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12.12.2014

10:39 Uhr

Kapitalflucht

Rubel fällt auf Rekordtief

Der Rubelverfall findet kein Ende. Der niedrige Ölpreis belastet Russland und auch Anleger verkaufen massiv russische Aktien. Russlands Zentralbank kämpft gegen den Rubelsturz – bisher mit wenig Erfolg.

Russische Rubel und ukrainische Grivnja. Der Rubel erfährt seit den Sanktionen gegen Russland und dem sinkenden Ölpreis eine massive Abwertung. dpa

Russische Rubel und ukrainische Grivnja. Der Rubel erfährt seit den Sanktionen gegen Russland und dem sinkenden Ölpreis eine massive Abwertung.

FrankfurtDer russische Rubel rutscht immer weiter ab. Der Dollar legte am Freitag zur russischen Währung um 0,7 Prozent zu und stieg auf ein Rekordhoch von 56,83 Rubel. Der Euro markierte mit 70,40 Rubel ebenfalls einen neuen Bestwert. Auch am Moskauer Aktienmarkt hielt die Kapitalflucht der Investoren an. Der Leitindex RTS fiel um rund drei Prozent auf 800,38 Punkte.

Der Rubel steht seit Monaten unter Druck und hat seit Jahresbeginn zum Dollar etwa 70 Prozent und zum Euro mehr als 50 Prozent seines Wertes eingebüßt. Die Wirtschaft leidet unter den westlichen Sanktionen gegen Russland in Folge der Ukraine-Krise. Außerdem brechen dem Land durch die anhaltende Talfahrt der Ölpreise die Export-Einnahmen weg. US-Öl der Sorte Brent kostete am Freitag mit 63 Dollar je Fass in der Spitze 1,1 Prozent weniger. Der Preis für das US-Öl WTI fiel um 1,9 Prozent auf 58,80 Dollar je Barrel. Öl ist damit so billig wie seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr. Neben der Überproduktion - vor allem in Nordamerika - machen Experten die schwache Konjunktur in Europa und China für den Preisrutsch verantwortlich.

Die Kursentwicklung des Euro seit Einführung

1. Januar 1999

1. Januar 1999: Der Euro wird von den elf Gründerländern der Europäischen Währungsunion (EWU) aus der Taufe gehoben. Der Umrechnungskurs zur D-Mark beträgt 1,95583 DM je Euro.
Am 4. Januar startet der Handel in Sydney - der ersten großen Börse, die nach dem Datumswechsel öffnet - mit 1,1747 Dollar.

Dezember 1999

Der Euro fällt erstmals auf 1,00 Dollar.

Frühherbst 2000

Bei Kursen unter 0,85 Dollar wächst die Befürchtung, der schwache Euro könnte die Weltwirtschaft destabilisieren. Mit Unterstützung der Zentralbanken Japans und der USA greift die EZB der jungen Währung unter die Arme. Doch die Interventionen verpuffen rasch: Am26. Oktober ist ein Euro noch 0,8225 Dollar wert. Eine weitere Interventionsrunde im November hievt ihn wieder auf 0,86 Dollar.

Januar 2002

Die reibungslose Einführung des Euro-Bargelds honorieren die Finanzmärkte mit Euro-Käufen. Im Juli erreicht der Euro wieder die Ein-Dollar-Marke.

März 2003

Der Beginn des Irakkrieges geht zu Lasten des Dollar. Der Euro erreicht wieder sein Einführungsniveau.

September 2003

Finanzminister und Notenbanker der sieben führenden Industrieländer (G7) fordern flexiblere Wechselkurse, was an den Märkten als Signal für den Wunsch nach einem schwächeren Dollar interpretiert wird. Am 28. November 2003 steigt der Euro erstmals über 1,20 Dollar.

September 2007

Nach einer deutlichen US-Zinssenkung im Zuge der Subprime-Krise steigt der Euro über 1,40 Dollar.

Juli 2008

Der Euro erreicht mit 1,6038 Dollar ein Rekordhoch. Nur wenige Tage zuvor - am 11. Juli - hatte übrigens auch der Ölpreis mit 147,50 Dollar je Fass sein Allzeithoch erreicht.

Oktober 2008

Im Sog der Lehman-Pleite ziehen US-Investoren ihre Euro-Gelder ab und drücken ihn bis zum 28. Oktober auf 1,2328 Dollar ,den niedrigsten Stand seit April 2006.

Oktober 2009

Mit den Aktienmärkten steigt zwar auch der Euro - erstmals seit einem Jahr klettert er am 21. Oktober über 1,50 Dollar. Doch das Comeback ist von kurzer Dauer: Griechenland schockiert die Märkte mit der Ankündigung eines etwa doppelt so hohen Haushaltsdefizits wie bislang gedacht.

Dezember 2009, Januar 2010

Mit ersten Herabstufungen Griechenlands durch die Ratingagenturen Fitch, Standard & Poor's sowie Moody's beginnt der Euro seine Talfahrt.

Frühjahr und Sommer 2011

EZB-Chef Jean-Claude Trichet signalisiert am 3. März überraschend für April eine Zinserhöhung. Im Juli folgt sogar eine zweite Zinsanhebung. Am 4. Mai notiert der Euro zeitweise über 1,49 Dollar. Spekulationen über einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone bremsen die Gemeinschaftswährung aber für den Rest des Sommers aus. Sie pendelt meist in einer Spanne von etwa 1,40 bis 1,45 Dollar.

