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22.02.2013

18:49 Uhr

Island

Die Krone fürchtet ums Überleben

Nach der Regierung überlegt jetzt auch Islands Zentralbank, die Krone an einen größeren Währungsraum wie den Euro zu koppeln. Tut sie es nicht, droht eine enorme Abwertung.

Islands Hauptstadt Rejkjavik zählt nur 119.000 Einwohner. Dementsprechend klein ist auch die Währung des Landes. ILVY Njiokiktjien/The New York T

Islands Hauptstadt Rejkjavik zählt nur 119.000 Einwohner. Dementsprechend klein ist auch die Währung des Landes.

FrankfurtIn Island kommen Zweifel auf, ob die Landeswährung nicht zu klein ist, um angesichts der volatilen Märkte in Folge der Finanzkrise zu überleben. Bereits vor fünf Monaten sagte die isländische Finanzministerin Katrin Juliusdottir, der Wechselkurs der Krone werde sich wahrscheinlich nie wieder frei bilden können. Eine ähnliche Sicht auf die Dinge hat nun auch Zentralbankgouverneur Mar Gudmundsson.

“Wir haben gesagt, dass Island mit der Krone leben kann – doch dann müssen wir einiges tun”, sagt Gudmundsson in einem Telefoninterview mit Bloomberg News aus Reykjavik. “Und es kann gut sein, dass uns das nicht gefällt. Dann müssen wir andere Optionen in Betracht ziehen. Und eine andere Option ist, sich einer großen Währungsunion anzuschließen”, ergänzt er.

Nachdem die größten Banken Islands 2008 zusammengebrochen waren, hat die isländische Regierung Devisenverkehrskontrollen eingeführt, um den Abfluss von Kapital zu begrenzen. Der Internationale Währungsfonds und Nobelpreisträger Paul Krugman lobten die Maßnahmen. Aus Sorge, dass die Krone auf sich gestellt nicht überleben kann, gelten diese Beschränkungen immer noch.

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Derzeit hängen umgerechnet rund sechs Milliarden Euro von ausländischen Investoren in Island fest. Zum Vergleich: Die volkswirtschaftliche Leistung des Inselstaats lag 2012 bei umgerechnet 9,7 Milliarden Euro. Würden Investoren ihr Geld tatsächlich abziehen, würde die Krone an Wert verlieren. Dies wiederum könnte die Inflation anheizen und Probleme für die Privathaushalte mit sich bringen, da rund 83 Prozent aller Kredite an den Verbraucherpreisindex gekoppelt sind.

Die politisch und geldpolitisch Verantwortlichen für einige der kleinsten Währungen der Welt kämpfen dafür, ihre Märkte zu schützen. Und auch die größten Volkswirtschaften der Welt blicken verstärkt auf die Wechselkurse. Zuletzt hatte sich die Debatte vom Schuldenabbau zur wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit hin verlagert. Die Rede war vom Währungskrieg und Abwertungswettlauf. Doch vereinbarten die Finanzmister und Notenbankchefs der G-20-Staaten am letzten Wochenende in Moskau, die Wechselkurse nicht für Wettbewerbszwecke einzusetzen.

Steckt die Welt im Währungskrieg?

Warum hat der Euro an Wert gewonnen?

Der Höhepunkt der Euro-Krise im Jahr 2012 war ein Tiefpunkt für den Euro. Der Wechselkurs fiel bis auf 1,20 Dollar. Seitdem hat sich die europäische Währung wieder erholt. Aktuell notiert sie bei 1,35 Dollar.
Für Europas obersten Währungshüter, EZB-Chef Mario Draghi, ist klar: „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro.“ Dazu kam die sehr lockere Geldpolitik in Japan und den USA: Die dortigen Notenbanken öffneten ihre Geldschleusen extrem weit, machten damit ihre Währungen billig. Das funktioniert so: Investoren verkaufen Wertpapiere in Dollar oder Yen (zum Beispiel an die Zentralbank, die sie ihnen mit frisch gedrucktem Geld abnimmt) und kaufen stattdessen welche in Euro. Als Konsequenz ändern sich die Wechselkurse - die „Preise“ für Währungen, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln.

Welche Ziele verfolgen die Notenbanken in den USA und Japan?

