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16.04.2014

11:06 Uhr

Interview mit Kornelius Purps

„Der Euro steigt auf 1,50 US-Dollar“

VonJessica Schwarzer

Der Euro ist auf dem Weg nach oben, glaubt Kornelius Purps. Der Experte von Unicredit ist zuversichtlich gestimmt für Anlagen in Euro, vor allem für Aktien. Für konservative Anleger hat er weniger gute Nachrichten.

Kornelius Purps: Der Rentenmarktexperte der Unicredit ist überzeugt, dass der Euro zum Dollar weiter zulegen wird.

Kornelius Purps: Der Rentenmarktexperte der Unicredit ist überzeugt, dass der Euro zum Dollar weiter zulegen wird.

Herr Purps, stolze 15 Prozent hat der Euro seit Mitte 2012 zugelegt. Totgesagte leben länger?
Dieser Vergleich trifft es ganz gut. Wir haben in den vergangenen zwei Jahren einen extremen Stimmungsumschwung erlebt. Angestoßen wurde er von Mario Draghis Worten vom Juli 2012, er werde alles tun, um den Euro und die Währungszone zu bewahren. Damit hat er auch den Umschwung beim Euro eingeleitet, der damals ein temporäres Tief erreicht hatte. Seither geht es im Trend bergauf.

Mittlerweile ist aus der schwachen europäischen Einheitswährung eine starke geworden. Das wird irgendwann ein Problem für die Unternehmen.
So ist das eben mit Wechselkursen, es ist nie allen recht zu machen. Der wieder erstarkte Euro ist ein Vertrauensbeweis der Investoren. Dieses wiedererlangte Vertrauen der internationalen Anlegerschaft ist der alles überlagernde Faktor. Das bringt normalerweise auch stabilere Preise, also weniger Inflation. Jetzt sind wir an einem Punkt angekommen, wo es eventuell zu viele inflationsdämpfende Impulse gibt. Auch wenn wir noch nicht so weit sind, von Deflation zu sprechen. Aber das ist natürlich ein Faktor, den die Europäische Zentralbank in ihre Überlegungen miteinbeziehen muss.

Teilweise gibt es in den Peripheriestaaten sogar Deflation.
Ich würde es nicht als Deflation im klassischen Sinne bezeichnen. Es ist ein Umfeld fallender Preise, das teils durch niedrigere Nachfrage, teils durch Produktivitätseffekte und teils durch Sondereffekte begünstigt wird. Wir befinden uns in der Euro-Zone in einem großen strukturellen Anpassungsprozess. Dazu gehört, dass die Südeuropäer ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit wiedererlangen. Und in diesem Prozess ist es erforderlich, dass in den Peripherieländern die Inflation niedriger ist als in Deutschland. Und hier liegt das Problem, auf das Mario Draghi immer wieder hinweist: eine lange Phase europaweiter niedriger Inflation.

So stehen die Euro-Krisenländer da

Frankreich

Lage: Mit 0,3 Prozent wuchs die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone im vierten Quartal 2013 etwas schneller als erwartet. Sie befreite sich damit aus der Stagnation. Dennoch reichte es im Gesamtjahr 2013 nur zu einem Plus von 0,3 Prozent.
Aussichten: Für 2014 rechnet die Notenbank mit einem Wachstum von 0,9 Prozent. Frankreich leidet unter einer hohen Arbeitslosigkeit. "Steigende Arbeitslosigkeit und Steuererhöhungen wirken sich negativ auf die Einkommen aus", befürchtet deshalb die EU-Kommission. Das bremse den Konsum.

Italien

Lage: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Oktober bis Dezember 2013 um 0,1 Prozent zu. Das war das erste Wachstum seit Mitte 2011. Dennoch schrumpfte das BIP im Gesamtjahr 2013 um 1,9 Prozent.

Aussichten: Zwei Rezessionsjahren folgt eine kraftlose Erholung. 2014 wird von der EU-Kommission ein Wachstum von 0,7 Prozent erwartet, 2015 von 1,2 Prozent. Steigende Exporte dürften die Unternehmen zu mehr Investitionen ermutigen. Die Arbeitslosenquote soll 2014 noch einmal leicht steigen, was den Konsum dämpft.


Spanien

Lage: Der Notenbank zufolge ist das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal 2013 um 0,3 Prozent gewachsen. Trotzdem dürfte die Wirtschaft 2013 das zweite Jahr in Folge geschrumpft sein - voraussichtlich um 1,2 Prozent.

