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20.06.2013

09:34 Uhr

Hans Redeker im Interview

„Die Zentralbank muss zu allem bereit sein“

VonJörg Hackhausen

ExklusivWie wird Japan mit seinen Schulden fertig? Mit noch mehr Schulden, meint Hans Redeker von Morgan Stanley. Um eine Pleite zu verhindern, müsse die Notenbank „unendlich“ viel Geld drucken. Die EZB könne so etwas nicht.

Hans Redeker von Morgan Stanley glaubt an die Macht der Zentralbanken. Pressebild

Hans Redeker von Morgan Stanley glaubt an die Macht der Zentralbanken.

Herr Redeker, Japan will mit neuen Schulden und mit Geld aus der Notenpresse endlich aus der Krise Kommen? Kann das funktionieren?
Japan hat keine andere Wahl. Wenn man nichts getan hätte, hätte das Land seine Schulden nicht mehr lange bezahlen können.

Japan ist extrem hoch verschuldet. Doch bisher hat das Land seine Anleihen immer bedient.
Das ging nur deshalb gut, weil sich Japan bei den eigenen Bürgern und den eigenen Banken verschulden konnte. Doch das funktioniert nicht mehr.

Warum?
Die Bürger haben dem Staat seit Jahrzehnten ihr überschüssiges Geld geliehen. Sie haben ihre Ersparnisse bei den heimischen Banken und Versicherungen angelegt, die die Verzinsung durch den Kauf von japanischen Staatsanleihen erwirtschafteten. Doch etwas Entscheidendes hat sich geändert: Japan steuerte im vergangenen November erstmals auf Leistungsbilanzdefizit zu. Damit wäre man auf Kapital aus dem Ausland angewiesen gewesen.

Wie wäre es mit Sparen?
Jede Form der Sparpolitik würde dazu führen, dass das Bruttoinlandsprodukt drastisch zurückgeht. Das kann es doch auch nicht sein.

Jetzt macht das Land noch mehr Schulden, finanziert durch die Notenbank. Ist das nicht riskant?
Es geht darum, eine Initialzündung zu schaffen. Das geht kurzfristig nur über Ausgaben. Langfristig müssen natürlich grundlegende Reformen hinzukommen, die den Staatshaushalt entlasten. Japan wird eine Pensionskürzung nach der anderen durchführen müssen. Ich will gar nicht bestreiten, dass das zu Ungerechtigkeiten führt. Wer auf eine staatliche Pension gesetzt hat, wird vermutlich verlieren. Aber das Geld ist leider schon ausgegeben.

Weltbörsen 2013: Die Gewinner und Verlierer

Nikkei

+ 27,8 Prozent seit Jahresanfang

Quelle: Reuters, Stand: 13.06.2103

Dow Jones

+ 14,5 Prozent

S&P 500

+ 13,0 Prozent

MSCI World

+ 9,8 Prozent

SMI (Schweiz)

+ 9,1 Prozent

Dax

+ 7 Prozent

FTSE 100

+ 6,8 Prozent

Euro Stoxx 50

+1,1 Prozent

MIB (Italien)

- 1,5 Prozent

BSE Sensex (Indien)

- 2,0 Prozent

SSE (China)

- 2,6 Prozent

Hang Seng (Hongkong)

- 5,8 Prozent

RTS (Russland)

-16,9 Prozent

Bovespa (Brasilien)

- 19,5 Prozent


Staatsfinanzierung durch die Notenbank kann es doch auch nicht sein.
Schauen Sie sich doch die neuen Realitäten an – was wäre die Alternative? Man kann sich auf einen konservativen Standpunkt stellen und eine unkonventionelle Geldpolitik ablehnen. Damit würde man die Wahl treffen, dass die überdimensionierte Verschuldung unserer Volkswirtschaften über Deflation abzubauen. Das ist genau das, was in den 1920er-Jahren passiert ist. Die Zentralbanken griffen nicht in die Krise ein, mit der Folge, dass weltweit ganze Volkswirtschaften zusammengebrochen sind. Das wird gerne vergessen. Heute gehen die Zentralbanken aggressiver vor, um so etwas wie damals zu verhindern.

Kommentare (24)

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Pequod

20.06.2013, 10:10 Uhr

Japans Probleme basieren auf nationaler Ebene und
sind hausgemacht, während Deutschland für die Miß-
wirtschaft eines sogenannten 'Europas' geradestehen
soll mit einer EZB, die mit einem Schneeballsystem
versucht ein marodes Eurosionssystem aufrecht zu er-
halten um mit einem finalen GAS - Germany's Asset
Stripping - Programm die BRD fertig zu machen.
Das muß wohl im Herbst mit der Wahl der AfD - Alter-
native für Deutschland - zurechtgerückt werden!

Account gelöscht!

20.06.2013, 10:26 Uhr

"Hans Redeker von Morgan Stanley glaubt an die Macht der Zentralbanken."

Ich glaube an den Weihnachtsmann. Aber ist die Meinung von Redeker ueberhaupt einen Artikel wert?

Account gelöscht!

20.06.2013, 10:29 Uhr

'Ich halte „Abenomics“ für durchdacht. Die Wahrscheinlichkeit, dass es funktioniert, liegt nach meiner Einschätzung bei 80 zu 20. Man darf natürlich nicht blind für die Risiken sein, was im Englischen als „Tail Risk“ bezeichnet wird. Aber nichts zu tun, ist keine Alternative.'

Es würde mich auch sehr wundern, wenn Abe mit seinen beherzten Maßnahmen keinen Erfolg haben würde.

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