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20.09.2011

15:10 Uhr

Italien-Herabstufung

S&P-Schelte bringt Euro kurz ins Wanken

Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Italiens durch S&P hat beim Euro und auf den Aktienmärkte nur einen kurzen Schockmoment ausgelöst. Die Verhandlungen über Finanzhilfen für Griechenland gehen weiter.

Der Euro schüttelte die Sorgen um Italien schnell wieder ab. dpa

Der Euro schüttelte die Sorgen um Italien schnell wieder ab.

FrankfurtDie Herabstufung Italiens hat die Märkte am Dienstag nur kurzzeitig aus der Fassung gebracht: Der Euro wie auch die Börsen erholten sich schnell von ihren anfänglichen Verlusten. „Das Downgrade war bereits eingepreist, daher war das Schockmoment nicht so groß“, sagte Alessandro Giansanti, Stratege bei ING. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hatte die Kreditwürdigkeit Italiens um eine Note auf „A“ heruntergenommen. Den Experten sind die Wachstumssaussichten des hoch verschuldeten Landes zu schwach. Auch die wackelige Regierungskoalition in der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone ist nach Einschätzung von S&P ein Unsicherheitsfaktor. Mit der neuen Bewertung werden italienische Staatsanleihen gerade noch als „prinzipiell sichere Anlage“ bewertet.

Für die Analysten der Commerzbank kam der Schritt nicht überraschend: „Die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen handelten schon lange nicht mehr dort, wo man sie für ein Land mit Rating A+ vermuten dürfte. In diesem Sinn hat S&P also nichts Neues mitgeteilt“, hieß es in einem Marktkommentar. An den zehnjährigen italienischen Papieren wurde das Misstrauen gegenüber Italien am stärksten deutlich: Die Renditen zogen bis auf 5,727 Prozent an nach 5,593 Prozent im Schlussgeschäft am Montag. Sie blieben damit aber noch unter den Anfang August erreichten Rekordwerten von über sechs Prozent. Ein Händler sagte, die Europäische Zentralbank (EZB) sei weiterhin im Markt aktiv und kaufe italienische Papiere in kleinen Mengen. Seit Mai 2010 hat die Zentralbank Bonds im Gesamtwert von 152,5 Milliarden Euro erworben. Sie erleichtert Euro-Schuldenländern wie Italien und Spanien damit die Refinanzierung an den Kapitalmärkten.

Der Euro schüttelte die Sorgen um Italien schnell wieder ab. Die Gemeinschaftswährung notierte in der Spitze bei 1,3718 Dollar, nachdem sie in den frühen Morgenstunden noch unter 1,36 Dollar gerutscht war. Positiv wirkte sich Händlern aus, dass das hoch verschuldete Griechenland fällige Bondkupons im Volumen von insgesamt 769 Millionen Euro vollständig bezahlen konnte.

Auch die Aktienmärkte zogen den Euro mit nach oben. Der Dax notierte nach anfänglichen Verlusten 2,4 Prozent fester, der italienische Leitindex klettert um 1,5 Prozent. Auftrieb erhielt die Gemeinschaftswährung zudem von Spekulationen, die US-Notenbank Fed könnte nach ihrer zweitägigen Sitzung am Mittwoch weitere Schritte zur geldpolitischen Lockerung ankündigen, um damit der schwächelnden US-Wirtschaft auf die Beine zu helfen.

Für das von der Pleite bedrohte Griechenland rückt unterdessen die Stunde der Wahrheit immer näher. „Die Gespräche scheinen ganz gut zu verlaufen, aber es ist wohl besser, sich nicht zu früh festzulegen“, sagte ein Händler. Ein Sprecher des Athener Ministeriums hatte am Montagabend erklärt, man sei einer Einigung nahe. Für Dienstagabend war die nächste Telefonkonferenz von Finanzminister Evangelos Venizelos mit den Spitzen der Troika aus IWF, EZB und EU-Kommission geplant. Griechenland braucht dringend weitere Hilfen in Höhe von acht Milliarden Euro, um im Oktober Löhne und Gehälter auszahlen zu können. Dafür ist jedoch erforderlich, dass die Troika der griechischen Regierung bescheinigt, die Auflagen der Geber zu erfüllen. Zehnjährige griechische Papiere gaben leicht nach, rentierten mit 23,351 Prozent aber immer noch in astronomischen Höhen. Zum Vergleich: Die deutschen Pendants warfen gerade mal 1,798 Prozent ab.

Von

rtr

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