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08.01.2014

13:51 Uhr

Kapitalflucht

Investoren wenden sich von der Türkei ab

VonJörg Hackhausen

Ein Korruptionsskandal um Ministerpräsident Erdogan erschüttert die Türkei. Anleger reagieren besorgt und ziehen Kapital in großem Stil ab. Die türkische Lira gibt kräftig nach. Dabei droht Gefahr noch von anderer Seite.

Ein Mann mit Gasmaske demonstriert gegen die Regierung von Recep Tayyip Erdogan. In den vergangenen Tagen kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Regierungsgegnern und Polizei. dpa

Ein Mann mit Gasmaske demonstriert gegen die Regierung von Recep Tayyip Erdogan. In den vergangenen Tagen kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Regierungsgegnern und Polizei.

DüsseldorfDer Türkei droht das Ende eines jahrelangen Wirtschaftsbooms. Der Machtkampf in der Politik verschreckt internationale Investoren. Die Ratingagenturen sind alarmiert. Zudem trüben sich die konjunkturellen Perspektiven ein. Die türkische Lira verliert kräftig – in dieser Woche rutschte die Landeswährung gegen den US-Dollar auf den tiefsten aller Zeiten. Der US-Dollar stieg auf einen Rekordstand von 2,19 Lira.

Die Ratingagentur Fitch bleibt zwar vorerst bei der Bewertung der Kreditwürdigkeit mit „BBB-“, eine Stufe über Ramschniveau. Eine länger anhaltende Unsicherheit könne aber größeren Schaden anrichten. „Wenn der Korruptionsskandal andauert, könnte das die Regierung schwächen und ihre Fähigkeit untergraben, rechtzeitig politische Maßnahmen zu ergreifen, um die wirtschaftliche Stabilität aufrechtzuerhalten.“

Seit fast einem Monat wird die Türkei von einem massiven Korruptionsskandal um die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan erschüttert. Der Politiker sieht sich schwerwiegenden Vorwürfen von Widersachern aus dem eigenen, religiös-konservativen Lager, aber auch aus der Justiz gegenüber.

Euro gegen den Rest der Welt - Währungsbilanz 2013

Chinesischer Yuan

Euro/Yuan +0,8 Prozent

Britisches Pfund

Euro/Pfund +2 Prozent

Schweizer Franken

Euro/Franken +2,5 Prozent

US-Dollar

Euro/US-Dollar +3,7 Prozent

Russischer Rubel

Euro/Rubel +13,2 Prozent

Kanadischer Dollar

Euro/Kan. Dollar +13,3 Prozent

Norwegische Krone

Euro/Nor. Krone +14,7 Prozent

Australischer Dollar

Euro/Aus-Dollar +22,2 Prozent

Japanischer Yen

Euro/Yen +24,1 Prozent

Türkische Lira

Euro/Türk. Lira +26,6 Prozent

Südafrikanischer Rand

Euro/Rand +28,8 Prozent

Mitte Dezember waren überraschend Dutzende Geschäftsleute mit engen Beziehungen zur Regierung wegen Korruptionsverdachts festgenommen worden. Die Ermittlungen richten sich auch gegen die Söhne dreier Minister. Erdogan sah sich gezwungen, die Hälfte seiner Minister auszutauschen. Unter anderem geht es bei den Vorwürfen darum, ob die staatliche Halkbank gegen Zahlung von Schmiergeld dabei geholfen hat, mit Hilfe von Goldtransfers die internationalen Sanktionen gegen den Iran zu unterlaufen.


Das Misstrauen der Investoren wächst, erst Recht seitdem Erdogan zum Gegenschlag ausgeholt hat. In der Nacht zu Dienstag zog die türkische Regierung erneut rund 350 Polizisten in Ankara von ihren Posten ab und versetzte einige in die Verkehrsüberwachung. Darunter waren Ermittler, die organisierte Kriminalität, Finanzvergehen und Schmuggel aufklären sollen, sowie Angehörige der Anti-Terror-Einheiten.

Am Mittwoch teilte die Polizei mit, dass der stellvertretende Chef der Landespolizei sowie die Polizeipräsidenten in 15 Provinzen von ihren Aufgaben entbunden worden seien. Seit Bekanntwerden der Korruptionsermittlungen Ende vergangenen Jahres wurden bereits Hunderte Beamte entlassen oder versetzt. Der mit einer Kabinettsumbildung ins Amt gekommene Innenminister Efkan Ala arbeitet nach Medienberichten eine Art schwarze Liste ab.

Kommentare (20)

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IronimusBosch

08.01.2014, 14:13 Uhr

Jetzt müssen wir aber den tüchtigen Türken unbedingt helfen ..... und sie sofort in die EU aufnehmen!
Eine so tüchtige Nation tut dem Euro sicher sehr gut.

DEUFRA2011

08.01.2014, 14:31 Uhr

@ I. Bosch / Also mit Korruption bei hochrangigen Politikern, großen Banken und internationalen Konzernen können wir in Deutschland doch auch ganz gut mithalten, oder?. Man mag zu der Mitgliedschaft der Türkei in der EU kritisch stehen, aber zu Hochnäsigkeit haben wir keine Veranlassung. Wir sollten uns in Deutschland ebenfalls einige mutige Staatsanwälte wünschen. Da gibt es bestimmt viel zu tun.

Ossi

08.01.2014, 14:31 Uhr

Ja klar. Erdogan passt soeben das Rechtssystem an die EU an und der türkische Minister für EU-Angelegenheiten ist offensichtlich schon einen Schritt weiter.

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