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01.02.2011

15:12 Uhr

Kein Engpass

Übertriebene Panikmache um „Seltene Erden“

Metalle wie Lanthan oder Neodym werden in vielen modernen Produkten verwendet. Auf einem Großteil der Vorkommen dieser "Seltene Erden" genannten Stoffe sitzt China. Die Ankündigung des Landes, die Ausfuhr zu drosseln, hat für Aufruhr gesorgt. Eine Versorgungsnot sehen Experten allerdings gar nicht.

Aus gebrauchten Handys lassen sich begehrte Metalle recyceln. Pressebild

Aus gebrauchten Handys lassen sich begehrte Metalle recyceln.

HB FRANKFURT. China hat in den vergangenen Jahren eine weltweite Angebotsmacht bei Schlüsselrohstoffen erlangt: Es beherrscht den Markt für Seltene Erden. Abhängig sind auch Europa und Deutschland. Ohne die begehrten Metalle sind moderne High-Tech-Produkte wie Handys, Computer-Chips, Röntgengeräte, Katalysatoren, Akkus, Energiesparlampen oder auch Innovationen wie Elektroautos kaum machbar. Lanthan etwa wird für Batterien und Solarzellen benötigt, Neodym-Magnete werden in Elektromotoren, Windkraftanlagen oder auch Kopfhörer eingebaut.

Als China im Vorjahr weitere Exportdrosselungen ankündigte, rückte die einseitige Abhängigkeit der anderen Länder mit einem Schlag ins Blickfeld. Die deutsche Industrie schlug Alarm. Auch die Bundesregierung reagierte mit Besorgnis und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) redete Tacheles mit den Chinesen. Brüderle ließ im Zuge einer neuen "Rohstoffstrategie" zur Sicherung von Ressourcen im vergangenen Jahr die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) gründen, die auch die Seltenen Erden in den Blick nimmt.

Panikmache scheint aber unangebracht. Nach aktuellen Informationen aus der Agentur muss eine übertriebene Dramatik wieder gedämpft werden. Derzeit gebe es keine akute Versorgungsnot, sagt DERA-Experte Harald Elsner der Nachrichtenagentur dpa.

Wie heftig für Deutschland die politisch von Peking gewollte Verknappung noch ausfallen kann, ist aber unklar. Der Bonner Händler Gunther Maassen sieht die Lage relativ gelassen. Seit Jahresanfang seien zwar etwa 15 Prozent weniger Metalle aus China verfügbar, erklärt Maassen. "Wir können aber nach wie vor kaufen und alle Verträge, die wir mit den Chinesen gemacht haben, sind bisher erfüllt worden."

Kurzfristig könne es "temporäre Engpässe" bei einigen Metallen geben, erläutert Maassen. Das sei aber ähnlich wie beim "Schweinezyklus": Bei Angebotslücken werde die Erzeugung wieder erhöht. Dies geschehe jetzt auch bei den seltenen Metallen. Wenn Minen vor allem in den USA (Molycorp in Kalifornien) und Australien (Lynas), wie geplant Ende 2011 oder Anfang 2012 anliefen, werde sich die Versorgungs- und Preislage etwa ab 2014/2015 auch wieder entspannen.

China liefert weltweit zur Zeit rund 97 Prozent der Seltenen Erden. Es verfügt zwar auch als einzelnes Land über die größten Reserven, doch nur über schätzungsweise 30 Prozent der weltweit entdeckten Vorkommen. Die 17 Seltenen Erden und mehrere Dutzend weiterer begehrter Metalle kommen in vielen Ländern vor und sind geologisch auch nicht so rar, wie es die Bezeichnung nahelegt. Sie wurden aber - wie in den USA - vor allem aus Kostengründen nicht oder nicht mehr abgebaut.

Kommentare (2)

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cole williams

01.02.2011, 19:05 Uhr

...war ja klar, die "bösen Chinesen" sind wieder Schuld. Westliche Welt, wach auf! bald wirst Du deine Drecksarbeit wieder selber machen müssen! Tip an Herrn Maassen nach diesem Artikel: Wachhund anschaffen!

cole williams

01.02.2011, 19:17 Uhr

...noch ein Tip an Herr Maassen: Er möge Molycorp und Lynas bitte jetzt verkaufen. ich kaufe sie nicht mehr, die Luft ist raus, der Tip zu offensichtlich ;-)

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