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19.10.2014

12:19 Uhr

Kaffee als Geldanlage

Das neue schwarze Gold

VonRoman Tyborski

Die Aktienmärkte hängen am Tropf der Notenbanken, Zinsen sind kaum noch vorhanden und die Öl- und Goldpreise fallen. Wo also noch investieren? Ein Blick auf die Kaffeemärkte könnte sich lohnen.

Kaffee kann nicht nur die Sinne beleben, sondern auch das Depot. dpa

Kaffee kann nicht nur die Sinne beleben, sondern auch das Depot.

DüsseldorfÄthiopien im 16. Jahrhundert: Eine Ziegenherde weidet auf einem Feld und entdeckt einen Kaffeestrauch. Von den roten Früchten angezogen, wagen einige davon zu kosten. Der Effekt ist beeindruckend. Die Ziegen sind stundenlang putzmunter, während die restliche Herde der gewohnten Nachmittagslethargie verfällt. Auch der Hirte, so die Legende, kostet von den Früchten und kann anschließend bis tief in die Nacht wach bleiben, reden und arbeiten. Damit war klar: Kaffee hat eine belebende Wirkung.

Soweit die Legende, jetzt zur Realität: Eine belebende Wirkung hat der Kaffee derzeit auch in zahlreichen Depots: Wer Anfang des Jahres in Kaffee-Terminkontrakte investiert hat, findet nun auf seinem Konto eine doppelt so hohe Summe wieder. Zum Vergleich: Der Bloomberg Commodity Index, der Future-Preise für 22 Rohstoffe beinhaltet, gab im gleichen Zeitraum 6,3 Prozent nach.

Eine solche Performance ist in Zeiten volatiler Aktienmärkte und niedriger Zinsen selten. Dementsprechend groß ist das Interesse bei Kaffee. „Das niedrige Zinsniveau zwingt Anleger renditeträchtige Anlagemöglichkeiten zu suchen, deswegen erhöht sich derzeit die Liquidität auf dem Kaffeemarkt“, erklärt Leon Leschus, Rohstoffexperte bei HWWI Consult.

Besonders stark ist der Anstieg bei der Sorte Arabica. Während das Pfund des Edelkaffees im vergangenen Jahr nur etwas mehr als einen Dollar kostete, müssen derzeit auf den Terminmärkten schon 2,17 Dollar dafür bezahlt werden – und laut Experten dürfte der Preis in den kommenden zwei Jahren noch weiter steigen.

Bereits 2015 soll das Pfund bereits drei Dollar kosten, so Harish Sundaresh, Rohstoffexperte bei Loomis Sayles & Co. Verantwortlich für diese Entwicklung ist das trockene Wetter in Brasilien. Dort fallen die Ernteerträge seit 2012. Wurden vor zwei Jahren noch mehr als 50 Millionen Säcke Kaffee produziert – ein Sack entspricht 60 Kilogramm – werden es 2014 voraussichtlich nur noch 45,1 Millionen Säcke sein. Demgegenüber steht eine seit 2009 stetig steigende Nachfrage. 2015 sollen weltweit mehr als fünf Millionen Tonnen nachgefragt werden.

Ausschlaggebend für diesen Anstieg ist unter anderem China. Die wachsende Mittelschicht im Reich der Mitte kauft immer mehr höherwertige Nahrungsmittelprodukte nach – darunter eben auch Kaffee. Hinzu kommt, dass die Nachfrage nach Kaffee eine schwache Korrelation zum Preis aufweist. Das heißt: Egal wie hoch der Preis ist, die Nachfrage reagiert kaum darauf, vor allem in Ländern, in denen der Kaffeekonsum seit Jahrzehnten eingeübt ist. Kaum jemand dürfte auf seine Tasse Kaffee am Morgen verzichten, nur weil der Preis dafür um 20 Cent gestiegen ist.

Die wichtigsten Fakten zu Gold

Goldnachfrage

Die gesamte Goldnachfrage im ersten Quartal 2015 betrug 1079,3 Tonnen. Damit ist die Nachfrage nur um knapp 11 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr (Q1'14: 1089,9) gefallen.

Quelle: World Gold Council

Schmucknachfrage

Die weltweite Nachfrage nach Schmuck betrug im ersten Quartal 2015 insgesamt 600,8 Tonnen und ist damit um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr (Q1'14: 620,2) gefallen.

Industrienachfrage

Die Nachfrage des Technologiesektors belief sich im ersten Quartal 2015 auf 80,4 Tonnen und fiel, verglichen mit den 81,9 Tonnen im ersten Quartal 2014, um zwei Prozent.

Goldbarren- und Münznachfrage

Die Nachfrage nach Goldbarren und -münzen ist im ersten Quartal 2015 gesunken – auf 253,1 Tonnen. Ein Minus von zehn Prozent im Vergleich zu 2014 (Q1: 281,5).

EFTs und ähnliche Produkte

Die Nachfrage bei den Gold-EFTs betrug im ersten Quartal 2015 25,7 Tonnen. Im ersten Quartal des Vorjahres wurden noch Abflüsse in Höhe von 13,5 Tonnen verzeichnet.

Notenbanken

Die Nettoeinkäufe von Zentralbanken betrugen im ersten Quartal 2015 119,4 Tonnen. Im Vergleich zum Vorjahr blieb der Wert damit nahezu gleich (Q1'14: 119,8).

Investment gesamt

Die Goldnachfrage im Investment belief sich im ersten Quartal 2015 auf 278,8 Tonnen. Das ist eine Steigerung von vier Prozent, im Vorjahresquartal waren es 268 Tonnen.

Doch die anhaltend hohe Nachfrage zu bedienen wird immer schwieriger. Ausbleibender Regen im Januar und im Februar, sowie unbeständiges Wetter im Juli und August sorgen in Brasilien für Ernterückgänge bis zu 15 Prozent. Die brasilianische Kaffee-Kooperative Coopamig rechnet sogar mit einem Rückgang von bis zu 30 Prozent im laufenden Jahr. Außerdem kämpft Kolumbien – neben Brasilien einer der wichtigsten Kaffeeexporteure – mit einem schädlingsbedingten Rückgang der Ernteerträge, so Leschus.

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