Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.10.2011

09:31 Uhr

Handelskrieg

China droht den USA mit Dollar-Verkauf

VonFinn Mayer-Kuckuk

Die nächste Runde im Streit der Supermächte ist eingeläutet: Die USA planen Sanktionen gegen China, wenn die Volksrepublik ihre Währung nicht aufwertet. Jetzt schlägt Peking zurück und droht mit seiner schwersten Waffe.

Chinesen halten Dollar im Billionenwert. Das ist ein starkes Machtmittel. ap

Chinesen halten Dollar im Billionenwert. Das ist ein starkes Machtmittel.

PekingChinesische Staatsmedien diskutieren seit Donnerstagmorgen in auffälliger Weise den Verkauf eines großen Anteils der Dollarreserven des Landes. „Ist es Zeit für China, die US-Schulden loszuwerden?“, fragte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua auf ihrer Website. „Die Verantwortlichen der der am schnellsten wachsenden unter den großen Volkswirtschaften suchen sicherere Wege, um die Währungsreserven zu investieren.“

Die provokanten Äußerungen kommen nur wenige Stunden, nachdem Peking der US-Regierung einen wirtschaftspolitischen Vergeltungsschlag angekündigt hat. Streitgrund ist ein Gesetzentwurf, in dem die USA den Chinesen Sanktionen androhen, falls sie ihre Währung nicht aufwerten. Die umstrittene Neuregelung hat kürzlich im Gesetzgebungsverfahren den Senat passiert. "Wenn die USA so weiter machen, sind wir gezwungen, weitergehende Maßnahmen zu ergreifen", sagte ein Sprecher des Handelsministeriums.

China ist der größte Gläubiger der USA. Die Zentralbank des Landes hortet amerikanische Staatsanleihen im Wert von 1,1 Billionen Dollar. Die Reserven haben sich angesammelt, weil chinesische Unternehmen den Amerikanern laufend mehr Waren verkauft haben als umgekehrt.

Chinas Devisenkäufe erfüllen eine wichtige Funktion für die USA. Sie finanzieren schon seit Jahren das Defizit des Landes zu vergleichsweise günstigen Zinsen. Außerdem stabilisiert es den Kurs des Dollars, wenn ein Marktteilnehmer laufend große Summen einbehält.

Ein massenhafter Verkauf der Dollar-Anleihen wäre dagegen klar zum Nachteil der Amerikaner. Die Reputation der Staatsanleihen würde leiden, wenn der Hauptschuldner aussteigt. Nach der viel beachteten Herabstufung der Bonität des Landes durch die Ratingagentur Standard & Poor’s wäre das ein neuer Schock. Die Refinanzierungskosten würden für den Finanzminister in Washington weiter steigen – und das in ohnehin klammen Zeiten.

Eine deutliche Abwertung des Dollars wäre vermutlich ebenfalls unvermeidlich, falls Peking auf Verkauf umschaltet. China hat zuletzt im Juni 2009 US-Staatsanleihen abgestoßen. Damals folgte sofort eine Phase schwächerer Bewertungen des Dollar. Aus wirtschaftspolitischer Sicht hat ein niedrigerer Wechselkurs zwar auch Vorteile: Er hilft dem Export. Doch mittelfristig würden sinkende Kurse den Niedergang des Greenback als weltweiter Prestigewährung beschleunigen.

Die Meldung der Nachrichtenagentur Xinhua zitiert mehrere bekannte Experten wie Regierungsberatern und Professoren staatlicher Universitäten, die sich für eine Abkehr vom Dollar aussprechen. Das Szenario einer Umschichtung gewinnt damit an ökonischer Tragfähigkeit und Glaubwürdigkeit.  

Kommentare (16)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

derbuntspecht

20.10.2011, 09:51 Uhr

"Die Reputation der Staatsanleihen würde leiden, wenn der Hauptschuldner aussteigt" ??? Hauptgläubiger, würde ich sagen? Müssen die Artikel denn heute immer so schnell fertig werden, dass man sie nicht mehr Korrektur lesen kann?

Moika

20.10.2011, 10:13 Uhr

Aber das ist doch mal eine gute Nachricht von der Währungsfront!

Hoffentlich machen die Chinesen ihre Drohung auch war. Denn eines ist doch sicher: Ohne mächtigen Druck von außen werden sich die amerikanischen Politiker weiter in witschafts- und vor allem finanzpolitischen Grabenkämpfen zerfleischen, ohne daß damit dem Land wirklich geholfen wird.

Diesem Druck könnten sich auch die Realtätsverweigerer aus den Reihen der Tea-Party samt ihrer Anhäger nicht entziehen. Obama wird's auch nicht gerne hören, denn der baut schließlich gerade Europa zum Buhmann für die selbstgemachten amerikanischen Probleme auf.

Vielleicht bringt das alle nicht nur wieder an den Verhandlungstisch zurück, sondern auch zu der Einsicht, daß der Rest der Welt nicht mehr bedenkenlos bereit ist, alle Fehler amerikanischer Politik mitzutragen.

Hugo99

20.10.2011, 10:14 Uhr

Solange die USA über Ihre Verhältnisse leben, bieten sie eine Angriffsfläche, da mittel- und langfristige Ungleichgewichte immer die Tendenz verspüren, ausgeglichen sein zu wollen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×