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11.02.2016

12:28 Uhr

Iran gegen Saudi-Arabien

Rabattschlacht drückt Ölpreis in neue Tiefen

Der Ölpreis ist am Donnerstag auf ein neues Tief gefallen. Die Texas-Sorte WTI notierte mit 26,42 US-Dollar pro Barrel so tief wie seit 2003 nicht mehr. Der Grund: Zwischen Iran und Saudi-Arabien tobt eine Rabatt-Schlacht.

Sinkt der Ölpreis weiter?

„Alles hängt vom Fracking ab“

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London/DüsseldorfDer tiefe Ölpreis macht sowohl Firmen und Staatshaushalten weltweit zu schaffen. Saudi-Arabien muss ein Staatsdefizit von rund 20 Prozent hinnehmen. Venezuela droht die Staatspleite und Nigeria hat um die internationale Gemeinschaft um Kredithilfen gebeten. Dennoch liefern sich die Ölproduzenten weiterhin einen erbitterten Preiskampf um Marktanteile. So auch heute. Der Iran hat seinen asiatischen Kunden einen Rabatt gewährt, um seinem Opec-Rivalen Saudi-Arabien Konkurrenz zu machen. Die beiden Länder setzen traditionell ihre Preise parallel zueinander. Nun dürfen asiatische Kunden für das iranische Öl allerdings rund 10 Cent weniger bezahlen.

Die Regionalmacht Saudi-Arabien

Öl

Dank seiner riesigen Ölvorkommen ist Saudi-Arabien das reichste Land der arabischen Welt. Das islamisch-konservative Königreich besitzt etwa 16 Prozent aller weltweit nachgewiesenen Erdölvorkommen und ist größter Exporteur des Rohstoffs. Das Geld aus den Einnahmen nutzt Riad, um sich mit Hilfe von Scheckbuchdiplomatie Einfluss zu erkaufen. So stützt Saudi-Arabien etwa mit Milliarden das Regime des ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi.

Volkswirtschaft

Unter den arabischen Ländern ist die Golfmonarchie nicht nur die größte Volkswirtschaft, sondern mit Abstand die einflussreichste Regionalmacht. So dominiert Riad die Arabische Liga und den Golfkooperationsrat (GCC). Mitte Dezember verkündete Vize-Kronprinz Mohammed Bin Salman außerdem die Gründung eines „islamischen Militärbündnisses“, zu dem 34 überwiegend muslimische Staaten zählen.

Strategischer Partner

Wegen der Ölvorkommen und des saudischen Einflusses auf die Region betrachtet der Westen das Land als wichtigen strategischen Partner. Die Lage in der von dem Herrscherhaus der Sauds regierten Monarchie ist zudem vergleichsweise stabil. Die arabischen Aufstände überstand Saudi-Arabien ohne größere Verwerfungen.

Politische Ausrichtung

Im Konflikt mit dem schiitischen Erzrivalen Iran ist die Außenpolitik des sunnitischen Königreichs seit dem Amtsantritt von König Salman vor einem Jahr jedoch deutlich aggressiver geworden. Eine von Saudi-Arabien geführte Allianz fliegt Luftangriffe gegen schiitische Huthi-Rebellen im Bürgerkriegsland Jemen. Zudem unterstützt Riad syrische Rebellen, um Machthaber Baschar al-Assad zu stürzen.

An den Märkten hat der Schritt für weiteren Verfall der ohnehin schon niedrigen Rohstoffpreise gesorgt. Die Futures für die US-Sorte WTI fielen um 3,8 Prozent auf 26,42 US-Dollar je Barrel. Damit kostete die Ölsorte rund 1,03 Dollar weniger als am Vortag und so wenig wie zuletzt 2003. Auch die Nordseesorte Brent verbilligte sich. Zeitweise rutschte der Preis erneut unter die 30-US-Dollar-Marke je Barrel. Zuletzt notierten die Brent-Futures rund 1,6 Prozent tiefer bei rund 30,35 US-Dollar je Barrel.

Analysten machen sich Sorgen, dass die Preise demnächst neue Tiefen erreichen könnten: „Es gibt einen Preis-Streit innerhalb der Opec-Staaten”, erklärt Bjarne Schieldrop, Analyst bei der schwedischen Bank SEB in Oslo. „Außerdem machen wir uns Sorgen, dass die Lagerungskapazitäten der Erdöl-Förderer bald überschritten sein könnten.”. Wäre dies der Fall, hätten sie keine andere Wahl als das Öl so billig wie möglich auf den Markt zu werfen.

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Der namhafte Analyst sieht Öl als Spielball der Spekulanten. Der 38-jährige Experte von der Commerzbank erwartet am Jahresende einen höheren Ölpreis – und rechnet mit 50 Dollar je Barrel.

Auch die Analysten von Goldman Sachs gehen von stabil niedrigen Ölpreisen aus: „Die Konjunkturabkühlung in China und der Verfall bei den Ölpreisen schreiten schneller voran, als wir erwartet hatten”, schreibt die Investmentbank in einem Brief an ihre Kunden. „Wir erwarten, dass die Preise weiter zwischen 20 und 40 US-Dollar je Barrel pendeln werden”, so die Goldman-Analysten. Die Märkte müssten mir starker Volatilität und keinem klaren Preistrend bis zum zweiten Jahresquartal 2016 rechnen.

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