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19.08.2015

18:00 Uhr

Hohe US-Lagerbestände

Machtkampf lässt Ölpreis abstürzen

VonMartin Dowideit

Der Preisverfall auf dem Ölmarkt hat sich am Mittwoch deutlich verschärft. Der Preis für US-Rohöl purzelt in kurzer Zeit um mehr als vier Prozent. Und weder die USA noch Saudi-Arabien drosseln die Produktion.

Neue Marktdaten aus den USA lassen den Ölpreis einbrechen. dpa

Ölförderung in den USA

Neue Marktdaten aus den USA lassen den Ölpreis einbrechen.

DüsseldorfRohöl der Sorte WTI ist am späten Mittwochnachmittag innerhalb von einer Stunde um fast vier Prozent im Preis auf bis zu 40,60 Dollar gefallen. Es lag damit fast zwei Dollar unter dem Tageshoch. Den Kurssturz hatte die Bekanntgabe von Lagerdaten für Rohöl in den USA ausgelöst.

Der Rohstoff notierte damit auf einem Niveau so niedrig wie seit mehr als sechseinhalb Jahren nicht. Auch Nordseeöl der Marke Brent rutschte über zwei Prozent ab auf 47,60 Dollar. Damit ist der Preis nur noch etwas mehr als zwei Dollar vom Jahrestief im Januar entfernt.

Welche Staaten über die größten Ölressourcen verfügen

Venezuela

konventionell: 3 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: 62,3 Milliarden Tonnen

Kanada

konventionell: 3,5 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: 51,2 Milliarden Tonnen

Russland

konventionell: 20 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: 14,8 Milliarden Tonnen

USA

konventionell: 15,7 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: 8,8 Milliarden Tonnen

China

konventionell: 16,2 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: 4,5 Milliarden Tonnen

Brasilien

konventionell: 13 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: 0,7 Milliarden Tonnen

Saudi Arabien

konventionell: 11,8 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: -

Kasachstan

konventionell: 4 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: 6,7 Milliarden Tonnen

Iran

konventionell: 7,2 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: -

Irak

konventionell: 6,1 Milliarden Tonnen
nicht-konventionell: -

Erläuterung

Die Auflistung zeigt die Top 10 Länder mit den größten konventionellen und nicht-konventionellen (Ölsand, Schwerstöl oder Schieferöl) Erdölressourcen im Jahr 2012. Erdölressourcen sind nachgewiesene, aber derzeit technisch und/oder wirtschaftlich nicht gewinnbare sowie nicht nachgewiesene, aber geologisch mögliche, künftig gewinnbare Energierohstoffmengen.

Quelle: BGR Energiestudie 2013

Analysten hatten erwartet, dass die US-Regierung ein Sinken der Rohöl-Lagerbestände um 800.000 Barrel (ein Barrel = 159 Liter) verkünden würde. Stattdessen meldete die US-Energiebehörde einen Anstieg um 2,6 Millionen auf 456 Millionen Barrel. „Die Daten waren eine völlige Überraschung“, so Tariq Zahir von der Finanzfirma Tyche Capital Advisors. „Wir glauben, dass die Daten nicht im Ölpreis berücksichtigt sind.“

Der Ölpreis hatte sich in den vergangenen Wochen bereits deutlich von über 60 Dollar abgeschwächt aus Sorge, dass es ein Überangebot im Markt gibt. Unter anderem deutet sich eine Lockerung der Sanktionen für den Iran an, der mehr Öl exportieren möchte. Außerdem tobt ein Machtkampf zwischen dem größten Öl-Produzenten Saudi-Arabien und der amerikanischen Fracking-Industrie. Durch hohe Produktion drückt Saudi-Arabien den Weltmarktpreis und gefährdet dadurch die Rentabilität vor allem von amerikanischen Ölförderern. Deren Fracking-Methode hatte die US-Produktion zu neuen Höhen geführt, ist aber relativ teuer.

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