Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.06.2014

15:11 Uhr

Interessierte Banken

Niederlande werden zum Bitcoin-Pionier

Niederländische Banken sind Bitcoins gegenüber nicht so skeptisch wie der Rest der Welt. Auch die nationale Aufsicht ist nicht so streng mit der digitalen Währung. Das Land startet damit ein großes Finanzexperiment.

Leuchtreklame weist darauf hin, dass Bitcoins im Laden akzeptiert werden. In den Niederlanden sehen Banken Bitcoin-Firmen als potenzielle Kunden. Reuters

Leuchtreklame weist darauf hin, dass Bitcoins im Laden akzeptiert werden. In den Niederlanden sehen Banken Bitcoin-Firmen als potenzielle Kunden.

New YorkDie Niederlande, Geburtsstätte der ersten Aktienbörse der Welt und des wegweisenden Handelsunternehmens „Niederländische Ostindien-Kompanie“, beheimaten derzeit Banken mit einer ungewöhnlich aufgeschlossenen Haltung gegenüber der virtuellen Währung Bitcoin.

Während sich die großen Banken in China und den Vereinigten Staaten bei Geschäften mit Bitcoin-Firmen zurückhalten, betrachten niederländische Finanzinstitute diese als potenzielle Kunden. Außerdem gehen die nationalen Aufseher gegen die virtuelle Währung nicht so hart vor wie in anderen Ländern, was große Bitcoin-Startups in die Niederlande lockt.

In dem Bewusstsein, dass Bitcoins womöglich nur eine moderne Version eines anderen historischen Moments in der niederländischen Geschichte sind - nämlich der Preisblase für Tulpenzwiebeln im 17. Jahrhundert - lassen sich die Banker von den Kunden leiten. Die Kunden wollten Veränderung, und diese Veränderung könnten Bitcoins sein, sagte Mark Buitenhek, weltweiter Chef für Transaktionsdienste bei ING Groep.

Die wichtigsten Fragen zu Bitcoins

Was sind Bitcoins?

Bitcoins (BTC) sind verschlüsselte Datenpakete aus Zahlen und Buchstaben.

Wer hat Bitcoins erfunden?

Als Erfinder gibt sich jemand aus, der auf einer Kryptografie-Mailingliste unter dem Namen Satoshi Nakamoto auftrat – vermutlich ein Pseudonym, möglicherweise steckt sogar eine Gruppe dahinter. Er umriss das Konzept 2008 in einem Grundsatzpapier und brachte 2009 eine Software zum Bitcoin-Austausch heraus. Mittlerweile kümmert sich eine kleine Community von Entwicklern darum – der Quellcode liegt offen.

Wozu sind Bitcoins gut?

Für die einen sollen Bitcoins ein anonymes Zahlungsmittel im Internet sein, das Systeme wie Paypal unnötig macht. Andere sehen Bitcoins als alternatives Wertaufbewahrungsmittel. Wieder andere glauben an eine mit dem Goldstandard vergleichbare Sicherheitsfunktion.

Als weltweit erste nennenswerte Transaktion gilt der Kauf zweier Pizzen für 10.000 BTC. Auch für illegale Zahlungen kommt die Währung zum Einsatz, etwa auf der inzwischen geschlossenen Online-Plattform Silk Road.

In Deutschland sind Bitcoins noch nicht sehr verbreitet. In Onlineshops wie Schuhwelt.com sowie in mehreren Berliner Kneipen kann man mit Bitcoins zahlen – allerdings tun Kunden das bislang nur in Einzelfällen.

Wie entstehen neue Bitcoins?

Neue Bitcoins müssen berechnet werden. Anfangs konnte jeder PC Bitcoins „schürfen“. Inzwischen sind die Rechnungen so komplex geworden, dass sie nur noch Hochleistungscomputer bewältigen. Professionelle Bitcoin-Schürfer koppeln ihre Computer zusammen.

Wie viele Bitcoins gibt es?

Die Anzahl der Bitcoins ist mathematisch auf maximal 21 Millionen begrenzt. Je größer die umlaufende Menge ist, desto aufwendiger wird, neue Einheiten zu berechnen. Professor Rainer Böhme von der Uni Münster geht davon aus, dass der letzte Bitcoin im Jahr 2140 erzeugt wird.

Wo werden Bitcoins gehandelt?

Im Internet gibt es etwa 60 Umschlagplätze für Bitcoins. Die mit Abstand größte Börse war lange Zeit Mt. Gox mit Sitz in Tokio. Doch die Japaner meldeten Insolvenz an. Weitere Tauschbörsen sind Coinbase, Kraken, BitStamp, Circle und BTC China. Die nach eigenen Angaben größte Bitcoin-Börse in Deutschland, Bitcoin.de, hat ihren Sitz in Herford bei Bielefeld.

Wie hat sich der Kurs entwickelt?

Seit dem Start 2009 haben Bitcoins stark zugelegt. Im Dezember 2013 kostete ein Bitcoin mehr als 1100 Dollar. Nach der Pleite der Handelsplattform Mt. Gox Anfang 2014 rutschte der Kurs enorm ab. Zum Jahreswechsel 2014 steht er etwas über 300 Dollar.

Ist der Handel mit Bitcoins legal?

In Deutschland können Nutzer laut Bafin ohne Erlaubnis mit der Cyber-Währung bezahlen. Auch das so genannte „Mining“ – die Schöpfung von Bitcoins – ist erlaubt. Allerdings können beim Rücktausch in Euro Steuern fällig werden.

von Andreas Dörnfelder

„Wir schauen uns sehr nachdrücklich an, was das ist, was es kann, und hauptsächlich was die Botschaft dahinter ist“, erklärte Buitenhek jüngst bei einer Konferenz. „Und das sagt uns: Banken, werdet aktiv.“

Der relative Respekt der niederländischen Finanzbranche gegenüber Bitcoins - ING ist die nach Bilanzsumme größte Bank des Landes - steht im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten und China. Dort herrscht Skepsis vor, was die Existenzfähigkeit und möglichen Missbrauch für Geldwäsche angeht, was die Geschäfte von Startups in diesen Ländern schwieriger gestaltet.

Die niederländische Aufsicht hat zwar vor den Risiken beim Handel mit Bitcoins gewarnt, deren Preis von 13 Dollar Anfang vergangenen Jahres bis November auf über 1000 Dollar in die Höhe schoss und zuletzt etwa 574 Dollar betrug. Gleichzeitig schauen sich die Verantwortlichen aber auch das Potenzial der Bitcoins genauestens an, sagte Jeroen Blokland, Stratege bei dem Vermögensverwalter Robeco in Amsterdam.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×