Ende Februar 2012

Eine zweite EZB-Geldspritze lässt den Euro wieder steigen. Er schafft es fast bis auf 1,35 Dollar. Banken können sich bei der EZB für drei Jahre zum historisch niedrigen Leitzins von einem Prozent Geld leihen. Zusammen mit der ersten derartigen Aktion vom Dezember greifen die europäischen Banken rund eine Billion Euro ab.

Juni 2012

Die Angst der Investoren vor einer Eskalation der Staatsschuldenkrise ist größer denn je und belastet den Euro. Vor allem Spanien ist wegen seines taumelnden Bankensektors angezählt. Im Juni fällt der Euro bis auf 1,21 Dollar.

Juli 2012

Vor Investoren in London kündigt EZB-Chef Draghi am 26. Juli an, die EZB werde „alles nötige tun, um den Euro zu erhalten.“ Der vorläufige Wendepunkt in der Euro-Krise. Sofort steigt der Euro deutlich. Innerhalb eines Tages von 1,2118 auf 1,2287 US-Dollar. Wenige Wochen später machte Draghi klar, was das bedeutet: Im Notfall kauft die EZB unbegrenzt Anleihen der Krisenländer. Der Euro startet einen neuen Höhenflug.

Februar bis März 2013

Die Erleichterungs-Rally geht weiter: Anfang Februar steigt der Euro bis auf 1,37 Dollar. Das Hoch hält allerdings nicht lange vor. Wegen Unsicherheiten in Italien und Zypern fällt die Gemeinschaftswährung und notiert aktuell bei knapp unter 1,30 Dollar.

September 2014

Die EZB überrascht die Märkte mit einem neuen Zinssenkungszyklus. Der Euro nimmt seine Talfahrt wieder auf. Signale von EZB-Chef Mario Draghi für weitere Geldspritzen drücken den Euro bis zum Jahresende auf rund 1,21 Dollar.

06. Januar 2015

Der Euro fällt auf 1,1853 Dollar und erreicht damit das Tief von Februar 2006. Zugleich nimmt die Talfahrt der Ölpreise weiter Fahrt auf. Nordseeöl der Sorte Brent verbilligt sich um bis zu 1,7 Prozent auf 50,22 Dollar je Barrel (159 Liter).

Erst am Donnerstag entschied die russische Zentralbank eine weitere Leitzinserhöhung um 100 Basispunkte, um die Flucht der Investoren zu stoppen. Das sei zu wenig und zu spät, kommentierten die Commerzbank-Analysten. „Zumal dieser Schritt nicht von anderen regulatorischen oder quantitativen Maßnahmen begleitet wurde, welche die Währung hätten unterstützen können.“ Zwar ist teureres Zentralbank-Geld Gift für die schwächelnde russische Wirtschaft, doch höhere Renditen locken normalerweise Investoren an und führen zu einer Stärkung der heimischen Währung. Zudem sind Rubel-Guthaben durch höhere Zinsen besser gegen Inflation geschützt.

Von

rtr

Kommentare (4)

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Herr Vittorio Queri

12.12.2014, 10:57 Uhr

>> Rubel fällt auf Rekordtief >>

Eine Marktbereinigung findet statt. Die Zentralbnank hat die letzten Jahre über Wert gesteuert, vielerorts ( insbesondere Immobilien ) sind Blasen entstanden.
Die Immobilien in Moskau waren um Faktor 3 überteuert. Diese Blase platzt jetzt.

Die Zentralbank hat den Zinssatz nochmals auf 10,5 % angehoben......die Industrie kann sich kein Geld mehr besorgen ( Zinssätze um 20 % sind an der Regel ). Das ist absolut kontraproduktiv zum Vorhaben der Regierung, in die heimische Industrie zu investieren und diese aufzubauen.

Es muss wohl auch eine Bereinigung der Russischen Regierung anlaufen.....denn in dieser werkeln zu viele Dilettanten und Quotenfrauen mit.

Herr Paul Mueller

12.12.2014, 13:00 Uhr

Ganz ruhig. Nicht bis zum Ende gelesen?
"...Zudem sind Rubel-Guthaben durch höhere Zinsen besser gegen Inflation geschützt..."
Der Rubel ist eben nicht nur wertloses Papier wie der Dollar. Russland ist nicht annähernd so verschuldet wie USA.
Solche Turbulenzen wie jetzt berichtet wird es immer geben. Ich sehe so etwas immer als Chance, und viele andere auch, die das nach aussen hin aber erst kommunizieren, wenn sie "drin" sind ...

Herr Vittorio Queri

12.12.2014, 14:16 Uhr

@Herr Paul Mueller

>> "...Zudem sind Rubel-Guthaben durch höhere Zinsen besser gegen Inflation geschützt..." >>

Sie sind wohl ein engster Befürworter der Sinnlosen Sprüche von Pseudo-Analytikern..?

Bei einer Abwertung der Währung in dem Maße, wie es in Russland zur Zeit läuft, bringt die Inflationsbekämpfung um ein Paar Prozentpunkte GAR NICHTS ! Dagegenn spricht die simple Arithmetik.

Der Schaden, den die Zentralbank mit Anhebung der Zinssätze verursacht und damit der Industrie das Geld entzieht und die Banken zu Währungsspekulanten degradiert, ist um ein vielfaches höher.

Wohl wenig Ahnung von einfachen Zusammenhängen, Paulchen..:-)

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