Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.01.2014

06:41 Uhr

Internetwährung

Bundesbank warnt vor Bitcoins

ExklusivHochspekulativ, ohne staatliche Garantien mit Risiko bis hin zum Totalverlust: So warnt Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele vor Bitcoins. Auch die Medien hätten zum Boom des virtuellen Geldes beigetragen.

Carl-Ludwig Thiele: Bitcoins sind in Deutschland „aktuell als ein Nischenphänomen“. dpa

Carl-Ludwig Thiele: Bitcoins sind in Deutschland „aktuell als ein Nischenphänomen“.

FrankfurtDie Bundesbank warnt vor Risiken der Internetwährung Bitcoin. „Aufgrund ihrer Konstruktion und wegen der großen Volatilität sind Bitcoins hochspekulativ“, sagte das zuständige Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, Carl-Ludwig Thiele, dem Handelsblatt. Im Wortlaut finden Sie das Interview hier über das Kaufhaus der Weltwirtschaft.

Für die virtuelle Währung gebe es keine staatliche Garantie, und es könne grundsätzlich zu einem Totalverlust für den Anleger kommen. „Die Bundesbank weist ausdrücklich auf diese Risiken hin“, sagte Thiele. Gleichwohl sieht die Bundesbank Bitcoins laut Thiele in Deutschland „aktuell als ein Nischenphänomen“.

Derzeit fänden täglich etwa 70.000 Transaktionen mit Bitcoins weltweit statt. „Dies ist verschwindend gering, wenn wir uns vor Augen führen, dass allein in Deutschland pro Arbeitstag 24,6 Millionen Überweisungen und 35,2 Millionen Lastschriften getätigt werden“, sagte der Bundesbanker dem Handelsblatt.

Die wichtigsten Fragen zu Bitcoins

Was sind Bitcoins?

Bitcoins (BTC) sind verschlüsselte Datenpakete aus Zahlen und Buchstaben.

Wer hat Bitcoins erfunden?

Als Erfinder gibt sich jemand aus, der auf einer Kryptografie-Mailingliste unter dem Namen Satoshi Nakamoto auftrat – vermutlich ein Pseudonym, möglicherweise steckt sogar eine Gruppe dahinter. Er umriss das Konzept 2008 in einem Grundsatzpapier und brachte 2009 eine Software zum Bitcoin-Austausch heraus. Mittlerweile kümmert sich eine kleine Community von Entwicklern darum – der Quellcode liegt offen.

Wozu sind Bitcoins gut?

Für die einen sollen Bitcoins ein anonymes Zahlungsmittel im Internet sein, das Systeme wie Paypal unnötig macht. Andere sehen Bitcoins als alternatives Wertaufbewahrungsmittel. Wieder andere glauben an eine mit dem Goldstandard vergleichbare Sicherheitsfunktion.

Als weltweit erste nennenswerte Transaktion gilt der Kauf zweier Pizzen für 10.000 BTC. Auch für illegale Zahlungen kommt die Währung zum Einsatz, etwa auf der inzwischen geschlossenen Online-Plattform Silk Road.

In Deutschland sind Bitcoins noch nicht sehr verbreitet. In Onlineshops wie Schuhwelt.com sowie in mehreren Berliner Kneipen kann man mit Bitcoins zahlen – allerdings tun Kunden das bislang nur in Einzelfällen.

Wie entstehen neue Bitcoins?

Neue Bitcoins müssen berechnet werden. Anfangs konnte jeder PC Bitcoins „schürfen“. Inzwischen sind die Rechnungen so komplex geworden, dass sie nur noch Hochleistungscomputer bewältigen. Professionelle Bitcoin-Schürfer koppeln ihre Computer zusammen.

Wie viele Bitcoins gibt es?

Die Anzahl der Bitcoins ist mathematisch auf maximal 21 Millionen begrenzt. Je größer die umlaufende Menge ist, desto aufwendiger wird es, neue Einheiten zu berechnen. Professor Rainer Böhme von der Uni Münster geht davon aus, dass der letzte Bitcoin im Jahr 2140 erzeugt wird. Handelsplattformen beziffern die aktuelle Zahl an Bitcoins Mitte November 2017 bei 16,7 Millionen Münzen.

Wo werden Bitcoins gehandelt?

