Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.04.2017

11:06 Uhr

Kampf gegen Geldfälscher

„Die 0 sieht aus wie ein Osterei“

Der neue, noch sicherere 50-Euroschein kommt heute in Umlauf. Vor allem auf diese Banknote haben es Geldfälscher abgesehen: Sechs von zehn Blüten sind Fünfziger. Wie das Nationale Analysezentrum der Bundesbank die Fälschungen erkennt.

Bargeld in der EU

So fälschungssicher ist der neue 50-Euro-Schein

Bargeld in der EU: So fälschungssicher ist der neue 50-Euro-Schein

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

MainzJedes Jahr bearbeitet die Deutsche Bundesbank rund 15 Milliarden Euro-Banknoten - und jedes Jahr findet sie dabei falsche Scheine. Alle Blüten landen unter den Mikroskopen, Infrarot-Geräten und UV-Leuchttischen von Rainer Elm und seinen Kollegen im Nationalen Analysezentrum in Mainz. „Kein einziges der Sicherheitsmerkmale kann so gefälscht werden, dass es ein Experte nicht mehr sieht“, sagt Elm, der das Analysezentrum leitet. „Das haben wir noch nie gehabt.“

Trotzdem, und damit auch Laien echte Scheine leichter identifizieren können, werden derzeit neue Euro-Geldscheine mit noch ausgefeilteren Sicherheitsmerkmalen ausgegeben. Am heutigen Dienstagnachmittag wird der überarbeitete Fünfziger unters Volk gebracht, zuvor kamen bereits Fünfer (Mai 2013), Zehner (September 2014) und Zwanziger (November 2015) der „Europa-Serie“ in den Geldkreislauf. „Wir müssen den Fälschern mehrere Schritte voraus sein. Eine neue Serie muss immer schon in Umlauf kommen, wenn der Vorsprung der alten Note noch nicht aufgebraucht ist“, sagt Elm.

Der 50-Euro-Schein ist von besonderer Bedeutung für Geldfälscher: Sechs von zehn Blüten sind Fünfziger. „Bei den neuen Zwanzigern hat sich die Zahl der falschen Scheine im ersten Jahr nach der Einführung halbiert“, weiß Elm. „Wir hoffen, dass es bei den Fünfzigern nun auch eine Verbesserung gibt.“ Der neue Schein hat ein Fenster, in dem ein Porträt der griechischen Mythengestalt Europas sichtbar wird. Das Relief ist nun an den kurzen Seiten zu spüren. Und eine „50“ auf der Vorderseite ändert beim Kippen die Farbe von Smaragdgrün zu Tiefblau.

Noch aber beschäftigt sich Elm vor allem mit alten Fünfzigern. Er hält einen Schein in den Händen, der als echt durchgehen könnte: Die Farbe stimmt, das Papier fühlt sich dick genug an. „Vom Augenschein her sieht man kaum Unterschiede, man muss sich auf die Details konzentrieren.“ Elm checkt das Hologramm: „Da ist eine Heißprägefolie aufgebracht, wie ein Sticker, mit einem Bügeleisen.“ Auch sei das Wasserzeichen nur aufgedruckt, liegt also nicht im Papier wie bei den echten Scheinen.

Euro-Bargeld: Das Ende der falschen Fünfziger?

Euro-Bargeld

Das Ende der falschen Fünfziger?

Die EZB präsentiert in Frankfurt den neuen 50-Euro-Schein. Die Banknote soll Frühjahr 2017 in Umlauf gehen. Neue Sicherheitsmerkmale sollen Fälschungen noch schwerer machen.

Elm fährt mit den Fingern über die Ränder. „Die Prägung ist nur ganz rudimentär“. Er zieht die Lupe heran, um das Druckverfahren zu beurteilen. „Der Schein ist in einem kommerziellen Offset-Druckverfahren hergestellt worden. Das geht nur in einer Druckerei, nicht mit einem Farbdrucker.“ Dann hält er den Schein gegen das Licht, so dass die beiden Hälften der „50“ im oberen Eck übereinander liegen - was den Fälscher nicht ganz gelungen ist. „Das sieht eher aus wie ein Osterei“, urteilt er.

Elm und die 14 Banknoten-Checker kennen diesen Fälschungs-Typus gut. „Das ist die zweitgängigste Fälschung in Deutschland, von der sicherlich schon über 100 000 Stück verbreitet wurden“, sagt er. Schon ein paarmal haben Fahnder eine Fälscher-Werkstatt ausgehoben - ohne Erfolg. „Das ist organisierte Kriminalität. Nach sechs Monaten haben die eine andere Werkstatt gefunden, die die gleiche Note wieder herstellt.“

Nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) kann Falschgeld nun auch auf Handelsplattformen in einem anonymisierten Teil des Internets gekauft werden - im sogenannten Darknet, in dem auch Drogen und Waffen verkauft werden. Der Anteil der über das Internet verbreiteten falschen Scheine liege bei mehr als 30 Prozent, erklärt das BKA. Die sogenannten „Napoli-Fälschungen“ würden häufig rund um Neapel in Italien hergestellt und per Post nach Deutschland geschickt.

