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25.11.2017

10:00 Uhr

ICO-Boom

Wenn Stars wie Paris Hilton für Krypto-Börsengänge werben

VonFelix Holtermann

Virtuelle Börsengänge sind ein Milliardengeschäft. Jetzt werben sogar Superstars für ICOs. Wie beim Bitcoin steigen die Kurse – doch Betrugsfälle häufen sich. Ein äußerst riskantes Spiel für Anleger und Promis.

Die millionenschwere Hotelerbin, in Personalunion Model, Schauspielerin und Sängerin, wirbt jetzt auch für ICOs. Damit ist sie nicht allein. Reuters

Paris Hilton auf der Fashion Week 2017 in New York

Die millionenschwere Hotelerbin, in Personalunion Model, Schauspielerin und Sängerin, wirbt jetzt auch für ICOs. Damit ist sie nicht allein.

DüsseldorfParis Hilton ist ein Multitalent. Die 36-jährige Hotelerbin gibt sich nicht damit zufrieden, eines Tages über das Milliarden-Erbe ihrer Familie zu herrschen. Schon heute ist sie auf vielen anderen Partys unterwegs – ganz real, als DJane, im übertragenen Sinn, als Model, Schauspielerin, Designerin. Und jetzt auch virtuell: als Werbefigur für virtuelle Börsengänge, sogenannte ICOs.

ICOs sind ein noch junges Phänomen. Start-ups, oft aus dem Bereich der Kryptowährungen, geben bei einem ICO keine Aktien heraus, sondern virtuelle Gutscheine, sogenannte Tokens. Anleger handeln diese in der Hoffnung auf fantastische Gewinne analog zur Kursrally beim Bitcoin. Was sie für die Tokens bekommen, ist oft unklar. Manche versprechen eine Beteiligung an künftigen Gewinnen der Firma, andere einen Zugang zum geplanten Service. Teilweise werden sie von den Anbietern einfach nur als „Spenden“ deklariert. Insider glauben, dass die meisten ICOs zum Scheitern verurteilt sind, da den Start-ups funktionierende Geschäftsmodelle fehlen. Platzt die Blase, dürften die Anleger ihren Einsatz verlieren.

Superstars wie Paris Hilton scheinen solche Warnungen nicht zu stören. Anfang September kündigte das millionenschwere It-Girl auf Twitter an, am ICO von Lydian teilzunehmen. Die Agentur bietet Marketing für Krypto-Firmen an. In einem weiteren Tweet teilte sie das „White Paper“, das Geschäftskonzept von Lydian, mit ihren über 17 Millionen Fans. Zahlreiche Medien berichteten nach Hiltons Tweet über das zuvor unbekannte Start-up, das 100 Millionen Dollar erlösen wollte.

Paris Hilton ist nicht der einzige Promi, der ins ICO-Business eingestiegen ist. Ebenfalls auf Twitter wirbt US-Schauspieler Jamie Foxx für den ICO von Cobinhood, einem Start-up, das eine kostenfreien Handelsbörse für Kryptowährungen angekündigt hat. Bis heute hat die Firma über 13 Millionen Dollar eingesammelt.

Auch der ehemalige Boxweltmeister Floyd Mayweather zeigt sich öffentlichkeitswirksam im ICO-Fieber: Auf der Foto-Plattform Instagram verkündete er, er werde eine „scheißgroße Summe an Geld machen“ beim ICO der Firma Stox.com. Nach einem Tag war der ICO der Prognoseplattform abgeschlossen, Anleger investierten mehr als 30 Millionen Dollar in die virtuellen Gutscheine.

Die Motive der Promis, ihren Namen für virtuelle Börsengänge in den Ring zu werfen, sind Beobachtern zufolge klar: Das ICO-Business ist ein Milliardengeschäft. Wer mit Werbeverträgen oder einem eigenen Investment an Bord ist, kann in kürzester Zeit sehr viel Geld verdienen. Gab es 2016 laut der Branchenseite Coinschedule ganze 46 ICOs, liegt die Zahl 2017 schon bei über 200 – über 3,6 Milliarden Dollar wurden eingesammelt. 2016 hatte die Summe noch bei 96 Millionen Dollar gelegen. Mehr als 360 ICOs sind derzeit in Planung. Die prominente Schützenhilfe könnte den Markt nun weiter anheizen.

