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07.01.2010

20:58 Uhr

Japan

Tokio schickt den Yen auf Talfahrt

VonFinn Mayer-Kuckuk

Japans neuer Finanzminister Naoto Kan hat gleich in seinen ersten Arbeitsstunden den Devisenmarkt in Aufruhr versetzt. Kan will den Exporteuren helfen und deutet staatliche Maßnahmen zur Stützung des Dollars an. Der Wechselkurs des japanischen Yen zum Dollar ist in Japan ein heißes Politikum.

Der neue japanische Finanzminister Naoto Kan versetzte die Devisenmärkte am Donnerstag in Aufruhr. Reuters

Der neue japanische Finanzminister Naoto Kan versetzte die Devisenmärkte am Donnerstag in Aufruhr.

TOKIO. "Ich hoffe auf ein etwas niedrigeres Niveau für den Yen und will mit der Notenbank zusammenarbeiten, um die Währung auf ein angemessenes Niveau zu bringen", sagte Kan am Donnerstag in Tokio. Er deutete damit an, dass er zu staatlichen Eingriffen zur Stützung des Dollarkurses bereit sei, woraufhin der Yen ein knappes Prozent an Wert verlor.

Mit seiner Äußerung setzte der populistische Politiker einen Akzent für seine Amtszeit: Im Unterschied zu seinen Vorgängern ist Kan ein behutsamer Umgang mit den Märkten nicht so wichtig. Er sendet lieber starke politische Botschaften aus - in diesem Fall an die Exportindustrie, der er staatliche Unterstützung durch die Währungspolitik verspricht.

Der Markt misstraut dem Minister

Eigentlich hätte Kan vor der Reaktion des Währungsmarktes gewarnt sein müssen. Sein Vorgänger Hirohisa Fujii hatte mit wesentlich vorsichtigeren Formulierungen im Oktober heftige Ausschläge verursacht. Dass der Yen heute nicht stärker schwankte, lag nach Einschätzung eines Devisenexperten daran, dass Kans Sympathie für staatliche Eingriffe bekannt und die Äußerung deshalb nicht überraschend gekommen sei. Der Markt traue Kans Worten zudem insgesamt nicht so sehr wie denen seines erfahrenen Vorgängers Hirohisa Fujii.

Mit dessen Abgang und dem Nachrücken Kans gilt die ohnehin dünne Wirtschaftskompetenz der japanischen Regierung als zusätzlich geschwächt. Erst im September hatte die etwas links von der Mitte stehende Demokratische Partei Japans (DPJ) die Parlamentswahl mit klarer Mehrheit gewonnen. Sie regiert zusammen mit zwei ebenfalls tendenziell links orientierten kleineren Parteien. Seit der Wahl ist Zeitungsumfragen zufolge die Zustimmung zur Politik der Koalition um fast 20 Prozentpunkte gefallen. "Ich denke, die Wirtschaftspolitik der DPJ ist nicht konsistent, und ich bin mir nicht sicher, ob sie den angestrebten Effekt bringt", sagte Wirtschaftswissenschaftler Tsutomu Miyawaka von der Gakushuin-Universität.

In der Debatte um den Haushalt 2010 hat sich Kan als Vizepremier und Strategieminister tendenziell für mehr Staatsausgaben starkgemacht, während der vorherige Finanzminister Fujii eher mäßigend gewirkt hat. Japan befindet sich mehr als andere Länder in einer Zwickmühle: Um die Wirtschaft in der Krise vor einem Absturz zu bewahren, sind ebenso hohe Staatsausgaben nötig wie in anderen Industrieländern. Anders als Deutschland oder die USA ist Japan jedoch bereits völlig überschuldet. Die Verbindlichkeiten erreichen bereits das Doppelte eines jährlichen Bruttoinlandsprodukts. Premier Yukio Hatoyama setzt jedoch wie sein enger Vertrauter Kan auf mehr Zahlungen für die einfachen Bürger, um die Binnennachfrage anzukurbeln.

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