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04.06.2014

09:59 Uhr

Kakaodefizit

Geht uns die Schokolade aus?

Bis 2020 wird sich das Kakaodefizit verneunfachen. Nestlé, Ferrero und andere Branchengrößen versuchen bereits gegenzusteuern. Doch anstatt die Ernte auszuweiten, wechseln Kakaobauern einfach zu lukrativeren Rohstoffen.

Eine Frau beißt in eine Tafel Schokolade. Die Nachfrage nach Schokosüßwaren wird jährlich um 2,1 Prozent zunehmen – und das Angebot wird zu langsam ausgeweitet. dpa

Eine Frau beißt in eine Tafel Schokolade. Die Nachfrage nach Schokosüßwaren wird jährlich um 2,1 Prozent zunehmen – und das Angebot wird zu langsam ausgeweitet.

New YorkImmer mehr Menschen wechseln auf die „Schokoladenseite“. Vor allem die in China wachsende Mittelschicht sorgt für eine verstärkte Nachfrage nach Schokolade und damit nach Kakao. Kakaobauern sind die Preise allerdings noch zu niedrig, weshalb es ihnen an Motivation fehlt die Ernte auszuweiten. Dabei hinken sie mit der Produktion bereits stark hinterher.

Die weltweite Kakao-Nachfrage wird wohl in der nächsten Saison, die am 1. Oktober beginnt, erneut über dem Angebot liegen. Das geht aus einer Umfrage von Bloomberg News unter Analysten und Händlern hervor.

Den Erwartungen zufolge wird sich das Defizit bis 2020 verneunfachen, und zwar auf 1 Millionen metrische Tonnen. Dies erklärte der in Zürich angesiedelte Schokoladenkonzern Barry Callebaut unter Berufung auf branchenweite Prognosen. Das Defizit würde dann rund einem Viertel des weltweiten Angebots entsprechen – falls die Bauern das aktuelle Produktionstempo beibehielten.

In Rohstoffe investieren: Grundlagen

Natürliche Ressourcen

Rohstoffe sind natürliche Ressourcen. Sie kommen in der Natur vor und wachsen teilweise nach. Beispiele sind Öl, Kohle, Stahl, Gold, Getreide oder Fleisch. Darüber hinaus gibt es neuerdings auch Rohstoffe, die künstlich hergestellt werden. Ein Beispiel ist Plastik.

Marktdaten verfolgen

Reales Angebot und Nachfrage sind die Basis der Rohstoffpreise. Infos zu Lagerbeständen und Bedarf von Industriemetallen kann man direkt beim Londoner Metal Exchange (www.lme.com) verfolgen. Hilfreich für Agrarrohstoffe ist der Wasde-Bericht (World Agricultural Supply and Demand Estimates; www.usda.gov).

Wetterbericht im Auge behalten

Sinkt die Temperatur in Florida – einem der wichtigsten Orangenanbauer der Welt – unter zwei Grad minus, steigt der Preis für Orangensaft. Frost, Dürre, Überschwemmungen – was die Ernte beeinträchtigt, lässt Agrarrohstoffe haussieren. Rohstoffbörsen wie die CME (www.cme.com) bieten detaillierte Wetterprognosen sowie eine Übersicht zu Rohstoffpreisen.

Psychologie zählt

Ölpreis und Metalle ziehen mit der Konjunktur. Bei Problemen in großen Förderländern steigen die Preise in der Regel auch bei flauer Wirtschaft. Bei Gold sind Angstkäufe der wichtigste Preistreiber.

Exoten meiden

Rohstoffmärkte gelten als enge Märkte. Das heißt: Bei Erzeugnissen mit geringem Umsatzvolumen drohen heftige Kursausschläge. Emittenten wälzen das über Kauf-Verkaufs-Spannen auf Anleger ab. Wer sicher anlegen möchte, sollte deshalb lieber auf führende Rohstoffe setzen: Kupfer statt Zink, Baumwolle statt Bauholz.

Kurve beachten

Sind langlaufende Kontrakte teurer als kurze, steigt die Terminkurve (Contango), Zertifikate verlieren an Wert. Sinkt die Terminkurve (Backwardation), gibt es einen Extragewinn.

Banken checken

Rohstoffzertifikate sind Schuldverschreibungen. Geht die ausgebende Bank pleite, ist das Geld futsch. Vor dem Kauf Emittenten checken, etwa deren Kreditausfallprämien. In Deutschland geht das etwa über den Derivateverband (www.derivateverband.de).

Einsatz begrenzen

Einzelne Rohstoffe können sehr volatil sein. Rohstoffe sollten nicht mehr als zehn Prozent eines Depots ausmachen. Neben einzelnen Futures lässt sich auch in passive Portfolios investieren, etwa den S&P GSCI (die Abkürzung steht für Standard & Poors Goldman Sachs Commodity Index) oder den RICI (Rogers International Commodity Index).

Die weltweite Nachfrage nach Schokosüßwaren wird im Durchschnitt bis 2018 um jährlich 2,1 Prozent wachsen, zeigen Prognosen von Euromonitor International.

Wie die weltweite Nachfrage befriedigt werden kann, wird eines der Themen bei der World Cocoa Conference sein. Sie beginnt am 9. Juni im Amsterdam.

Trotz des seit zwei Jahren anhaltenden Unterangebots sind die Kakaopreise nicht genug gestiegen, um Bauern - von der Elfenbeinküste bis hin nach Ghana - davon zu überzeugen, beim Anbau von Kakao zu bleiben. Die beiden Länder allein stehen hinter 55 Prozent des weltweiten Angebots.

Kakaobauern wird immer klarer, wie schlecht sie in der Kakaowertschöpfungskette wegkommen”, sagte Edward George, Leiter der Analyse landwirtschaftlicher Rohstoffe bei der Ecobank Group in Lome (Togo). „Es muss etwas sehr Dramatisches passieren, bevor ein Bauer, der sein ganzes Leben lang Kakao angebaut hat, seine Plantage plattmacht und zu Kautschuk wechselt. Aber dieser Trend ist zu beobachten.”

Teil des Problems ist das unrealisierte Potenzial, sagt Damien Thouvenel, Kakaohändler bei Sucres et Denrées (Sucden) in Paris. Seinen Angaben zufolge ernten Bauern der Elfenbeinküste im Durchschnitt 400 Kilogramm Kakaobohnen je Hektar, wohingegen eine gut geführte Farm mit Dünge- und Pflanzenschutzmitteln bis zu 1,5 Tonnen pro Hektar bringen könnte.

Kommentare (1)

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04.06.2014, 12:45 Uhr

" Kakao hat im selben Zeitraum in London lediglich etwa 15 Prozent eingebüßt."
15% eingebüßt, dann herscht doch kein Mangel.

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