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29.04.2014

15:41 Uhr

Japan vor Inflation

Zum Spekulieren verdammt

Um die Wirtschaft anzukurbeln, flutet die japanische Notenbank den Markt mit Geld. Doch die Bürger wollen ihr Vermögen erhalten. Viele Privathaushalte wählen dafür einen hochriskanten Weg: Sie handeln Devisen auf Kredit.

Ein Mann geht an einer Kurstafel vorbei. Seit dem vergangenen Jahr verfolgt Japan eine besonders lockere Geldpolitik - das führt zu Abwertung des Yen und bei der Bevölkerung zum Ersparnisverlust. dpa

Ein Mann geht an einer Kurstafel vorbei. Seit dem vergangenen Jahr verfolgt Japan eine besonders lockere Geldpolitik - das führt zu Abwertung des Yen und bei der Bevölkerung zum Ersparnisverlust.

Tokio Ritsuko Ueda möchte kein Geld verlieren. Deshalb nimmt die 63-jährige Hausfrau ein hohes Risiko auf sich: Sie spekuliert auf Kredit mit Devisen. Sie ist damit kein Einzelfall und nur eine von Tausenden Japanern. Diese versuchen den Wertverlust ihres Geldes aufzufangen, den gerade der Notenbankchef Naruhiko Kuroda erreichen will und die Deflation in Japan bekämpft.

„Ich hege große Hoffnungen, dass Kurodas nächste Schritte die Schwäche beim Yen und Gewinne bei Aktien antreiben werden”, sagt Ueda im März bei einem Trainingsseminar in Tokio. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung von Gaitame Online, einer japanischen Devisenhandelsfirma mit Fokus auf den Privatkundenmarkt. Ueda treibt ein hochriskantes Spiel. Bis auf eine kleine Sicherheitsleistung spekuliert sie mit geliehenem Geld.

Weltweite Währungsreserven

2004

Gesamt: 2,655 Billionen

US Dollar: 1,739 Billionen (65,45 %)
Britisches Pfund: 0,093 Billionen (3,50 %)
Yen: 0,114 Billionen (4,29 %)
Schweizer Franken: 0,004 Billionen (0,15 %)
Euro: 0,655 Billionen (24,67 %)

2005

Gesamt: 2,844 Billionen

US Dollar: 1,891 Billionen (66,49 %)
Britisches Pfund: 0,107 Billionen (3,76 %)
Yen: 0,113 Billionen (3,97 %)
Schweizer Franken: 0,004 Billionen (0,14 %)
Euro: 0,679 Billionen (23,87 %)

2006

Gesamt: 3,315 Billionen

US Dollar: 2,158 Billionen (65,10 %)
Britisches Pfund: 0,15 Billionen (4,52 %)
Yen: 0,115 Billionen (3,47 %)
Schweizer Franken: 0,006 Billionen (0,18 %)
Euro: 0,827 Billionen (24,95 %)

2007

Gesamt: 4,119 Billionen

US Dollar: 2,631 Billionen (63,87 %)
Britisches Pfund: 0,199 Billionen (4,83 %)
Yen: 0,131 Billionen (3,18 %)
Schweizer Franken: 0,006 Billionen (0,15 %)
Euro: 1,076 Billionen (26,12 %)

2008

Gesamt: 4,21 Billionen

US Dollar: 2,685 Billionen (63,78 %)
Britisches Pfund: 0,178 Billionen (4,23 %)
Yen: 0,146 Billionen (3,47 %)
Schweizer Franken: 0,14 Billionen (0,15 %)
Euro: 1,104 Billionen (26,22 %)

2009

Gesamt: 4,59 Billionen

US Dollar: 2,848 Billionen (62,05 %)
Britisches Pfund: 0,195 Billionen (4,25 %)
Yen: 0,133 Billionen (2,90 %)
Schweizer Franken: 0,005 Billionen (0,11 %)
Euro: 1,27 Billionen (27,67 %)

2010

Gesamt: 5,163 Billionen

US Dollar: 3,193 Billionen (61,84 %)
Britisches Pfund: 0,203 Billionen (3,93 %)
Yen: 0,189 Billionen (3,66 %)
Schweizer Franken: 0,007 Billionen (0,14 %)
Euro: 1,343 Billionen (26,01 %)

2011

Gesamt: 5,652 Billionen

US Dollar: 3,525 Billionen (62,37 %)
Britisches Pfund: 0,217 Billionen (3,84 %)
Yen: 0,204 Billionen (3,61 %)
Schweizer Franken: 0,004 Billionen (0,07 %)
Euro: 1,394 Billionen (24,66 %)

2012

Gesamt: 6,085 Billionen

US Dollar: 3,715 Billionen (61,05 %)
Britisches Pfund: 0,245 Billionen (4,03 %)
Yen: 0,248 Billionen (4,08 %)
Schweizer Franken: 0,018 Billionen (0,30 %)
Euro: 1,477 Billionen (24,27 %)

2013 (Q3)

Gesamt: 6,191 Billionen

US Dollar: 3,803 Billionen (61,43 %)
Britisches Pfund: 0,242 Billionen (3,91 %)
Yen: 0,239 Billionen (3,86 %)
Schweizer Franken: 0,017 Billionen (0,27 %)
Euro: 1,496 Billionen (24,16 %)

Sie ist nicht die Einzige. Privatinvestoren verfügten nach Angaben der Tokyo Financial Exchange im Februar über 767.902 Konten für solche Devisen-Spekulationen. Das war der höchste Stand seit Juli 2005 und deutlich mehr als die 595.698 Konten im Vorjahr.

Grund für den Spekulationsboom ist die lockere Geldpolitik von Notenbankchef Kuroda. Er war im März 2013 von Ministerpräsident Shinzo Abe ernannt worden, um als Chef der Bank of Japan (BoJ) die Märkte mit billigem Geld zu fluten. Das sollte die seit 15 Jahren andauernde Deflation in Japan beenden und die Bevölkerung endlich dazu bewegen, mehr Geld auszugeben. Die Strategie trägt erste Früchte: Japans Verbraucherpreise ohne Berücksichtigung frischer Nahrungsmittel sind im Februar auf Jahressicht um 1,3 Prozent gestiegen, damit lag die Teuerung auf dem im Dezember erreichten Fünfjahreshoch.

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