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23.01.2013

15:28 Uhr

Hans Redeker im Interview

„Der Euro wird massiv abwerten“

VonJörg Hackhausen

Europa braucht eine schwache Währung - und die Europäische Zentralbank wird dafür sorgen. Im Interview erklärt Hans Redeker, Chefstratege bei Morgan Stanley, warum der Euro fast auf Parität zum Dollar fallen könnte.

" Die EZB wird einen ähnlichen Weg gehen wie die Bank of Japan", sagt Hans Redeker von Morgan Stanley. Pressebild

"Die EZB wird einen ähnlichen Weg gehen wie die Bank of Japan", sagt Hans Redeker von Morgan Stanley.

Herr Redeker, der Euro hat in den vergangenen Wochen kräftig gegenüber dem Dollar gewonnen. Ein gutes Zeichen?

Was wir im Moment sehen ist ganz klar eine Übertreibung. Nach dem Versprechen von EZB-Präsident Mario Draghi, alles für den Erhalt des Euros zu tun, ist viel Kapital in die Euro-Zone zurückgeflossen. Dadurch wertet der Euro auf. Auf lange Sicht wird sich das aber wieder ändern. Wir brauchen in Europa eine schwache Währung, um unsere Probleme zu lösen.

Warum das?

Je mehr der Euro abwertet, desto mehr Zeit hat die Politik, die strukturellen Probleme zu lösen. Die Euro-Zone ist nach wie vor kein homogenes Gebilde. Die Länder in der Peripherie brauchen eine günstige Währung, um einigermaßen wettbewerbsfähig zu sein.

Was 2012 aus 1.000 Euro wurde

Zypriotische Aktien (CSE)

407 Euro

Öl (WTI)

899 Euro

Spanische Aktien (Ibex)

968 Euro

Chinesische Aktien (Shanghai Composite)

989 Euro

Sparbuch (Durchschnitt)

1005 Euro

Tagesgeld (Durchschnitt)

1014 Euro

US-Staatsanleihen

1029 Euro

Gold

1034 Euro

Bundesanleihen

1038 Euro

Dow Jones

1049 Euro

Silber

1052 Euro

Nikkei 225

1069 Euro

EuroStoxx 50

1149 Euro

Schweizerische Aktien (SMI)

1167 Euro

Italienische Staatsanleihen

1203 Euro

Euro-Unternehmensanleihen (Non-Investment-Grade)

1242 Euro

Irische Staatsanleihen

1297 Euro

Dax

1299 Euro

Griechische Aktien (ASE)

1342 Euro

Griechische Staatsanleihen (inkl. Schuldenschnitt, ohne Rückkauf)

1452 Euro

Türkische Aktien (ISE 100)

1576 Euro

Venezolanische Aktien (IBC)

2882 Euro

Deutschland bräuchte eine stärkere Währung.

Das ist richtig. Gemessen an Wirtschaftskraft und Arbeitskosten müsste der Euro nach unseren Berechnungen für Deutschland bei 1,53 Dollar stehen. Deshalb war die deutsche Exportwirtschaft der größte Profiteur der Euro-Krise in den vergangenen Jahren.

Wie wird sich der Wechselkurs entwickeln?

Die Überbewertung des Euro wird noch eine Weile bestehen bleiben. Am Ende des ersten Quartals könnte er bei 1,36 Dollar stehen. In der zweiten Jahreshälfte wird der Wechselkurs dann sukzessive fallen, auf 1,26 Dollar bis Jahresende, danach noch weiter.

So viele Schulden kann sich ein Staat leisten

Der Ökonom

Im Oktober 1990 hat Olivier Blanchard, Professor der Volkswirtschaftslehre am Massachusetts Institute of Technology (MIT), eine alte Frage beantwortet. Wie viele Schulden kann sich ein Staat leisten? Grob unterscheidet er drei Szenarien.

Neutrales Szenario

Das Bruttoinlandsprodukt wächst in einem Jahr um zwei Prozent, ein Land muss auf alle Staatspapiere durchschnittlich zwei Prozent Zinsen zahlen. Das Staatsdefizit ist tragfähig, wenn das Land einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen kann, also Staatsausgaben gleich Steuereinnahmen sind.

Gutes Szenario

Das Bruttoinlandsprodukt wächst um zwei Prozent, der Staat kann sich günstig refinanzieren und zahlt auf Staatsanleihen weniger als zwei Prozent Zinsen. Das Staatsdefizit ist sogar dann tragfähig, wenn dem Staat weniger Steuern zufließen als er Geld ausgibt.

Schlechtes Szenario

Das Bruttoinlandsprodukt wächst wieder um zwei Prozent, allerdings wollen Investoren mehr als zwei Prozent Zinsen pro Jahr, um ihr Geld dem Staat zu leihen. Das Staatsdefizit ist nur dann tragfähig, wenn die höheren Zinszahlungen über erhöhte Steuereinnahmen in gleichem Umfang gedeckt sind.

Wie weit?

Bis auf 1,05 Dollar in den nächsten zwei Jahren.

Wie bitte? Das wäre fast Parität zum Dollar. Warum sollte der Euro so stark fallen.

Das liegt zum einen am Wiedererstarken der USA. Die Erschließung neuer Schiefergas- und Ölvorkommen wird Amerika in den kommenden Jahren unabhängig von Energieimporten machen.  Durch erheblich niedrigere Energiekosten wird es zu einem Aufschwung der US-Wirtschaft und zu einem Boom auf dem Arbeitsmarkt kommen. Das unterstützt auch den Dollar. Auf der anderen Seite  wird Europa alles daran setzen, um seine Währung zu drücken. Ich denke, dass die Europäische Zentralbank einen ähnlichen Weg gehen wird, wie ihn die Bank of Japan gerade vormacht, nämlich durch monetäre Impulse die Gefahr einer Kreditimplosion zu verhindern. 

Kommentare (82)

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God

23.01.2013, 15:42 Uhr

Und Morgen scheint die Sonne und die Temperatur liegt bei 37°C im Schatten!

Wenn diese Menschen irgendwelche Zahlen von sich geben, dann hoffen die doch immer nur auf selbsterfüllende Propheizeihung. Wirklich wissen, was kommt, weiß keiner.

Rumpelstilzchen

23.01.2013, 15:44 Uhr

Was für ein Quatsch! Gegenüber dem US$? Bei der Verschuldung der USA? - Die übersteigt die Verschuldung der meisten europäischen Staaten bei weitem! Gegenüber dem Jen? Die Schulden der Japaner sind von allen Industriestaaten am höchsten, und die Regierung in Tokyo dreht gerade wieder den Geldhahn bis zum Anschlag auf! Gegenüber dem Renmimbi? Wäre nicht schlecht, dann bekämen die Importe aus China endlich mal einen angemessenen Preis!

Numismatiker

23.01.2013, 15:59 Uhr

@Rumpelstizchen:

Richtig!

Vor allem ist Vorsicht geboten, wenn Amerikaner Prognosen zur Zukunft des Euro abgeben. Da kommt immer sehr viel Wunschdenken heraus.

So pleite wie die USA jetzt schon sind, wird Europa in hundert Jahren nicht sein.

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