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28.05.2013

23:08 Uhr

Internet-Kriminalität

Milliarden-Geldwäscheskandal aufgedeckt

US-Ermittler könnten den größten Geldwäscheskandal aller Zeiten aufgedeckt haben. Eine Transferfirma soll sechs Milliarden Dollar gewaschen haben. Die Kriminellen bedienten sich der Digital-Währung Liberty Reserve.

Frisch gedruckte 100-Dollar-Scheine: Gegen Liberty Reserve wird ermittelt. AFP

Frisch gedruckte 100-Dollar-Scheine: Gegen Liberty Reserve wird ermittelt.

New YorkIn einer international koordinierten Aktion gegen Internet-Kriminalität haben US-Ermittler einen weltweit agierenden Geldwäschering gesprengt. Im Mittelpunkt stand dabei die in Costa Rica ansässige Geldtransferfirma Liberty Reserve, die am Dienstag geschlossen wurde. Das Unternehmen habe Kriminellen dabei geholfen, rund sechs Milliarden Dollar (4,6 Milliarden Euro) an illegalen Einnahmen aus Kreditkarten- und Anlagebetrug, Identitätsklau, Computereinbrüche, Kinderpornographie und Drogenhandel zu waschen, teilten die US-Behörden mit. Liberty Reserve sei „die Bank der Wahl für die kriminelle Unterwelt“ gewesen, hieß es seitens der Strafverfolger.

Den Angaben zufolge handelt es sich um die umfangreichsten Geldwäsche-Ermittlungen aller Zeiten. In Spanien, Costa Rica und New York seien fünf Verdächtige festgenommen worden. Unter ihnen seien auch der Gründer der Transferfirma Liberty Reserve Arthur B. und sein Stellvertreter. Zwei weitere Manager des Finanzdienstleisters seien auf der Flucht. Außerdem seien Konten und Internet-Domains beschlagnahmt worden. An den Ermittlungen sind den Angaben zufolge die Justizbehörden von 17 Ländern beteiligt.

Die Beschuldigten haben sich bei ihren Geschäften laut Angaben der Ermittler einer digitalen Währung bedient, die in reales Geld getauscht werden kann. Solche Währungen haben in den vergangenen zehn Jahren das Interesse der Medien und der Börsen auf sich gezogen. Das bekannteste Kunstgeld ist Bitcoin, das aber nichts mit der „LR“ genannten Währung von Liberty Reserve zu tun hat.

Mit Bitcoins zahlen – so funktioniert es

1. Konto eröffnen

Zunächst lädt der Nutzer den Bitcoin-Client aus dem Netz und installiert ihn auf seinem Computer. Persönliche Angaben müssen nicht gemacht werden. Beim ersten Öffnen lädt die Software die gemeinsame Datenbank des Netzwerks herunter – ein Verzeichnis aller Zahlungen im Bitcoin-Netzwerk. Die Datenbank stellt sicher, dass niemand Falschgeld überweisen kann: Sie weist jeden Bitcoin einer Bitcoin-Adresse zu und damit einem Nutzer. Die eigene Bitcoin-Adresse, einen kryptischen Buchstabencode, bekommt der Nutzer automatisch mit dem Installieren der Software. Außerdem speichert die Software eine Datei namens wallet.dat auf dem Computer. Sie enthält kryptografische Schlüssel, mit denen der Nutzer gegenüber dem Bitcoin-Netzwerk ausweist, dass ihm die entsprechende Bitcoin-Adresse gehört.

2. An Bitcoins gelangen

Börsenhandel: Diverse Internetseiten bieten Bitcoins gegen Euro oder andere Währungen an. Dazu muss sich der Nutzer einmalig registrieren und den Geldbetrag etwa per Banküberweisung oder Zahlsysteme wie Dwolla an die Börse senden. Wie an einer Aktienbörse lassen sich dann Bitcoin-Kauforder platzieren. Eine Order, die über dem aktuellen Preisangebot an der Börse liegt, wird sofort erfüllt. Die Börse schickt die Bitcoins schließlich an die Bitcoin-Adresse des Nutzers. Die Börse ist auch der Ort, um Bitcoins wieder in Euro umzuwandeln. 

Bitcoins schürfen: Bitcoin-Nutzer können auch selbst neue Bitcoins errechnen. Dieses sogenannte Mining erfordert leistungsstarke Computer und ist Computer-Laien nicht zu empfehlen.

Bargeld-Eintausch: Privatpersonen bieten Bitcoins gegen Bargeld – Wohnort und Telefonnummern oder E-Mailadressen der Bitcoin-Händler sind auf der Seite Bitcoin local gelistet.

3. Mit Bitcoins bezahlen

Hat jemand Bitcoins an der Börse erworben, so ist die entsprechende Summe in seinem Bitcoin-Client aufgeführt. Um nun einen Geldbetrag zu überweisen, reicht die Angabe der Summe und der Adresse des Empfängers in der Software. Nach etwa zehn Minuten ist das Geld beim Empfänger angekommen. Eine Liste der Geschäfte, die Bitcoin akzeptieren, gibt es hier.

