Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.01.2013

07:59 Uhr

Japans Geldpolitik

Yen geht auf Achterbahnfahrt

Geht die Strategie auf? Japans Regierung möchte mit seiner expansiven Geldpolitik die Konjunktur ankurbeln. Die Notenbank will nun Anleihen kaufen und schickt den Yen auf Talfahrt - aber nur ganz kurz.

Eine Kurstafel in Tokio. Der Yen ist auf Talfahrt. dapd

Eine Kurstafel in Tokio. Der Yen ist auf Talfahrt.

TokioNach der Ankündigung massiver Anleihenkäufe durch die japanische Notenbank ist der Yen mit Abschlägen gehandelt worden. Die japanische Währung tendierte am Dienstag zum Dollar nahe des erst kurz zuvor erreichten Zweieinhalb-Jahres-Tief.

Die US-Währung kletterte zunächst auf 90,18 Yen, fiel kurz darauf aber auf 89,36 Yen ab.

Yen-Verfall: Wie tief sinkt Japans Währung noch?

Gradmesser

Für die Aktienmärkte ist der Yen-Kurs gegenüber dem Dollar ein Gradmesser für die Abwertung der Landeswährung. 2012 fiel der Yen 15 Prozent gegenüber zehn großen Weltwährungen - so viel wie seit 1979 nicht mehr. Dies ergibt sich aus einem Bloomberg-Index.

Kurs

Die Notierung erfolgt in Yen pro Dollar, etwa: 85 Yen. Wenn dieser Wert steigt, etwa auf 90 Yen, steigt der Wert der US-Währung, und es sinkt der Wert der japanischen Währung.

Neue Regierung

Die neue japanische Regierung will die Konjunktur ankurbeln. Dafür nutzt sie alle Hebel. Einer davon ist auch die Schwächung der Währung. 2012 fiel der Yen um 11 Prozent gegenüber dem Dollar - so stark wie seit sieben Jahren nicht mehr.

Fiskalpolitik

Die japanische Regierung hat ein enormes Konjunkturpaket im Volumen von 20,2 Billionen Yen (173 Milliarden Euro) abgesegnet. Damit sollen unter anderem große öffentliche Bauprojekte im Nordosten des Landes finanziert werden. Rund 600.000 Arbeitsplätze verspricht sich Regierungschef Shinzo Abe davon.

Geldpolitik

Ministerpräsidenten Shinzo Abe drängt die Notenbank, ihre Geldpolitik weiter zu lockern und so die Fiskalpolitik zu flankieren. Die Zeitung Nikkei zitierte Abe mit den Worten, Japan habe wegen des starken Yen seine Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Er wolle, dass die Notenbank sich auch für ein Maximum an Beschäftigung in Japan verantwortlich fühle.

Wirtschaft schrumpft

Das Bruttoinlandsprodukt in Japan ist auf Jahresbasis im dritten Quartal um 3,5 Prozent geschrumpft. Ökonomen erwarten, dass es im vierten Quartal 2012 um 0,6 Prozent zurückgegangen ist.

Die Wende

Für das erste Quartal 2013 erwarten Ökonomen wieder ein Wachstum von 1,6 Prozent in Japan.

Währungsverfall

Die Konjunkturschwäche geht mit einem Wertverfall der Währung einher. Anfang 2013 liegt der Dollar gegenüber mit fast 90 Yen auf dem höchsten Niveau seit Juni 2010, also seit mehr als zweieinhalb Jahren. Gegenüber dem Euro markiert der Yen die niedrigsten Kurse seit Mai 2011, also seit mehr als anderthalb Jahren.

Yen-Prognosen

Die Banken rechnen mit einer weiteren Abschwächung des Yen. Damit liegen sie auf einer Linie mit der Regierung, die genau dies fördern will durch ihre Fiskalpolitik.

Wo Banken den Yen sehen

Morgan Stanley erklärte in einer Analyse, der Dollar könne gegenüber der japanischen Währung noch auf 100 Yen steigen in diesem Jahr. Societe Generale nennt ein Kursziel von 97 Yen bis Jahresende. Bisher ging die Bank von 87 Yen aus. Citibank glaubt, dass der Dollar bis Ende März auf 90 Yen steigt. Zuvor war die Bank von 87 Yen ausgegangen.

Welchen Yen-Kurs die Exporteure wünschen

Die Exportwirtschaft verweist darauf, dass die japanische Währung noch immer 13 Prozent über seinem Zehnjahres-Durchschnitt liegt. Dieser liegt gegenüber dem Dollar bei 101 Yen. Die Industrie in Japan wünscht sich einen Dollarkurs zwischen 90 and 100 Yen. Das sagt, Hiroshi Tomono, Präsident von Nippon Steel & Sumitomo Metal Corp.

Treiber für Export-Aktien

Die fortgesetzte Yen-Abwertung gegenüber den großen Währungen der Welt hilft vor allem den japanischen Exporteuren. Deren Aktien profitieren daher regelmäßig besonders stark, wenn der Yen an Wert verliert.

Rekorde an der Börse

Das Börsenbarometer Nikkei-Index marschiert im Januar von Rekord zu Rekord. Inzwischen liegen die Aktienkurse auf dem höchsten Niveau seit zwei Jahren.

 

Diese Tendenz ist nicht im Interesse der Regierung, die die Geldpolitik mit einer aggressiven Rhetorik flankiert. Japans neuer Ministerpräsident Shinzo Abe kündigte nach der Entscheidung der Notenbank an, sein Land werde einen "Regimewechsel" in seiner makroökonomischen Strategie vollziehen. Durch eine entschlossene Lockerung der Geldpolitik müsse Japan die Deflation besiegen und den starken Yen-Anstieg korrigieren. Damit kündigte er offenen einen Abwertungswettlauf an.

Spekulationen, die Notenbank könnte auch ausländische Bonds kaufen, hätten sich nicht erfüllt, erklärte die Commerzbank in einem Kommentar. Solche Käufe seien aber auch nur von einer geringen Minderheit erwartet, da diese leicht von Japans Handelspartnern als Währungsmanipulation interpretiert worden wären.

So weitreichend eine (mehr als) Verdreifachung der Wertpapierkäufe der BoJ auch für die japanische Geldpolitik sein dürften, am Devisenmarkt habe die Entscheidung zunächst keine großen Reaktionen hervorgerufen, so die Commerzbank.

Dennoch könnte es in den nächsten Tagen durchaus noch zu einer Konsolidierung im Verhältnis Dollar-Yen, aber auch Euro-Yen kommen. Immerhin dürften alle, die auf eine anhaltende Yen-Schwäche gesetzt hätten, enttäuscht worden sein. Aus technischer Sicht liege die nächste große Unterstützung in Dollar-Yen-Kurs bei 87,95 Yen.

Der Euro wurde bei 1,33 Dollar gehandelt. Zum Yen stand die Einheitswährung bei 118,89 Yen. Zum Schweizer Franken lag der Euro bei 1,2416 Franken. Zum Franken tendierte der Dollar bei 0,9306 Franken.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×