Kampf dem „falschen Fuffziger“ – Neuer 50-Euro-Schein kommt

Der neue 50-Euro-Schein

Europas Verbraucher müssen sich bald an einen neuen 50-Euro-Schein gewöhnen. Die zweite Generation der Euro-Banknoten seit Einführung des gemeinsamen europäischen Bargelds 2002 bekommt erneut Zuwachs. An diesem Dienstag stellt die Europäische Zentralbank (EZB) den neuen Fünfziger in Frankfurt vor, in Umlauf gebracht werden soll er ab dem Frühjahr 2017.

Was ist anders an den neuen Scheinen?

Neue Sicherheitsmerkmale sollen Geldfälschern das Handwerk erschweren. Bisher wurden Fünfer, Zehner und Zwanziger überarbeitet. Der Wert dieser Scheine ist jeweils als glänzende „Smaragd-Zahl“ aufgedruckt, die ihre Farbe ändert, wenn man die Banknote etwas neigt. Das Wasserzeichen zeigt ein Porträt der griechischen Mythenfigur Europa, der Namensgeberin der neuen Banknotenserie: „Europa-Serie“. Beim Zwanzig-Euro-Schein warteten die Währungshüter zudem mit einem Novum auf: In das Hologramm der Banknote ist ein Porträtfenster integriert. Hält man den 20er gegen das Licht, wird es durchsichtig und man sieht von beiden Seiten ein Porträt der Europa.

Sind die Scheine nicht sogar lackiert?

Die neuen Fünfer und Zehner sind mit einer Speziallackierung überzogen. Ziel ist, die Scheine haltbarer zu machen – denn gerade kleine Scheine wechseln häufig den Besitzer. „Die bisher gesammelten Erfahrungen lassen den Schluss zu, dass sich die Lebensdauer der Euro-Banknoten durch die Beschichtung tatsächlich erhöht hat“, bilanziert die Bundesbank. Die Produktion einer Banknote kostet im Schnitt acht bis neun Cent.

Warum bekommen Verbraucher den neuen 50er nicht jetzt schon?

Zunächst erhalten Banken und Einzelhändler die Gelegenheit, Geräte und Personal auf den Umgang mit den runderneuerten Geldscheinen vorzubereiten. Auch Automaten müssen entsprechend eingestellt werden. Mit dem neuen Fünfer hatte es im Mai 2013 anfangs Probleme gegeben: An vielen Automaten in Europa konnten Verbraucher ihren Fahrschein oder das Parkticket damit nicht bezahlen, weil die Software der Automaten nicht rechtzeitig umgestellt worden war.

Welche Scheine der neuen Euro-Banknotenserie gibt es schon?

Seit dem 2. Mai 2013 ist der runderneuerte Fünfer im Umlauf, am 23. September 2014 folgte der Zehner, am 25. November 2015 der Zwanziger. Die alten Scheine bleiben gültig und werden nach und nach von den Notenbanken ausgetauscht. Das geht vergleichsweise schnell: Beim 20er zum Beispiel war bereits Mitte Januar 2016 – also knapp zwei Monate nach Einführung – gut jeder zweite Schein (56 Prozent) einer aus der neuen Serie. Im März 2016 stammten nach Bundesbank-Angaben bereits 85 Prozent der von Geschäftsbanken bei der Notenbank eingezahlten 20-Euro-Banknoten aus der neuen „Europa-Serie“.

Warum betreiben die Währungshüter so einen Aufwand?

Für Kriminelle ist Geldfälschen ein lukratives Geschäft. Im vergangenen Jahr wurden so viele Euro-Blüten aus dem Verkehr gezogen wie nie seit Einführung des Euro-Bargeldes 2002: 899.000 gefälschte Scheine zählte die Europäische Zentralbank (EZB). Rund elf Prozent davon (95.357 Stück) entdeckten Banken, Handel und Polizei in Deutschland – auch dies war der höchste Stand seit Einführung der gemeinsamen Währung. Fälscher setzen dabei vor allem auf Banknoten mit höherem Wert: Weltweit war 2015 jede zweite Euro-Blüte ein Zwanziger (51 Prozent), in Deutschland gehörten 40 Prozent in diese Kategorie. Am stärksten setzten Geldfälscher in Deutschland auf den „falschen Fuffziger“: Fast jeder zweite nachgemachte Schein war eine Fünfzig-Euro-Banknote (49 Prozent): 46.567 Stück.

