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19.03.2004

07:52 Uhr

Irakischer Förderbeitrag ist nur ein Unsicherheitsfaktor an den Märkten

Preisturbulenzen bei Öl nehmen noch zu

VonHeinz-Jürgen Schürmann (Handelsblatt)

Der Sturz des irakischen Diktators Saddam Hussein hat die Weltölmärkte nicht beruhigen können. Im Gegensatz zum ersten Golfkrieg Anfang 1991 ist es zehn Monate nach dem Ende des zweiten noch zu keiner nachhaltigen Entspannung an der Preisfront gekommen.

DÜSSELDORF. Die Rohölnotierungen der wichtigsten Sorten bewegen sich deutlich oberhalb der 30-Dollar-Marke pro Barrel (159 Liter). Die Mehrzahl der Experten hatte nach dem militärischen Umbruch im Zweistromland mit um 10 Dollar niedrigeren Preisen gerechnet.

Dabei nähert sich die Ölproduktion des Iraks wieder dem Vorkriegsniveau von 2,4 bis 2,7 Mill. Barrel pro Tag (b/d). Erstmals seit Ende der Kämpfe im April 2003 fördert das Land wieder fast 2,5 Mill. b/d. Für Anfang 2005 geht der Ölberater der Alliierten in Bagdad, Robert McKee, von 3 Mill. b/d aus. Iraks Ölminister Ibrahim Bahr al-Ulum beziffert die Produktionsziele schon für Ende März auf 2,8 Mill. b/d, die Exportmöglichkeiten auf 2 Mill. b/d.

Obwohl der Rückschlag des irakischen Produktionsniveaus von jahresdurchschnittlich 2,01 Mill. b/d (2002) auf 1,33 Mill. b/d (2003) nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris mittlerweile wettgemacht wurde, ist die erwartete Preiswende weltweit ausgeblieben. Die aktuelle Entwicklung auf den Weltölmärkten sei besonders schwer einzuschätzen, meint Hans W. Schiffer, Energieanalyst bei RWE Power. Der Irak-Faktor sei nur eine Unsicherheitsgröße neben einer Reihe weiterer Risiken, schlussfolgern auch die IEA-Experten.

Der Essener Energieprofessor Dieter Schmitt zählt hierzu vor allem die aus Kostengründen stark verringerten Lagerpuffer der Industrie und Großverbraucher, die deutlich reduzierten Kapazitätsreserven im Opec-Lager und die ungewohnt hohe Nachfragedynamik. Die IEA hat die Schätzung des Weltölverbrauchs für 2004 in den letzten Monaten mehrfach erhöht – nicht zuletzt auf Grund des starken Wachstums in China. Hinzu kommt, dass einzelne Opec-Länder wie insbesondere Venezuela, aber auch Nigeria immer wieder streikbedingte Exportrückschläge verkraften müssen.

Maßgeblich zur Verunsicherung trägt schließlich die Angebotspolitik Saudi-Arabien bei. Das mit Abstand wichtigste Opec-Mitglied hat offen gelassen, ob an dem traditionellen Preisziel von 25 Dollar festgehalten wird. Womöglich folgt Riad Venezuelas Orientierungsgröße von 30 Dollar. Klaus Matthies vom Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv hat seine jahresdurchschnittliche Schätzung für 2004 nicht zuletzt deshalb von 25 auf 28 Dollar erhöht. Ohne Drosselung der Opec- Produktion bietet aber auch das Centre for Global Energy Studies in London eine plausible Preisvision – 18 Dollar für Mitte 2004. Denn ein Rückschlag der Weltkonjunktur und damit der Ölnachfrage ist jederzeit möglich.

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