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12.02.2013

09:27 Uhr

Japan

Kampf gegen Deflation trägt Früchte

Für die japanische Landeswährung geht es seit Monaten bergab. Der Kampf gegen die Deflation, in den sich auch die USA eingeschaltet haben, zeigt Erfolge. Am Donnerstag tritt die Notenbank wieder auf den Plan.

Japans Premierminister (R) und Finanzminister (L). Das Bündnis gegen den starken Yen. Reuters

Japans Premierminister (R) und Finanzminister (L). Das Bündnis gegen den starken Yen.

FrankfurtDer Yen hat sich am Dienstag von seinen jüngsten Verlusten zum Dollar etwas erholt. Die japanische Landeswährung pendelte um die Marke von 94 Yen. Am späten Montagabend war sie mit 94,42 Yen noch auf den tiefsten Stand seit Mai 2010 gefallen. Auslöser des Kursrutsches waren Äußerungen der US-Staatssekretärin Lael Brainard. Sie sagte Japan beim Kampf gegen die Deflation die Unterstützung der USA zu.

Der Yen ist wegen der lockeren Geldpolitik der Zentralbank seit Monaten auf Talfahrt. Anleger rechnen langfristig mit weiteren Maßnahmen zur Schwächung der Landeswährung, weil diese japanischen Unternehmen ermöglicht, eigene Produkte zu einem günstigeren Preis auf dem Weltmarkt anzubieten.

Steckt die Welt im Währungskrieg?

Warum hat der Euro an Wert gewonnen?

Der Höhepunkt der Euro-Krise im Jahr 2012 war ein Tiefpunkt für den Euro. Der Wechselkurs fiel bis auf 1,20 Dollar. Seitdem hat sich die europäische Währung wieder erholt. Aktuell notiert sie bei 1,35 Dollar.
Für Europas obersten Währungshüter, EZB-Chef Mario Draghi, ist klar: „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro.“ Dazu kam die sehr lockere Geldpolitik in Japan und den USA: Die dortigen Notenbanken öffneten ihre Geldschleusen extrem weit, machten damit ihre Währungen billig. Das funktioniert so: Investoren verkaufen Wertpapiere in Dollar oder Yen (zum Beispiel an die Zentralbank, die sie ihnen mit frisch gedrucktem Geld abnimmt) und kaufen stattdessen welche in Euro. Als Konsequenz ändern sich die Wechselkurse - die „Preise“ für Währungen, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln.

Welche Ziele verfolgen die Notenbanken in den USA und Japan?

Draghi ist überzeugt: Es geht nicht um einen „Währungskrieg“ oder einen Wettlauf um die billigste Währung. Vielmehr seien die aktuellen Wechselkursbewegungen ein Nebeneffekt der diversen Bemühungen, die Wirtschaft anzuschieben. Allerdings ist der Ansatz der Notenbanken teils völlig verschieden: Während Preisstabilität vorrangiges Ziel der EZB ist, hat die US-Notenbank Fed explizit einen doppelten Auftrag: Stabile Preise und möglichst hohen Beschäftigungsstand. „Man löscht dann dort eben das Feuer, das am heißesten brennt“, erklärt Commerzbank-Notenbankexperte Bernd Weidensteiner. In Japan übte die Regierung massiv Druck auf die Notenbank aus, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen - ein fatales Signal, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann meint: Die Unabhängigkeit der Zentralbank sei essenziell.

Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

EZB-Präsident Draghi erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge. In einen „Währungskrieg“ will sich die EZB aber bisher nicht hineinziehen lassen - auch weil geldpolitische Schritte zur gezielten Euro-Abwertung Reformen der Krisenstaaten bremsen könnten. „Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer“, sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem „Handelsblatt“. „Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen.“

Wer profitiert von einem starken Euro?

