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19.01.2006

12:24 Uhr

HB JOHANNESBURG. Der Goldpreis klettert von Rekord zu Rekord - doch der Welt größtem Edelmetall-Produzenten geht der Rohstoff aus. Südafrikas Bergbau-Industrie hatte schon 2004 mit 342,7 geförderten Tonnen einen historischen Tiefstand bei der Gold-Produktion erreicht. Die Branche ist daher weltweit auf Einkaufstour. Jüngstes Beispiel ist der Gold Fields-Konzern, der für 360 Mill. Dollar die kanadische Bolivar Gold übernehmen wird. Bis 2009, so das Ziel von Gold Fields, soll die heimische Produktion durch rund 1,5 Mill. Unzen von im Ausland gewonnenen Goldes aufgestockt werden. Zuvor hatte das Unternehmen bereits für 40 Mill. Dollar eine Mehrheits-Beteiligung an der peruanischen Cerro Corona-Mine erworben.

Auch auf dem eigenen Kontinent liegen die Südafrikaner auf Expansionskurs. Die größte Goldmine im westafrikanischen Staat Mali - Morila gehört den Branchenriesen Anglogold und Randgold zu jeweils 40 Prozent. In der zweitgrößten Lagerstätte des Landes peilt Randgold in diesem Jahr eine Jahresproduktion von 250 000 Unzen an - die wirtschaftlich abbaubaren Reserven der Loula-Mine werden auf 4,5 Mill. Unzen geschätzt.

Der Grund für die weltweite Jagd der Südafrikaner nach dem edlen Metall liegt nur zum Teil in einem Versiegen der wirtschaftlich zu fördernden Goldvorräte. Ein anderer ist die zunehmende Stärke der Landeswährung, des südafrikanischen Rand. Obwohl der Kap-Staat fürs vergangene Jahr ein stattliches Wirtschaftswachstum von fünf Prozent bekannt gab, leidet die Exportwirtschaft unter der Rand-Stärke. Das gilt auch für den Bergbau-Sektor. Denn die Betriebskosten fallen in der Landeswährung Rand an, der Erlös dagegen wird in Dollar erzielt.

Einfluss des Wandels

Die Branche, die 15 Prozent der weltweiten Goldförderung repräsentiert und gut fünf Prozent zu Südafrikas Brutto-Inlandsprodukt beisteuert, hat bereits in großem Maße umstrukturieren und entlassen müssen. Der Goldbergbau - der vor 120 Jahren zur Gründung der Stadt Johannesburg führte - war zu Apartheidzeiten einer der wichtigsten Arbeitgeber für ungelernte Südafrikaner. Beim kostspieligen und mühsamen Abbau des Edelmetalls aus zum Teil bis zu drei Kilometern Tiefe hatten die Unternehmen damals von der Bereitstellung billiger schwarzer Arbeitskräfte profitiert. Heute beschäftigt die Industrie rund 100 000 Menschen.

Zwölf Jahre nach der demokratischen Wende am Kap steht die Branche zudem unter dem Einfluss des Wandels, der ihr nach dem Willen der Regierung per Quotensystem zunehmend schwarze Manager und Aktionäre bescheren soll. Obwohl Südafrikas Investitionen in die Exploration 2004 erstmals wieder die 2-Mrd.-Dollar-Schwelle erreichte, erwarten Analysten in Johannesburg eine weltweite Goldknappheit. Nach Ansicht des Goldexperten David Davis würden pro Jahr mindestens 500 000 Feinunzen zusätzlich zum gegenwärtigen Niveau benötigt, um den Förderrückgang auszugleichen. Die für die nächsten fünf Jahre weltweit geplanten 29 neuen Bergwerke seien kaum in der Lage, das wett zu machen, sagte Davis der Zeitung "The Star".

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