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12.01.2016

15:23 Uhr

Kakao

Warum der beste Rohstoff aus 2015 zum Albtraum wird

Während die Preise von Öl und Industriemetallen einbrechen, ist der für Kakao zuletzt deutlich gestiegen. Das hat Konsequenzen für Naschkatzen: Schokolade wird teurer. Doch die Preise könnten schon bald wieder fallen.

Der Preis für Kakao stieg 2015 um 14 Prozent. Ein Überangebot könnte ihn bald schon nach unten drücken. imago

Von der Schote zum Pulver

Der Preis für Kakao stieg 2015 um 14 Prozent. Ein Überangebot könnte ihn bald schon nach unten drücken.

LondonDer Rohstoff mit der besten Preisentwicklung im vergangenen Jahr könnte sich 2016 in eine ganz andere Richtung entwickeln: Kakao. Die Preise für die Bohnen waren bei einer vierjährigen Rally bis 2015 um 60 Prozent nach oben geschossen. Das zwang viele Süßwarenhersteller wie Hershey oder Lindt & Sprüngli dazu, mehr für ihre Produkte zu verlangen.

Im vergangenen Jahr hatte trockenes Wetter die Ernte belastet – auch in Westafrika, woher rund 70 Prozent des weltweiten Kakaobohnen-Angebots stammen. Im Dezember stiegen die Terminkontrakte in London auf 2332 Pfund je Tonne – und damit auf den höchsten Wert seit 2011. Damals hatte ein Bürgerkrieg die Produktion an der Elfenbeinküste unterbrochen.

Während fast alle anderen Rohstoffe im vergangen Jahren einbüßten, legte der Preis für Kakao in London, einem der bedeutendsten Handelsplätze für Rohstoffe, um 14 Prozent zu. Das Plus markierte den besten Wert unter den 24 Rohstoffen, die vom Standard & Poor’s GSCI Spot Index abgebildet werden. Der Index brach selbst um mehr als 25 Prozent ein.

In Rohstoffe investieren: Grundlagen

Natürliche Ressourcen

Rohstoffe sind natürliche Ressourcen. Sie kommen in der Natur vor und wachsen teilweise nach. Beispiele sind Öl, Kohle, Stahl, Gold, Getreide oder Fleisch. Darüber hinaus gibt es neuerdings auch Rohstoffe, die künstlich hergestellt werden. Ein Beispiel ist Plastik.

Marktdaten verfolgen

Reales Angebot und Nachfrage sind die Basis der Rohstoffpreise. Infos zu Lagerbeständen und Bedarf von Industriemetallen kann man direkt beim Londoner Metal Exchange (www.lme.com) verfolgen. Hilfreich für Agrarrohstoffe ist der Wasde-Bericht (World Agricultural Supply and Demand Estimates; www.usda.gov).

Wetterbericht im Auge behalten

Sinkt die Temperatur in Florida – einem der wichtigsten Orangenanbauer der Welt – unter zwei Grad minus, steigt der Preis für Orangensaft. Frost, Dürre, Überschwemmungen – was die Ernte beeinträchtigt, lässt Agrarrohstoffe haussieren. Rohstoffbörsen wie die CME (www.cme.com) bieten detaillierte Wetterprognosen sowie eine Übersicht zu Rohstoffpreisen.

Psychologie zählt

Ölpreis und Metalle ziehen mit der Konjunktur. Bei Problemen in großen Förderländern steigen die Preise in der Regel auch bei flauer Wirtschaft. Bei Gold sind Angstkäufe der wichtigste Preistreiber.

Exoten meiden

Rohstoffmärkte gelten als enge Märkte. Das heißt: Bei Erzeugnissen mit geringem Umsatzvolumen drohen heftige Kursausschläge. Emittenten wälzen das über Kauf-Verkaufs-Spannen auf Anleger ab. Wer sicher anlegen möchte, sollte deshalb lieber auf führende Rohstoffe setzen: Kupfer statt Zink, Baumwolle statt Bauholz.

Kurve beachten

Sind langlaufende Kontrakte teurer als kurze, steigt die Terminkurve (Contango), Zertifikate verlieren an Wert. Sinkt die Terminkurve (Backwardation), gibt es einen Extragewinn.

Banken checken

Rohstoffzertifikate sind Schuldverschreibungen. Geht die ausgebende Bank pleite, ist das Geld futsch. Vor dem Kauf Emittenten checken, etwa deren Kreditausfallprämien. In Deutschland geht das etwa über den Derivateverband (www.derivateverband.de).

Einsatz begrenzen

Einzelne Rohstoffe können sehr volatil sein. Rohstoffe sollten nicht mehr als zehn Prozent eines Depots ausmachen. Neben einzelnen Futures lässt sich auch in passive Portfolios investieren, etwa den S&P GSCI (die Abkürzung steht für Standard & Poors Goldman Sachs Commodity Index) oder den RICI (Rogers International Commodity Index).

Glaubt man den Analysten der Rabobank, dann wird sich das Blatt aber schon bald wenden. Ihnen zufolge könnten die Preise bis zum vierten Quartal 2016 auf 1800 Pfund je Tonne Kakao einbrechen. Das entspricht einem Minus von rund 17 Prozent im Vergleich zum Jahresbeginn. Die Analysten rechnen mit dem größten Überangebot in sechs Jahren.

Farmer würden davor stehen, ihre Produktion wieder hochzufahren, während zugleich die Nachfrage sinken könne. Trifft all dies zu, könnte es ein Albtraum-Jahr für Kakao werden. Wir erklären die fünf wichtigsten Gründe für den negativen Ausblick.

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