Für Verbraucher in Deutschland bringt ein starker Euro mehrere Vorteile: Urlaubsreisen in ferne Länder werden tendenziell günstiger, ebenso wie der Sprit an der Tankstelle. Tendenziell werden alle importieren Waren günstiger. Auch Unternehmen, die für ihre Produktion Rohstoffe wie Erdöl einführen müssen, können preiswerter einkaufen. Denn diese Rohstoffe werden in Dollar abgerechnet.

Wem schadet ein starker Euro?

Vor allem der deutschen Exportwirtschaft. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen aufgewertet. Waren aus dem Euroraum werden im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Deutsche Maschinenbauer spüren den stärkeren Euro bereits, weil ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder Asien teurer werden. Doch während sich deutsche Maschinen, Autos und Elektroprodukte auch über guten Ruf und Qualität verkaufen, dürfte der erstarkte Euro vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen machen. Allerdings bezweifelt EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder: „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

Ist der Euro gegenüber Dollar oder Yen schon überbewertet?

Laut Draghi bewegt sich der Euro in der Nähe seines langfristigen Durchschnittswerts. 2008 hatte der Euro mal beinahe 1,60 US-Dollar gekostet, 2003 weniger als 90 US-Cent. Glaubt man dem „Big-Mac-Index“ des Magazins „Economist“, dann ist der japanische Yen gegenüber Euro und US-Dollar noch unterbewertet. Der Index vergleicht den Preis für den gleichen Burger in verschiedenen Währungsräumen. Demnach kostete der Big Mac in den USA im Januar 4,37 Dollar, im Euroraum 4,88 Dollar, in Japan nur 3,51 Dollar. Bereinigt um die Wirtschaftskraft pro Kopf ist der Burger damit in Japan um 17,1 Prozent zu billig, in der Eurozone aber um 20,8 Prozent zu teuer. In Deutschland kostet der Big Mac übrigens demnach „nur“ 17,7 Prozent mehr als in den USA, in Griechenland aber 28,1 Prozent, in Italien sogar satte 34,6 Prozent mehr.

Die japanische Notenbank entscheidet am Donnerstag über die Zinspolitik für das ostasiatische Land. Im Januar hatte sie unbefristete Anleihenkäufe beschlossen und das Inflationsziel auf zwei Prozent verdoppelt.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

12.02.2013, 09:50 Uhr

Es ist erschreckend wie hier im Handelsblatt dem staatlichen Interventionismus u.a. auch in Währungsfragen das Wort geredet wird. Ist das hier das "Neue Deutschland"?

Die zu erntenden Früchte werden höhere Inflationsraten sein, die sich dann in höhreren Zinsen der japanischen Staatsanleihen äussern werden.

Denn die Käufer der Anleihen werden keine Nullzinsen mehr akzeptieren wenn die Inflationsrate hochgeht. Willkommen in der Staatspleite Japan, ob der ESM dann auch Japan retten darf?

Ist ja bestimmt auch systemrelevant...

Account gelöscht!

12.02.2013, 13:00 Uhr

Kampf gegen Deflation ist Kampf gegen eine logische Abrechnung von Schulden, Preisen, Zinsen und Löhnen. Mit Produktivitätssteigerungen sollte es ja eigentlich Deflation geben, wie es in Jahrzehnten für Elektronik und Kleider gegeben habe. Das ist ja auch was Verbrauchern suchen. Inflation und verleitende Zinsen führen Chaos mit sich. Deflation war in Friedenszeiten normal vor 1914.

AlfredSchramm

13.02.2013, 01:19 Uhr

Whoknows, es ist ein "offenes Geheimnis", das Japan eine so gefährliche Geldpolitik fährt, da man dort der festen Überzeugung ist, "systemrelevant" zu sein, d.h. dass eine Pleite Japans so gefährlich für die Weltwirtschaft wäre, dass es keine Alternative zu einer Rettung gäbe. Da spielt auch eine gehörige Portion des Japanischen Nationalismus und der Überzeugung mit rein, dass die Welt Japan dies schuldig sei.
Ich hoffe, man lässt dieses Unverantwortlich agierende Land den Bach heruntergehen.

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