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18.01.2016

13:32 Uhr

Internet-Währung

Der Bitcoin ist tot – es lebe der Bitcoin!

VonMichael Brächer

Ein wichtiger Entwickler erklärt die virtuelle Währung für gescheitert. Doch der Nachruf kommt zu früh. Und die Technik hat ohnehin längst ein Eigenleben entwickelt.

Steht die Internet-Währung vor dem Aus? dpa

Bitcoin

Steht die Internet-Währung vor dem Aus?

FrankfurtWas der Bitcoin-Entwickler Mike Hearn über die virtuelle Währung zu sagen hat, klingt vernichtend. „Der Bitcoin ist gescheitert“, schreibt Hearn in einem ausführlichen Blogbeitrag. Das Bitcoin-Netzwerk stehe vor dem technischen Kollaps. Hearn beklagt „zügellose Zensur“ in der Bitcoin-Community – und verkündet seinen Rückzug aus dem Projekt. „Ich werde nicht mehr zur Bitcoin-Entwicklung beitragen und habe all meine Münzen verkauft“, schreibt der Programmierer. „Das Fundament ist kaputt“.

Hearn galt als einer der führenden Köpfe bei der Weiterentwicklung der Bitcoin-Software. Er hat seinen Abgang  bestens inszeniert. Er prophezeit nicht weniger als das Ende der virtuellen Währung – und fallende Preise. Hearns Abgang hat dem Bitcoin-Kurs zwar geschadet. Doch noch immer ist ein Bitcoin rund 350 Euro wert – und damit weit mehr als noch vor wenigen Monaten. Und die Blockchain-Technik, auf der die virtuelle Währung basiert, steht erst am Anfang ihrer Entwicklung.

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Die Bitcoins gelten als Prototyp für die Währung des Internet-Zeitalters. Sie werden nicht von einer Notenbank gedruckt, sondern von Computern errechnet. Sämtliche Bitcoin-Nutzer bilden ein Netzwerk – und wachen darüber, dass jeder Bitcoin nur einmal ausgegeben werden kann. Streit zwischen den Entwicklern der Software gab es dabei immer wieder, doch selten war er so publikumswirksam wie bei Andresens Abgang.

Vordergründig geht es darum, wie viele Transaktionen das Bitcoin-Netzwerk abwickeln können soll. Aber dahinter stehen grundsätzliche Differenzen bei der Frage, was aus der virtuellen Währung wird – und wer dabei das Sagen hat. Entwickler wie Hearn wollen mit einer neuen Bitcoin-Software sicherstellen, dass Bitcoin-Zahlungen schnell abgewickelt werden. Das soll die Coins zur Alternative für konventionelle Zahlungsmittel wie etwa Kreditkarten machen. Bitcoin-Puristen legen dagegen großen Wert darauf, dass die Währung nicht zu schnell wächst.

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Der Streit ist nicht neu, auch der Bitcoin wurde schon öfter für tot erklärt. (Eine Branchenwebsite zählt bislang 89 Nachrufe, Hearns Beitrag einbegriffen.) Bislang wuchs das Bitcoin-Netzwerk trotzdem: Mehr als sechs Milliarden Dollar sind sämtliche Bitcoins inzwischen wert. Auch der Kurs der Währung legte zuletzt wieder kräftig zu. „Mike ist zu pessimistisch“, sagt etwa Bitcoin-Co-Entwickler Gavin Andresen.

Was Bitcoin-Entwickler Hearn in seiner Abschiedserklärung nicht schreibt: Er hat längst einen neuen Arbeitsplatz beim Startup R3. Es soll die Blockchain-Technik, auf der die Bitcoins basieren, weiter vorantreiben und für große Banken nutzbar machen. Selbst wenn der Bitcoin tatsächlich scheitert, dürfte die Technik fortbestehen.

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