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22.02.2016

13:46 Uhr

IEA-Bericht

USA könnten 2021 täglich fünf Millionen Barrel Öl mehr fördern

Noch treibt der niedrige Ölpreis amerikanische Fracking-Firmen aus dem Markt. Doch die Internationale Energieagentur sieht in ihrem neuesten Bericht einen Wendepunkt erreicht. Wie früher wird es aber trotzdem nicht.

Die Internationale Energieagentur schätzt, dass die US-Ölproduktion bis 2021 auf über 14 Millionen Barrel täglich steigt. AFP; Files; Francois Guillot

Ölförderung in Texas

Die Internationale Energieagentur schätzt, dass die US-Ölproduktion bis 2021 auf über 14 Millionen Barrel täglich steigt.

London/DüsseldorfDie aktuelle Lage am nordamerikanischen Ölmarkt ist miserabel. Der Ölpreis-Verfall hat im vergangenen Jahr mehr als 40 Unternehmen in die Pleite getrieben. Nach dem jüngsten Bericht des Öldienstleisters Baker Hughes ist die Zahl neuer Förderstätten in der vergangenen Woche auf 413 und damit den niedrigsten Stand seit 2010 gefallen. Da überrascht es nicht, dass die tägliche Produktion abnimmt. Doch gerade als die Märkte weiter einzubrechen drohen, wartet die Internationale Energieagentur (IEA) mit einer Überraschung auf.

Zwar werde die US-Produktion 2016 im Schnitt um 600.000 Barrel (159 Liter) pro Tag fallen. 2017 betrage der Fall erneut 200.000 Barrel. Doch schon 2018, so steht es im jüngsten IEA-Bericht, werde die US-Produktion von Öl wieder zunehmen. In fünf Jahren werden die USA laut IEA 14,2 Millionen Barrel Öl täglich fördern. Im Moment pumpen die Amerikaner noch etwas weniger als 9,2 Millionen Fässern am Tag aus ihren Böden. Das entspricht ungefähr zehn Prozent des derzeitigen globalen Bedarfs.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Der Grund für die künftige Förderexplosion ist nach Angaben der Internationalen Energieagentur der wieder ansteigenden Ölpreis. Die aktuelle sinkende Förderung balanciere das weltweite Angebot und die Nachfrage wieder aus. Im nächsten Jahr, so schätzt die IEA, sei dieser Punkt erreicht. Die Konsequenz: Der Ölpreis werde dann wieder steigen. Und wenn er steigt, dann lohnt es sich für viele Fracking-Firmen wieder, ihre Hähne aufzudrehen. Vor allem in West Texas sehen die Öl-Experten Potenzial für erhebliche Produktionssteigerungen.

Selbst Fracking rechnet sich nicht mehr.

Video: Selbst Fracking rechnet sich nicht mehr.

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Aktuell sorgt die Baisse noch dafür, dass sich die Erkundung neuer Felder für viele Produzenten wirtschaftlich nicht lohnt. Sie kostet mehr als der aktuelle Preis am Markt wieder einbringt. Seit der Ölpreis im Juni 2014 begann einzubrechen, haben sich mehr als zwei Drittel seines Wertes verflüssigt. Aktuell kostet ein Fass der Nordseesorte Brent noch 34,29 Dollar. Im Juni 2014 waren es mehr als 114 Dollar.

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