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23.01.2007

11:29 Uhr

Kein Versorungsengpass

Spekulation treibt Aluminium-Notierungen

Im Aluminiumsektor der Londoner Metallbörse (LME) herrscht zurzeit ein Ausnahmezustand. Daran änderte auch die Versicherung des Börsenvorstands in der vergangenen Woche nichts, dass bei dem Terminhandel mit dem Leichtmetall geordnete Verhältnisse herrschten.

cl LONDON. Denn ein einziger Spekulant soll eine Hausseposition in Höhe von 650 000 Tonnen Aluminium aufgebaut haben. Dies entspricht einem Wert von 1,7 Mrd. Dollar und macht fast die gesamten Vorräten in den Lagerhäusern der LME aus. Zugleich sind es 40 Prozent des spekulativen „open interest“ in dem Metall.

Am Markt wurde befürchtet, dass der Spekulant – man vermutet einen Hedge-Fonds – bei Fälligwerden des Kontrakts am 17. Januar auf der Auslieferung des physischen Aluminiums bestehen würde. Dies hatte den Preis nach oben getrieben. Die Backwardation, das Aufgeld für sofort verfügbare Ware auf den Dreimonatspreis, erreichte mit 120 Dollar je Tonne den höchsten Stand seit 17 Jahren. Im August 2003 hatte eine Backwardation von bereits 100 Dollar die LME nach den Spuren einer Preismanipulation suchen lassen – ergebnislos.

Am Donnerstag gab dann der LME-Vorstand eine zumindest teilweise Entwarnung. Der Spekulant hatte seine Position offensichtlich in einen neuen Terminkontrakt „weitergerollt“. Die Backwardation verringerte sich auf etwa 80 Dollar. Dennoch liegt der Kassapreis für Aluminium mit knapp 2 800 Dollar noch deutlich höher als im Herbst mit 2 400 Dollar.

Robin Bhar von der Bank UBS in London vermutet, dass „ein Großspekulant möglicherweise im Verein mit anderen den Aluminiumpreis noch bis auf weiteres hochhalten will“. Bhar spricht von einem „squeeze“, von einer künstlichen Verknappung. Das fundamentale Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage deute nämlich kaum auf einen Versorgungsengpass hin. In den USA sinke die Nachfrage und in China drohe 2007 ein Produktionsüberhang von einer Mill. Tonnen.

Jack Kemp von Sempra Metals schließt gar eine baldige Schlacht zwischen Optimisten und Pessimisten nicht aus. Mit Fälligkeitsdaten im März seien nicht nur eine weitere beträchtliche Hausseposition sondern auch eine Short-Position von angeblich über 900 000 Tonnen aufgebaut worden. Den Preis für die aktuelle Überteuerung des Metalls zahlten indes die Verarbeiter.

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