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26.02.2014

12:08 Uhr

Interview zu Bitcoin

„Wo ist unser Geld?“

VonMartin Kölling

Kolin Burges protestiert vor dem Hauptquartier von Mt. Gox in Tokio. Die einst größte Börse für Bitcoin verwehrt ihm sein Geld. Den Glauben an die Zukunft der virtuellen Währung hat er dennoch nicht verloren.

Der Bitcoin-Nutzer Kolin Burges protestiert vor dem Hauptquartier von Mt. Gox in Tokio. Reuters

Der Bitcoin-Nutzer Kolin Burges protestiert vor dem Hauptquartier von Mt. Gox in Tokio.

TokioKolin Burges hat rote Haare und blaue Hände. Seit dem 13. Februar steht er in Tokio Winter vor dem Hauptquartier von Mt.Gox, der einst größten Börse für die virtuelle Währung Bitcoin. „Wo sind meine Bitcoins?“ , fragt er tagaus, tagein. Denn auslösen konnte er, der seinen Lebensunterhalt durch den Handel mit neuen virtuellen Währungen verdient, seine hart erspekulierten Bitcoins bei Mt.Gox seit Wochen nicht mehr.

Technische Probleme, sagte die Börse. Doch Burges kaufte dem in Tokio beheimateten Unternehmen die Erklärung nicht mehr ab und reiste an, um die Firmenchefs zur Rede zu stellen. Bislang ohne Erfolg. Doch seinen Glauben an die glorreiche Zukunft von Bitcoin und anderen virtuellen Währungen hat er nicht verloren.

Warum sind Sie gekommen?
Sie haben nicht kooperiert. Alle Kunden waren daher sehr besorgt. Ich glaube nicht, dass es eine so unschuldige Ausrede gibt. Ich bin daher mit den Leuten von Coindesk.com hierher gekommen, um Mark Karpeles [Anm.: Firmenchef von MT.Gox] zu sprechen. Die Konfrontation gibt es jetzt auf deren Homepage im Internet zu sehen.

Wie fühlen sich?

Ich bin angewidert von denen und dem Weg, wie die mit dem Geld umgegangen sind, das wir Kunden ihnen anvertraut haben. Es hält sich das sehr starke Gerücht, dass Hacker Bitcoins gestohlen haben. Und Mt.Gox hat Sie offenbar keine Sicherheitsmaßnahmen gehabt, um unsere Konten zu schützen. Und nun kommunizieren sie nicht.

Die wichtigsten Fragen zu Bitcoins

Was sind Bitcoins?

Bitcoins (BTC) sind verschlüsselte Datenpakete aus Zahlen und Buchstaben.

Wer hat Bitcoins erfunden?

Als Erfinder gibt sich jemand aus, der auf einer Kryptografie-Mailingliste unter dem Namen Satoshi Nakamoto auftrat – vermutlich ein Pseudonym, möglicherweise steckt sogar eine Gruppe dahinter. Er umriss das Konzept 2008 in einem Grundsatzpapier und brachte 2009 eine Software zum Bitcoin-Austausch heraus. Mittlerweile kümmert sich eine kleine Community von Entwicklern darum – der Quellcode liegt offen.

Wozu sind Bitcoins gut?

Für die einen sollen Bitcoins ein anonymes Zahlungsmittel im Internet sein, das Systeme wie Paypal unnötig macht. Andere sehen Bitcoins als alternatives Wertaufbewahrungsmittel. Wieder andere glauben an eine mit dem Goldstandard vergleichbare Sicherheitsfunktion.

Als weltweit erste nennenswerte Transaktion gilt der Kauf zweier Pizzen für 10.000 BTC. Auch für illegale Zahlungen kommt die Währung zum Einsatz, etwa auf der inzwischen geschlossenen Online-Plattform Silk Road.

In Deutschland sind Bitcoins noch nicht sehr verbreitet. In Onlineshops wie Schuhwelt.com sowie in mehreren Berliner Kneipen kann man mit Bitcoins zahlen – allerdings tun Kunden das bislang nur in Einzelfällen.

Wie entstehen neue Bitcoins?

Neue Bitcoins müssen berechnet werden. Anfangs konnte jeder PC Bitcoins „schürfen“. Inzwischen sind die Rechnungen so komplex geworden, dass sie nur noch Hochleistungscomputer bewältigen. Professionelle Bitcoin-Schürfer koppeln ihre Computer zusammen.

