcode behoben sein.

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Simpler Raubzug: Ein Hacker hat die eigene digitale Kontonummer statt der offiziellen auf der Website des Start-ups Coindash platziert und sieben Millionen Dollar erbeutet. Der Fall ist symptomatisch.

Zwar ist im Ethereum-Netzwerk, das auf der Blockchain-Technologie basiert, das Zielkonto der Hacker nach wie vor auffindbar. Ein Großteil der gestohlenen Münzen wurde jedoch bereits weitertransferiert. Eine Rückbuchung kann vom Netzwerk nicht erzwungen werden.

Zwar sollen keine Konten von Privatanlegern betroffen sein, dennoch wirft der Fall ein erneutes Schlaglicht auf die Probleme der jungen Branche. „Die Kryptowelt befindet sich noch im Zustand des Wilden Westens“, sagt etwa Ingo Fiedler, der an der Universität Hamburg zu digitalen Währungen forscht.

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Und mit dieser Meinung steht er nicht allein: Die Technik ist nach Ansicht vieler Beobachter häufig noch nicht ausgereift, der Umgang der Nutzer mit ihr fehlerhaft. Fiedler empfiehlt Neuanlegern daher, zunächst nur mit geringen Summen an Digitalgeld zu agieren und dabei zu lernen: „Je mehr Verständnis für die Technologie entwickelt wird, umso eher können auch größere Summen bewegt werden.“

Wie der aktuelle Fall des mithilfe eines Programmierfehlers entwendeten Ethereums im Wert von knapp 27 Millionen Euro zeigt, kommt auch die beste Technik nicht gegen menschliche Nachlässigkeit an. „Ich erwarte solche Vorfälle auch in Zukunft mit gewisser Regelmäßigkeit“, bilanziert der Hamburger Forscher.

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