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31.07.2011

10:33 Uhr

Höchstnotierung seit 12 Jahren

Brasiliens Regierung kämpft gegen steigenden Real

VonAlexander Busch

Brasiliens Währung steigt und steigt und steigt. Nun greift die Regierung in die Terminmärkte ein, um den Höhenflug des Real zu stoppen. Doch das dürfte wohl kaum gelingen.

Blick auf Rio de Janeiro Quelle: dpa

Blick auf Rio de Janeiro

São PauloDer Wert des brasilianischen Real nimmt unaufhörlich zu: In diesem Jahr hat der Dollar gegenüber dem Real rund sechs Prozent verloren. In den vergangenen zwölf Monaten waren es sogar 13 Prozent. Nur der Schweizer Franken hat noch stärker gegenüber dem Greenback zugelegt.

Die brasilianische Währung hat damit die höchste Notierung seit zwölf Jahren erlangt. Der brasilianische Finanzminister Gido Mantega hat nun erneut Maßnahmen verkündet, um eine weitere Aufwertung zu bremsen. Erstmals sollen Wechselkurspositionen auf den Terminmärkten besteuert werden, wenn die Investoren dabei auf eine weitere Stärkung des Reals setzen. Zudem wurde der dem Finanzministerium unterstehende Nationale Monetäre Rat (CMN) ermächtigt, künftig stärker in den Derivatemarkt einzugreifen.

"Die Maßnahmen kratzen erstmals nicht nur an der Spitze des Eisbergs", sagt Darwin Dib, Analyst von Itaú Unibanco. "Jetzt greift die Regierung auf den Terminmarkt ein, der für die Wechselkursentwicklung entscheidend ist." Die Regierung befürchtet, dass die Unsicherheit auf den Weltfinanzmärkten dazu führen könnte, dass der Real kurzfristig massiv aufgewertet wird. Doch was ihre eingeleiteten Maßnahmen bewirken können, bleibt abzuwarten.

"Die Regierung hat jetzt mehr Möglichkeiten, eine weitere Aufwertung zu bremsen", beobachtet José Carlos de Faria von der Deutschen Bank in São Paulo. "Dennoch erwarten wir mittelfristig keine Abwertung des Reals."
Denn: Inzwischen stärken weniger Finanzinvestitionen den Real. Es ist vielmehr der ungebremste Zustrom ausländischer Direktinvestitionen. So investierten im ersten Halbjahr ausländische Konzerne und institutionelle sowie private Investoren mit 32 Milliarden Dollar so viel Kapital in das Land wie zuletzt im Jahr 1947. Im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr ist das ein Anstieg von 168 Prozent.

Wegen der unerwarteten Zunahme der ausländischen Direktinvestitionen argwöhnen Finanzexperten inzwischen sogar, dass ausländische Portfolioinvestoren ihre Finanzanlagen getarnt als steuerfreie Direktinvestitionen in Brasilien deklarieren könnten.

Auch die hohen Rohstoffpreise sorgen dafür, dass Brasilien weiterhin eine positive Handelsbilanz erwirtschaftet - was wiederum das Dollar-Angebot erhöht. Es ist unwahrscheinlich, dass sich am Aufwertungskurs des Reals bald etwas ändern wird. Der Zentralbank bleibt nichts anderes übrig, als den Dollar abzuschöpfen: 3,3 Milliarden Dollar hat sie im Juli gegen Real getauscht. Mit 343 Milliarden Dollar sind die Devisenreserven jedoch so hoch wie noch nie.

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