Draghi ist überzeugt: Es geht nicht um einen „Währungskrieg“ oder einen Wettlauf um die billigste Währung. Vielmehr seien die aktuellen Wechselkursbewegungen ein Nebeneffekt der diversen Bemühungen, die Wirtschaft anzuschieben. Allerdings ist der Ansatz der Notenbanken teils völlig verschieden: Während Preisstabilität vorrangiges Ziel der EZB ist, hat die US-Notenbank Fed explizit einen doppelten Auftrag: Stabile Preise und möglichst hohen Beschäftigungsstand. „Man löscht dann dort eben das Feuer, das am heißesten brennt“, erklärt Commerzbank-Notenbankexperte Bernd Weidensteiner. In Japan übte die Regierung massiv Druck auf die Notenbank aus, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen - ein fatales Signal, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann meint: Die Unabhängigkeit der Zentralbank sei essenziell.

Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

EZB-Präsident Draghi erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge. In einen „Währungskrieg“ will sich die EZB aber bisher nicht hineinziehen lassen - auch weil geldpolitische Schritte zur gezielten Euro-Abwertung Reformen der Krisenstaaten bremsen könnten. „Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer“, sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem „Handelsblatt“. „Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen.“

Wer profitiert von einem starken Euro?

Für Verbraucher in Deutschland bringt ein starker Euro mehrere Vorteile: Urlaubsreisen in ferne Länder werden tendenziell günstiger, ebenso wie der Sprit an der Tankstelle. Tendenziell werden alle importieren Waren günstiger. Auch Unternehmen, die für ihre Produktion Rohstoffe wie Erdöl einführen müssen, können preiswerter einkaufen. Denn diese Rohstoffe werden in Dollar abgerechnet.

Wem schadet ein starker Euro?

Vor allem der deutschen Exportwirtschaft. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen aufgewertet. Waren aus dem Euroraum werden im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Deutsche Maschinenbauer spüren den stärkeren Euro bereits, weil ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder Asien teurer werden. Doch während sich deutsche Maschinen, Autos und Elektroprodukte auch über guten Ruf und Qualität verkaufen, dürfte der erstarkte Euro vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen machen. Allerdings bezweifelt EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder: „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

Ist der Euro gegenüber Dollar oder Yen schon überbewertet?

Laut Draghi bewegt sich der Euro in der Nähe seines langfristigen Durchschnittswerts. 2008 hatte der Euro mal beinahe 1,60 US-Dollar gekostet, 2003 weniger als 90 US-Cent. Glaubt man dem „Big-Mac-Index“ des Magazins „Economist“, dann ist der japanische Yen gegenüber Euro und US-Dollar noch unterbewertet. Der Index vergleicht den Preis für den gleichen Burger in verschiedenen Währungsräumen. Demnach kostete der Big Mac in den USA im Januar 4,37 Dollar, im Euroraum 4,88 Dollar, in Japan nur 3,51 Dollar. Bereinigt um die Wirtschaftskraft pro Kopf ist der Burger damit in Japan um 17,1 Prozent zu billig, in der Eurozone aber um 20,8 Prozent zu teuer. In Deutschland kostet der Big Mac übrigens demnach „nur“ 17,7 Prozent mehr als in den USA, in Griechenland aber 28,1 Prozent, in Italien sogar satte 34,6 Prozent mehr.

“Dies ist nicht nur ein Problem für Island”, sagt Gudmundsson. “Dies ist eine Diskussion, die weltweit stattfindet. Aber da unser Land kleiner ist, ist es umso schwieriger.” Dass es “unmöglich” für eine kleine Währung ist, in einem System freier Wechselkurse zu überleben, wollte Gudmundsson indes nicht sagen.

Island hat auf seinem Weg zur wirtschaftlichen Erholung schon Meilensteine hinter sich gebracht. Zuletzt hob die Ratingagentur Moody's Investors Service den Ausblick für das “Baa3“-Rating auf “stabil” an. Fitch Ratings erhöhte die Kreditwürdigkeit von “BBB-” auf “BBB”. Doch nach Einschätzung des Weltbank-Ökonomen Fridrik Jonsson reichen die Erfolge noch nicht aus, um das Land vor externen Schocks zu schützen. Er warnt, dass es zu einem “weiteren ökonomischen Kollaps” kommen werde, wenn sich der Wechselkurs der Krone wieder frei bewegen könne, es sei denn, Island ergreife “radikale Maßnahmen.”

Kommentare (1)

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SOLIDEPP

23.02.2013, 01:09 Uhr

Und wiederum ein anderes defizitäres Land, welches vom deutschen Steuerdeppen unterstützt werden sollte. Schlesslich sind ja anscheinend die deutschen Steuereinnahmen ausgezeichnet ausgefallen. EURO über alles. Alles Dreck unter den EURO, und keine Abwertungen mehr.

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