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20.07.2012

13:54 Uhr

Jahrhundertdürre in den USA

Werden unsere Nahrungsmittel knapp?

In den USA herrscht die schlimmste Hitzewelle seit 50 Jahren. Tausende Getreidefelder vertrocknen. Experten rechnen mit massiven Ernteausfällen und einem kräftigen Anstieg der Lebensmittel-Preise. Auch in Deutschland.

Vertrocknende Felder in Illinois. dpa

Vertrocknende Felder in Illinois.

Die Deutschen klagen derzeit über den verregneten Sommer. Zu viel Regen, viel zu kalt. Andernorts hätte man die Probleme gerne. In den USA beispielsweise. Seit Monaten fällt kein Regen im Mittleren Westen, es ist brennend heiß. Die schlimmste Trockenperiode seit mehr als 50 Jahren. Stimmen die Aussagen der Meteorologen, dann wird es noch eine ganze Weile dauern, ehe der nächste Regen fällt. Schon heute steht fest, dass dieser Juli einer der heißesten Monate in der Geschichte der USA wird. Landwirte und Wissenschaftler schlagen deshalb Alarm. Der Welt drohe eine Nahrungsmittelkrise.

Die Hitzewelle ist nicht allein ein Problem der Amerikaner. Denn die USA sind der größte Exporteur von Agrarrohstoffen. Und ausgerechnet der sogenannte „Corn Belt“, der Mais-Gürtel, in dem der Großanteil des Mais in den USA angebaut wird, leidet am meisten unter der Jahrhundert-Trockenheit. Die Preise an den Rohstoffbörsen haben längst reagiert; die Preise für Soja, Mais und Weizen sind zuletzt weltweit kräftig geklettert.

Auch heute legten die Notierungen zum Teil deutlich zu. Mais kostet mittlerweile mehr als acht Dollar je Scheffel und damit so viel wie niemals zuvor. Allein in den vergangenen fünf Wochen hat der Maispreis um mehr als 50 Prozent zugelegt. Auch der Preis für Sojabohnen hat zuletzt ein neues Allzeithoch erreicht; 17,49 Dollar werden derzeit je Scheffel bezahlt. Weizen kostet derzeit 9,35 Dollar pro Scheffel, so viel wie zuletzt vor vier Jahren.

Missbrauch von Agrar-Subventionen

Endlich offengelegt

Lange mussten vor allem Journalisten warten, 2012 dann durften sie endlich erfahren, wer von den Agrar-Subventionen der EU profitiert. Einige besonders skurrile Beispiele …

Subventionen für Nutella

Zu den Empfängern gehört zum Beispiel der Nutella-Hersteller Ferrero – mal abgesehen von der Tatsache, dass Nutella zu 55 Prozent aus Zucker besteht und so mancher Fachmann eher eine Zusatzbesteuerung für solche ungesunde Produkte fordert.

Schalke-Chef

Tierschützer schütteln mit dem Kopf bei dem Gedanken, dass auch Clemens Tönnies Gelder aus dem Subventionstopf erhält. Europas größter Schweinefleischvermarkter – im Nebenjob Chef des Fußballclubs Schalke 04 – gilt nicht gerade als Vorbild für die artgerecht Behandlung von Schweinen.

Adelige

Geld gibt es zudem auch reichlich für blaues Blut: Königin Elisabeth erhält für ihren Landbesitz mehr als 500.000 Euro, aber die Liste lässt sich mit weiteren Aristokraten aus ganz Europa beliebig fortsetzen.

RWE

Auch RWE wird gefördert. Der Versorger gilt zwar nicht als Vorreiter für erneuerbare Energien, aber immerhin war RWE clever genug, ehemalige Braunkohlegruben flugs als landwirtschaftliche Fläche auszuweisen und dafür 600.000 Euro zu kassieren.

Rheinmetall

Der Rüstungskonzern Rheinmetall bekam 2009 immerhin noch 84.000 Euro, weil er einen ehemaligen Schießstand umfunktionierte.