Aussichten: 2014 soll es ein mageres Wachstum von 0,5 Prozent geben, erwartet die EU-Kommission. Das Plus soll sich 2015 auf 1,7 Prozent erhöhen. Sowohl Unternehmen als auch Verbraucher dürften durch den Umbau des Bankensektors nach wie vor schwer an Kredite kommen. Die Exporte sollen dagegen gut laufen und stetig zulegen.

Griechenland

Lage: Im Vergleich zum Vorjahresquartal ging es Ende 2013 noch einmal um 2,6 Prozent nach unten. Immerhin: Zu Jahresbeginn war die Wirtschaftsleistung noch um mehr als das Doppelte eingebrochen.

Aussichten: Das BIP soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder wachsen, wenn auch nur um 0,6 Prozent. "2015 dürfte die Erholung an Kraft gewinnen, wenn die Investitionen zum Motor der Belebung werden", erwartet die EU-Kommission. Schwachpunkt bleibt die Rekordarbeitslosigkeit von aktuell 28 Prozent, die den Konsum bremst.


Portugal

Lage: Das Wachstum beschleunigt sich im vierten Quartal auf 0,5 Prozent. Dadurch schrumpfte die Wirtschaft 2013 nur noch um 1,4 Prozent, nach 3,2 Prozent 2012.

Aussichten: 2014 soll nach drei Minus-Jahren wieder ein Plus folgen. Dann dürfte ein Wachstum von 0,8 Prozent herausspringen, das sich 2015 auf 1,8 Prozent erhöhen soll, erwartet die Regierung. Wachstumstreiber sind vor allem die Exporte, aber auch die Binnennachfrage soll 2014 wieder anziehen.

Zypern

Lage: Um voraussichtlich 5,5 Prozent ist die Wirtschaftsleistung 2013 eingebrochen. Ursprünglich war sogar ein Minus von 8,7 Prozent erwartet worden, doch lief der private Konsum besser als angenommen.

Aussichten: 2014 wird ein weiteres Minus von 3,9 Prozent erwartet. "Die zyprische Volkswirtschaft sieht sich starkem Gegenwind ausgesetzt", so die EU-Kommission. Sowohl Konsum als auch Exporte dürften sinken. Erst 2015 wird mit einem Wachstum gerechnet, das aber mit 1,1 Prozent dünn ausfallen soll. Die Arbeitslosenquote dürfte 2014 auf 19,2 Prozent hochschnellen.

Das müssen Sie erklären.
Wenn wir in Deutschland eine Inflation von nur einem Prozent haben und den Anpassungsprozess weiter vorantreiben wollen, brauchen die Südländer rein rechnerisch negative Inflationsraten.

Ist das nicht gefährlich?
Wenn sich die Erwartung fallender Preise auf breiter Front in den Köpfen festsetzt, wäre das natürlich nicht gut. Unternehmen wie Konsumenten würden Ausgaben verschieben, immer in der Hoffnung, dass die Preise weiter sinken. Dann bestünde auch die Gefahr einer konjunkturellen Abwärtsspirale. Ein Niedriginflationsumfeld oder eine Deflation bringt eben Probleme mit sich.

Welche sind das?
Neben der Gefahr einer konjunkturellen Abwärtsspirale könnten sich die Anpassungsprozesse innerhalb der Europäischen Währungsunion dann schwieriger gestalten. Zu diesen Anpassungsprozessen gehört, dass in den Reformländern eine niedrigere Inflationsrate herrscht als beispielsweise in Deutschland. Und das dritte Problem liegt auf Seiten der Schuldner, egal ob wir nun von Privaten oder von Unternehmen sprechen. Jeder, der bereits jetzt unter einer hohen Schuldenlast leidet, bekommt natürlich noch größere Probleme, wenn ihm die Inflation nicht dabei hilft, die Schulden allmählich abzubauen.

Kommentare (6)

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16.04.2014, 12:37 Uhr

Liebe HB, bitte verschont uns doch mit diesen möchte gern Börsen Gurus. Ich bin absolut für Meinung Freiheit, aber mit diesen Zahlen,Spiel Akrobaten wird es langsam Langweilig, es langt schon jeden Monat von der EZB, nichts sagende Äußerung über sich ergehen zulassen.

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16.04.2014, 13:44 Uhr

Sehe das auch wie Herr Pups. Wenn die US -Wirtschaft, u.a. durch niedrige Energiepreise, wieder stärker geworden ist, dann wird der Euro bald auf 1,50 getrieben. Schließlich will die US-Wirtschaft dann wieder stärker exportieren.

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16.04.2014, 14:07 Uhr


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