Im Internet gibt es etwa 60 Umschlagplätze für Bitcoins. Die mit Abstand größte Börse war lange Zeit Mt. Gox mit Sitz in Tokio. Doch die Japaner meldeten Insolvenz an. Weitere Tauschbörsen sind Coinbase, Kraken, BitStamp, Circle und BTC China. Die nach eigenen Angaben größte Bitcoin-Börse in Deutschland, Bitcoin.de, hat ihren Sitz in Herford bei Bielefeld.

Wie hat sich der Kurs entwickelt?

Seit dem Start 2009 haben Bitcoins stark zugelegt. Nach der Pleite der Handelsplattform Mt. Gox rutschte der Kurs Anfang 2014 in die Hunderter, es wurde still um die Kryptowährung. Doch 2017 explodierte der Kurs: Von 1000 Dollar im Januar ging es bis Mitte November rauf auf mehr als 8000 Dollar.

Ist der Handel mit Bitcoins legal?

In Deutschland können Nutzer laut Bafin ohne Erlaubnis mit der Cyber-Währung bezahlen. Auch das so genannte „Mining“ – die Schöpfung von Bitcoins – ist erlaubt. Allerdings können beim Rücktausch in Euro Steuern fällig werden.

von Andreas Dörnfelder

Aus Sicht der Bundesbank hat die „intensive Berichterstattung“ zuletzt zu einer verstärkten Nachfrage nach Bitcoins auf den Handelsplattformen geführt, was wiederum stark zu der ausgesprochen volatilen Preisentwicklung beigetragen haben dürfte. „Wir sehen nicht, dass der Kurs durch Fundamentalfaktoren getrieben ist“, sagte Thiele. Zudem spreche die hohe Volatilität im Umtauschkurs gegen eine starke Verbreitung von Bitcoins als Zahlungsmittel.

Der Kurs der Bitcoins reagierte auf die Feststellungen der Bundesbank so gut wie gar nicht. Er pendelt nach Angaben der Internetplattform www.bitcoin.de seit Montag um die Marke von 1000 Dollar. In Euro kostet das virtuelle Geld am Dienstag gegen sieben Uhr knapp 700 Euro.

Ob Olivenöl in Spanien, Schallplatten in Berlin, Wodka-Shots in Moskau oder Blumen in Santa Monica: Immer mehr Ware geht gegen Bitcoins über die Theke. Im November verdreifachte sich die Zahl der Verkäufer, die Bitcoins annehmen, auf über 2000, zeigen Daten der Webseite CoinMap, die eine Übersicht über die physischen Akzeptanzstellen bietet.

Kommentare (10)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Seismograph

06.01.2014, 19:15 Uhr

Ach nein Herr Thiele, welche Fuersorge plagt sie denn?
Vielleicht sollten sie bei dieser Gelegenheit mal erklaeren, wodurch sich die FIAT Waehrungen denn von Bitcoins wirklich unterscheiden! Sicher fehlen ihnen dazu die richtigen Worte, was?
Vielleicht sind sie ja auch in der Lage festzustellen, wer denn permanent fuer die Volatilitaet der Bitcoins sorg, oder wuerden sie da vielleicht in ein Wespennest stechen?
Habe noch keine Coins, aber bei so viel Angst der Etablierten, ist es geradezu ein Muss hier investiert zu sein!

Account gelöscht!

06.01.2014, 19:24 Uhr

----„Aufgrund ihrer Konstruktion und wegen der großen Volatilität sind Bitcoins hochspekulativ“, sagte das zuständige Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, Carl-Ludwig Thiele, dem Handelsblatt (Dienstagausgabe). Für die virtuelle Währung gebe es keine staatliche Garantie, und es könne grundsätzlich zu einem Totalverlust für den Anleger kommen.----

Ebenso wie auf Anleihen aus Griechenland und Zypern oder Aktien vom 20% Praktiker^^

azaziel

06.01.2014, 20:06 Uhr

Bitcoins ohne Staatliche Garantien! Ha, ha, ha! Ha, ha, ha! Ha, ha, ha!

Ich setze auf Kaurimuscheln, denn Bitcoins koennen demnaechst vom Quantencomputer der NSA in grossen Mengen gedruckt werden. Quantitave Easing!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×