Zigaretten-Hersteller

Ein weiterer Nutznießer ist der Zigarettenkonzern British American Tobacco. Aber was sind die 1,5 Millionen Euro Unterstützung schon im Vergleich zu den 16 Millionen, die die EU jährlich für ihre Werbekampagnen gegen das Rauchen ausgibt?!

Staatlich geförderte Golfspieler und Wassersportler

Immerhin: Ein Durchschnittsbauer bekommt immer noch mehr als der Golfclub Großensee – wenn auch nur wenige hundert Euro. Dagegen „verdiente“ der Wassersportverein Schweriner Außensee 2010 satte 17.000 Euro.

Reiter und Fußballer werden reich

Wenn Pferdezüchter Geld bekommen- warum dann nicht auch die Reiter? Rund 150 Reitvereine und Gestüte bekommen Geld aus dem großen Topf. Und auch ein Fußballclub kommt da mal auf 40.000 Euro.

60.000 Euro für die Akkordeonspieler

Der Subventions-Wahnsinn ist bei weitem keine deutsche Eigenart: Ein schwedischer Akkordeonclub bekam knapp 60.000 Euro, ein dänischer Billardverein schaffte gut 30.000 Euro und der Eiskunstlaufverein Ons Genoegen aus Holland gleich mal 162.000 Euro.

Großbanken wie Goldman Sachs und Barclays haben längst ihre Preisprognosen für Mais angehoben. Die Situation an den Märkten werde mehrere Monate anhalten, schrieben Analysten der Rabobank. Allein die Commerzbank fällt mit Ihrer Einschätzung ein wenig aus der Reihe: „Nach dem massiven Anstieg des Maispreises seit Mitte Juni dürfte dies bereits in den Preisen eskomptiert sein“, heißt es in einem Kommentar der Bank. „Weiter anziehen würden die Preise wohl nur dann, wenn die Ergebnisse der „Erntetour“ durch die Hauptanbaugebiete Indiana, Illinois, Iowa und Nebraska in Hinblick auf den Zustand der Pflanzen die bisherige Einschätzung des US-Agrarministeriums noch einmal unterbieten würde.“

Eines jedenfalls scheint sicher: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die gestiegenen Notierungen an den Terminbörsen auch bei den Verbrauchern ankommen. Nicht nur in den US-Supermärkten, sondern auch im Rest der Welt. Grundnahrungsmittel sind längst ein globales Geschäft. „Wenn in den USA die Preise steigen, gehen sie kurz darauf auch in Europa hoch“, sagt Johann Schmalhofer, Finanzanalyst und selbst Landwirt mit einem Hof in der Nähe von Regensburg. Die Lebensmittelhersteller und Supermärkte könnten die Steigerungen dabei nur für kurze Zeit abfedern - am Ende würden die Verbraucher zur Kasse gebeten. „Sonst zahlen die Supermärkte ja drauf“, sagt Schmalhofer.

Kommentare (50)

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wolfibaerli

20.07.2012, 14:11 Uhr

Knapp? I wo! Der deutsche Bundesgutmensch Nr. 1, Heiner Geißler, kann uns das sicher besser erklären: Es sind die SPEKULANTEN, wer denn sonst? Trockenheit, Überbevölkerung, all das gibt es in der Welt der Gutmenschen nicht.

So weit, so gut. Das Schlimme daran ist bloß, dass diese Volksverblöder es immer wieder schaffen, über de wahren Ursachen von Nahrungsmittelknappheir hinweg zu täuschen. Bis es zu spät ist.

Account gelöscht!

20.07.2012, 14:14 Uhr

Liebes HB, bitte bei Exotischen/veralterten Maßeinheiten angeben dass 1 Scheffel Mais etwa 25 Kilo sind.

Ohweiohweiohwei

20.07.2012, 14:18 Uhr

Nahrungsmittel wachsen nach und Geld kann man nachdrucken. Wertvolle Kunstgegenstände, Diamanten, Gold und Silber nicht!

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