Wie viele Bitcoins gibt es?

Die Anzahl der Bitcoins ist mathematisch auf maximal 21 Millionen begrenzt. Je größer die umlaufende Menge ist, desto aufwendiger wird, neue Einheiten zu berechnen. Professor Rainer Böhme von der Uni Münster geht davon aus, dass der letzte Bitcoin im Jahr 2140 erzeugt wird.

Wo werden Bitcoins gehandelt?

Im Internet gibt es etwa 60 Umschlagplätze für Bitcoins. Die mit Abstand größte Börse war lange Zeit Mt. Gox mit Sitz in Tokio. Doch die Japaner meldeten Insolvenz an. Weitere Tauschbörsen sind Coinbase, Kraken, BitStamp, Circle und BTC China. Die nach eigenen Angaben größte Bitcoin-Börse in Deutschland, Bitcoin.de, hat ihren Sitz in Herford bei Bielefeld.

Wie hat sich der Kurs entwickelt?

Seit dem Start 2009 haben Bitcoins stark zugelegt. Im Dezember 2013 kostete ein Bitcoin mehr als 1100 Dollar. Nach der Pleite der Handelsplattform Mt. Gox Anfang 2014 rutschte der Kurs enorm ab. Zum Jahreswechsel 2014 steht er etwas über 300 Dollar.

Ist der Handel mit Bitcoins legal?

In Deutschland können Nutzer laut Bafin ohne Erlaubnis mit der Cyber-Währung bezahlen. Auch das so genannte „Mining“ – die Schöpfung von Bitcoins – ist erlaubt. Allerdings können beim Rücktausch in Euro Steuern fällig werden.

von Andreas Dörnfelder

Welche Folgen wird dieser Skandal haben?
Ich glaube, er wird ein Wendepunkt für virtuelle Währungen. Die Kunden werden kritischer die Börsen überwachen, die Börsen müssen daher transparenter werden. Und mehr noch: Viele Leute in der Bitcoin-Gemeinde werden meine Meinung nicht mögen, aber ich würde auch ein gewisses Maß an Regulierung durch die Behörden begrüßen. Ich versuche, mit der japanischen Finanzaufsicht zu sprechen. Es muss aufgeklärt werden, was hier genau passiert ist.

Ist dies jetzt das Ende für Bitcoin?
Der Wert der Bitcoins ist erstmal gefallen. Aber ich glaube, dass es sich nur um ein kurzfristiges Problem handelt. Ich vertraue Bitcoin, weil der Source-Code offen ist und die Währung bisher recht sicher. Niemand war bisher in der Lage, in großem Stil Bitcoins zu fälschen oder die Währung zu zerstören.

Manipulation, Hacker, Aussetzer: Bitcoin verliert Vertrauen

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Bitcoin verliert Vertrauen

Eine der größten Börsen für Bitcoins steht vor dem Zusammenbruch. Anleger sind vermutlich ihr Geld los. Das Vertrauen in die virtuelle Währung ist erschüttert. Andere Börsenbetreiber schimpfen auf den Konkurrenten.

Was macht Bitcoin und andere Währungen so interessant?
Die Menschen strömen in die Währungen, weil sie so rasch gewachsen sind. Das ist sehr verlockend. Ich als Trader verdiene recht gut. Und es gibt noch ein großes Potenzial für den Handel. Man muss allerdings die beste Währung identifizieren und die Nachrichten sehr genau verfolgen. Ich handele neben Bitcoins mit MaxCoins, Nextcoins and Dogecoins. Und ich nutze mehrere Börsen, nicht nur Mt.Gox.

Werden auch normale Geschäfte mit Bitcoins abgewickelt oder wird nur spekuliert?
Bisher gibt es kaum Geschäfte, die Bitcoins akzeptieren. Aber es wird immer üblicher werden. Und am Ende werden die meisten Geschäfte Bitcoins akzeptieren. Viel wird schon bis Ende dieses Jahres passieren. Selbst wenn Bitcoins Leben beschränkt sein sollte, ist das Ende noch weit entfernt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Kommentare (1)

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SenecAAA

26.02.2014, 13:55 Uhr

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