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07.02.2006

12:12 Uhr

Holzexporte

Kanada streitet mit den USA um Bauholz

VonGerd Braune

Die Konservative Partei Kanadas schlägt im Konflikt um Holzexporte in die USA einen rauen Ton an. Sie fordert von den USA mehr als fünf Milliarden Dollar „illegaler Zölle auf Bauholz“ zurück.

OTTAWA. US-Botschafter David Wilkens bemüht sich um Entspannung. Sein Land habe mit einer Senkung der Strafzölle guten Willen bewiesen. Neben den Zöllen belastet der starke kanadische Dollar die Forstwirtschaft. Kanada ist einer der größten Holzexporteure.

Die Kanadier werfen den USA vor, gegen das Freihandelsabkommen NAFTA zu verstoßen. Im Frühjahr 2002 belegten die USA kanadische Importe mit Ausgleichszöllen und Anti-Dumping-Abgaben von rund 27 Prozent. In Kanada sind Wälder anders als in den USA überwiegend Staatsbesitz. Forstbetriebe zahlen an Bund oder Provinzen Gebühren für den Holzeinschlag. Zu wenig, glaubt die US-Industrie, die darin eine Subvention sieht. Kanada spricht dagegen von Protektionismus, der die US-Holzwirtschaft schützen soll. Seither mussten kanadische Unternehmen rund fünf Mrd. Dollar (etwa 3,5 Mrd. Euro) an Strafzöllen zahlen.

Doch trotz der Zölle sind Kanadas Holzexporte in die USA wegen des Baubooms gestiegen. Im Jahr 2004 waren es nach Regierungsangaben annähernd 50 Mill. Kubikmeter; 2005 sollen es noch etwas mehr gewesen sein. Das Magazin „Wood Markets Monthly“ gibt an, dass 87 Prozent der US-Bauholzimporte aus Kanada kommen, gefolgt von Europa mit neun Prozent. „Verringerte US-Zölle auf kanadische Bauholzlieferungen und der Effekt des stärkeren kanadischen Dollars sind einerseits positiv, andererseits negativ für Produzenten in Kanada“, so das Magazin. Der Dollar liegt zurzeit mit rund 87 US-Cents gegenüber der US-Währung auf dem höchsten Niveau seit 15 Jahren.

Die starke Nachfrage nach Bauholz, bedingt durch den Bauboom, wirkte sich auf die Preise aus. Anfang Februar notierten die „lumber futures“ (Bauholz) an der Chicago Mercantile Exchange bei 361 US-Dollar für 1 000 Board Feet (etwa 2,36 Kubikmeter). Im Jahr 2004 waren Spitzenpreise um 450 US-Dollar erzielt worden. Laut Jamie Greenough, Bauholz-Analyst bei Global Futures Corp. in Vancouver, begünstigt das milde Wetter die Bauprojekte; dies sei mit ein Grund für das hohe Preisniveau. Marktbeobachter erwarten aber, dass sich der Bauboom in diesem Jahr wegen des Anstiegs der Zinsen und geringerer Nachfrage etwas abkühlen wird. Greenough erwartet, „dass wir die höchsten Preise im ersten Halbjahr sehen“ und danach ein Preisnachlass zu verzeichnen ist.

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