Wie wahrscheinlich ist es, mit Falschgeld in Berührung zu kommen?

Trotz der gestiegenen Zahlen ist es relativ unwahrscheinlich, dass einem Falschgeld untergejubelt wird. Die EZB betont: „Gemessen an der steigenden Zahl echter Banknoten im Umlauf – mehr als 18 Milliarden in der zweiten Jahreshälfte 2015 – ist der Anteil der Fälschungen nach wie vor sehr gering.“ Rein rechnerisch entfielen im vergangenen Jahr in Europa 27 falsche Banknoten auf 10.000 Einwohner, in Deutschland waren es sogar nur 12 Banknoten je 10.000 Einwohner.

Warum wurde denn beschlossen, den 500er abzuschaffen?

Anfang Mai beschloss der EZB-Rat, dass die neue „Europa-Serie“ nur noch sechs Stückelungen umfassen wird. Nach dem 50er werden noch der 100- und der 200-Euro-Schein überarbeitet. Die Ausgabe des 500-Euro-Scheins soll „gegen Ende 2018“ eingestellt werden. Befürworter versprechen sich davon, dass Terrorfinanzierung und Schwarzarbeit zurückgedrängt werden. Ob das klappt, ist umstritten.

Die im Umlauf befindlichen 500er bleiben gesetzliches Zahlungsmittel und sollen unbegrenzt umtauschbar sein. EZB-Präsident Mario Draghi versichert, das Aus für den 500er habe „nichts, aber auch wirklich gar nichts zu tun mit der Abschaffung oder der möglichen Abschaffung von Bargeld“. Die EZB hat die Hoheit über die Banknoten im Währungsraum mit mittlerweile 19 Mitgliedsstaaten. In ihrem obersten Führungsgremium, dem EZB-Rat, reicht für Änderungen eine einfache Mehrheit. Vertreten sind dort die sechs Mitglieder des EZB-Direktoriums sowie die Notenbankchefs der 19 Euroländer.
(Quelle: dpa)

Weil die Beschaffung von Falschgeld einfacher geworden ist, steigen die Zahlen: 2015 wurden laut BKA fast 112 000 Euro-Falschnoten entdeckt, das waren 42 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das Geschäft blüht, aber die Polizei schläft nicht: Vor einem Jahr klickten bei zwei mutmaßlichen Fälschern aus Landshut die Handschellen. Sie hätten - trotz der schlechten Qualität ihrer Fälschungen - in „Saus und Braus“ gelebt, erklärte das Bayerische Landeskriminalamt damals.

Im Analysezentrum in Mainz füllen die aussortierten Scheine ganze Aktenordner in großen grauen Schränken. Leiter Elm blättert die Ordner der gerade eingegangenen Falschgeldmeldungen durch, die von der Polizei und von Banken kommen, und wird plötzlich stutzig. Er hat einen Fünfer gefunden, dem der Folienstreifen fehlt. Unter UV-Licht leuchtet der Schein hell auf, was auf eine Fälschung hindeutet. Doch Elm meint: „Der ist echt.“ Er sei nur in einer Waschmaschine mitgewaschen worden.

Von

dpa

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

G. Nampf

04.04.2017, 11:23 Uhr

"Weil die Beschaffung von Falschgeld einfacher geworden ist,..."


Am einfachsten erzeugt man Falschgeld in den Bank-Computern der EZB - ganz legal.

Herr Tomas Maidan

04.04.2017, 12:05 Uhr

Genau, Herr Nampf, sehr pfiffiger Kommentar! Und, Sie werden lachen: wenn's ganz schlau läuft, und sie eventuell Renter, Arbeitsloser oder (bitte nicht beleidigt sein) Beamter sind, dann bekommen SIE am Ende dieses Falschgeld ausgezahlt! Und damit kaufen Sie sich am Ende möglicherweise sogar noch etwas im Supermarkt, womöglich griechische Oliven oder portugisieschen Wein! Ein dicker Hund, dieser Fälscher-Wahnsinn!

G. Nampf

04.04.2017, 12:17 Uhr

@ Tomas Maidan04.04.2017, 12:05 Uhr

Ich gehöre zu keiner der von Ihnen genannten Gruppen, sondern arbeite.

Und Sie haben nicht begriffen, daß das Geld, das diese Gruppen bekommen, letztendlich Steuergeld/Rentenbeiträge sein wird und nicht eine Geldschöpfung per Mausklick.

Falls Sie allerdings wirklich glauben, daß man mit Geldgenierierung der Notenbanken all diese Dinge bezahlt, sollten Sie nicht in einer WIRTSCHAFTS-Zeitung kommentieren.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×