4. Sicherheit

Um dem Verlust der virtuellen Bitcoin-Geldbörse etwa durch Beschädigung der Festplatte vorzubeugen, sollte die wallet.dat-Datei kopiert werden - zum Beispiel auf einen USB-Stick. Da sich Hacker über das Internet Zugriff auf den Computer verschaffen und die Datei stehlen können, sollte sie zudem mit Hilfe eines speziellen Programms verschlüsselt werde. Eine Anleitung dazu gibt es hier.

5. Bitcoins fürs Handy

Wer häufiger mobil ins Internet geht, kann sich inzwischen auch Android-Apps herunterladen. Sie machen das Handy zur Bitcoin-Geldbörse. Zum Bezahlen generiert die Software des Empfängers eine Rechnung in Form eines QR-Codes. Sobald der Sender diesen Code mit der Handykamera einscannt, verschickt die Software via Internet das Geld zur Bitcoin-Adresse des Empfängers. Vorsicht: Die Programme sind noch in der Entwicklung und können fehlerhaft sein. Darum sollten sie allenfalls zur Übertragung kleiner Geldsummen genutzt werden. Für das iPhone gibt es bisher noch keine Bezahl-Apps, aber Programme wie Bitcoin App, die aktuelle Kursverläufe darstellen.

Nutzer mussten bei der Einrichtung eines Kontos sehr wenige Informationen abgeben, die Liberty Reserve in der Regel nicht überprüfte. Die Geschäfte konnten weitgehend anonym abgewickelt werden. Nach der Registrierung konnten Nutzer für Bargeld die Währung "LR" kaufen und sie untereinander hin und her schieben, sowie über Dritte wieder in Bargeld tauschen. Diese Firmen ermöglichten wiederum den Zugang zu eher herkömmlichen Bezahlsystemen. Liberty Reserve unterhielt Beziehungen zu 35 Drittparteien. Einige von ihnen überwiesen Geld beispielsweise über den Ebay -Bezahldienst PayPal oder Kreditkartenfirmen wie Visa, Mastercard und American Express. Die Liberty-Reserve-Kontonummern mussten dabei nicht offengelegt werden.

Liberty Reserve hat der Anklage zufolge jedoch keine Bank- oder Transaktionsdaten über die Drittparteien gesammelt. Über die im Jahr 2006 gegründete Liberty Reserve wurden jährlich etwa zwölf Millionen Transaktionen abgewickelt.

Liberty Reserve war der New Yorker Staatsanwaltschaft zufolge das wichtigste Vehikel, mit dessen Hilfe Internet-Kriminelle ihre illegalen Geschäfte abwickelten. Internetnutzer konnten auf der Plattform von Liberty Reserve Euro oder Dollar in digitale Währungseinheiten eintauschen und dann ihre Finanzgeschäfte jenseits staatlicher Regulierung abwickeln.

Der Staatsanwaltschaft zufolge soll das Unternehmen mindestens 55 Millionen illegale Transaktionen für mehr als eine Million Nutzer vorgenommen haben. Damit habe Liberty Reserve weltweit kriminelle Machenschaften erleichtert. Die Existenz des Unternehmens habe „auf einem kriminellen Geschäftsmodell basiert“, sagte Staatsanwalt Preet Bharara aus Manhattan. Weltweit habe die Firma mehr als eine Million Nutzer, darunter 200.000 in den USA.

Der beschuldigte Firmenchef und sein Stellvertreter hätten zuvor bereits das Unternehmen Golden Age betrieben, das als Wechselstube für sogenanntes „E-Gold“ gedient habe. Bei „E-Gold“ handelte es sich um ein Zahlungssystem, bei dem elektronisches Geld in Edelmetallen gedeckt war.

Kommentare (6)

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elharem

28.05.2013, 21:08 Uhr

So wird eine konkurrierende Währungsalternative einfach nur kaputt gemacht. Hätte ich nie gedacht.

anacondafucker

28.05.2013, 21:14 Uhr

Das Grünen- und Ökoparadies Costa Rica, immer bemüht seinen ökologischen Tourismus und seine freundlichen Menschen anzupreisen hat leider Rumpelstilzchencharakter, denn es wird von den kolumbianischen Drogenbaronen regiert. Fliegt da nicht zufällig und natürlich unabsichtlich die Präsidentin dieses Landes letzte Woche mit einer Maschine jener Herren zur Auslandsvisite!
Die Toten liegen ja nur in Kolumbien und Mexico auf der Straße.
Das wäre doch mal eine schöne Story liebes Handelsblatt statt immer aufgewärmte Agenturmeldungen zu kopieren, oder?
Hasta proxima!

pool

28.05.2013, 23:08 Uhr

Ich weiss gar nicht, was Bitcoins sind? Möchte das bitte auch nicht erklärt kriegen.

Hier suchen Journalisten den persönlichen Kontakt:

http://starke-meinungen.de/

Vom schmucken Adjektiv soll sich bitte niemand abgeschreckt fühlen. Es ist nur eine Antiphrase, um Kritiker einzuschüchtern. Und sich selber Mut zu machen, mit unausgegorenen Ansichten die Öffentlichkeit herauszufordern.

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