Hackerangriffe auf Bitcoin & Co

Bereits knapp eine Million Bitcoin gestohlen

Börsen, an denen Bitcoin & Co. gehandelt werden, sind ein beliebtes Ziel von Hackern. Bei ihren Überfällen erbeuten sie manchmal Millionen und stürzen die Betreiber der Handelsplattformen oft in die Insolvenz. Bislang wurden insgesamt knapp eine Million Bitcoin gestohlen – zum aktuellen Kurs ist das eine Beute von 8,2 Milliarden Dollar.

Einer Studie von Tyler Moore zufolge, einem Professor für Cyber-Sicherheit an der Universität von Tulsa, wurden seit der Erfindung von Bitcoin 2009 ein Drittel aller Handelsplattformen für Krypto-Währungen gehackt. Nach Angaben der Datenschutz-Organisation Privacy Rights Clearinghouse lag die Quote bei US-Banken im gleichen Zeitraum bei einem Prozent.

Mt.Gox

Am bekanntesten ist die Attacke auf die damals weltgrößte Bitcoin-Börse Mt.Gox aus Japan. Etwa 25.000 Kunden verloren rund 650.000 Bitcoin - aktueller Wert: 5,3 Milliarden Dollar. Die Bitcoin-Börse, über die seinerzeit 90 Prozent des weltweiten Handels abgewickelt wurden, schlitterte daraufhin Anfang 2014 in die Pleite. Der Insolvenzverwalter der Börse hat Ansprüche von Geschädigten im Volumen von 400 Millionen Dollar anerkannt.

Tether

Das jüngste Hacking-Opfer ist Tether. Das Startup teilte am 21. November 2017 mit, „externe Angreifer” hätten die gleichnamige Kryptowährung im Volumen von 31 Millionen Dollar gestohlen. Dem Branchendienst CoinMarketCap.com zufolge ist Tether mit einem Börsenwert von insgesamt 674 Millionen Dollar die Nummer 19 der insgesamt etwa 1300 Internet-Währungen.

Bitfinex

Im August 2016 erbeuteten Hacker bei einem Angriff auf die Hongkonger Handelsplattform Bitfinex 120.000 Bitcoins im damaligen Wert von etwa 70 Millionen Dollar. Gemessen am aktuellen Kurs beläuft sich der Schaden auf 982 Millionen Dollar.

Cryptsy

Im Juli 2017 wurde der Betreiber der kollabierten Börse Cryptsy dazu verurteilt, 8,2 Millionen Dollar an seine Kunden zu zahlen. Der Richter sah es als erwiesen an, dass 11.325 Bitcoin (heutiger Wert: rund 92 Millionen Dollar) gestohlen wurden. Allerdings blieb unklar, von wem.

Kraken

Am 7. Mai 2017 verloren Kunden der Handelsplattform Kraken einer Klageschrift zufolge fünf Millionen Dollar, weil sie während eines Hacker-Angriffs nicht auf ihre Konten zugreifen konnten. In dieser Zeit stürzte der Kurs der Internet-Währung Ether auf der Handelsplattform um 70 Prozent ab. Die Ether-Bestände derjenigen Anleger, die auf Pump spekuliert hatten, wurden daher zwangsverkauft.

Quelle: Reuters

Beobachter wie Frank Dornseifer befürchten eine neue Blase. Der Geschäftsführer des Bundesverbands Alternative Investments (BAI) kennt sich aus mit neuartigen Finanzprodukten und ist Innovationen gegenüber aufgeschlossen. Den Hype um virtuelle Börsengänge sieht er hingegen kritisch. „Ein ICO muss seriös vonstattengehen. Dann ist das ein spannendes neues Finanzierungsinstrument für junge Firmen. Es tummeln sich jedoch viele Glücksritter in dem Bereich, die kein funktionierendes Geschäftsmodell haben.“ Der aktuelle Boom erinnere ihn an den Beginn des grauen Kapitalmarkts, als Anbieter ohne Prospektpflicht und regulatorische Aufsicht Gelder einwerben konnten.

„Viele Anbieter haben regelrecht Dollar-Zeichen in den Augen. Sie werben auf Roadshows und im Internet für ihre ICOs, es gibt jedoch keine Zwischeninstanz oder Aufsicht. Unseriösen Anbietern öffnet das Tür und Tor.“ Dornseifer zieht eine klare Konsequenz: „Die Politik sollte einen verlässlichen rechtlichen Rahmen bereitstellen, der gleichzeitig Sicherheit für die Anleger schafft.“

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