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14.03.2013

13:26 Uhr

„Keine Inflationsprobleme“

Schweizer Notenbank bekräftigt Nullzinspolitik

Der Leitzins in der Schweiz bleibt bei Null. Die Notenbank der Schweiz bekräftigt zudem ihren Euro-Mindestkurs. Sie werde diese Wechselkurspolitik mit aller Konsequenz weiter durchsetzen.

Chef der Swiss National Bank Thomas Jordan. Die Schweizer Notenbank bleibt bei ihrer Nullzinspolitik. Reuters

Chef der Swiss National Bank Thomas Jordan. Die Schweizer Notenbank bleibt bei ihrer Nullzinspolitik.

ZürichDie Schweizerische Nationalbank (SNB) hält angesichts einer möglichen Verschärfung der Eurokrise an ihrer Wechselkurspolitik gegenüber der Gemeinschaftswährung fest. Die Notenbank will den seit eineinhalb Jahren geltenden Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro weiterhin mit aller Konsequenz verteidigen und dazu wenn nötig Devisen in unbeschränkter Höhe kaufen. Zusätzliche Maßnahmen behalten sich die Währungshüter vor. „Die Abwärtsrisiken für die Schweizer Wirtschaft bleiben erheblich“, warnten die Notenbanker am Donnerstag in ihrer vierteljährlichen geldpolitischen Lagebeurteilung. „So besteht die Gefahr, dass die Spannungen in der Euro-Zone wieder zunehmen.“

Ihre Nullzinspolitik behält die SNB bei. Das Zielband für den Dreimonats-Libor bleibt unverändert bei null bis 0,25 Prozent. An ihrer Wachstumsprognose für die einheimische Wirtschaft vom Dezember hält die SNB fest. Sie rechnet weiterhin damit, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im laufenden Jahr um 1,0 bis 1,5 Prozent zulegt.

Steckt die Welt im Währungskrieg?

Warum hat der Euro an Wert gewonnen?

Der Höhepunkt der Euro-Krise im Jahr 2012 war ein Tiefpunkt für den Euro. Der Wechselkurs fiel bis auf 1,20 Dollar. Seitdem hat sich die europäische Währung wieder erholt. Aktuell notiert sie bei 1,35 Dollar.
Für Europas obersten Währungshüter, EZB-Chef Mario Draghi, ist klar: „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro.“ Dazu kam die sehr lockere Geldpolitik in Japan und den USA: Die dortigen Notenbanken öffneten ihre Geldschleusen extrem weit, machten damit ihre Währungen billig. Das funktioniert so: Investoren verkaufen Wertpapiere in Dollar oder Yen (zum Beispiel an die Zentralbank, die sie ihnen mit frisch gedrucktem Geld abnimmt) und kaufen stattdessen welche in Euro. Als Konsequenz ändern sich die Wechselkurse - die „Preise“ für Währungen, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln.

Welche Ziele verfolgen die Notenbanken in den USA und Japan?

Draghi ist überzeugt: Es geht nicht um einen „Währungskrieg“ oder einen Wettlauf um die billigste Währung. Vielmehr seien die aktuellen Wechselkursbewegungen ein Nebeneffekt der diversen Bemühungen, die Wirtschaft anzuschieben. Allerdings ist der Ansatz der Notenbanken teils völlig verschieden: Während Preisstabilität vorrangiges Ziel der EZB ist, hat die US-Notenbank Fed explizit einen doppelten Auftrag: Stabile Preise und möglichst hohen Beschäftigungsstand. „Man löscht dann dort eben das Feuer, das am heißesten brennt“, erklärt Commerzbank-Notenbankexperte Bernd Weidensteiner. In Japan übte die Regierung massiv Druck auf die Notenbank aus, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen - ein fatales Signal, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann meint: Die Unabhängigkeit der Zentralbank sei essenziell.

Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

EZB-Präsident Draghi erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge. In einen „Währungskrieg“ will sich die EZB aber bisher nicht hineinziehen lassen - auch weil geldpolitische Schritte zur gezielten Euro-Abwertung Reformen der Krisenstaaten bremsen könnten. „Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer“, sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem „Handelsblatt“. „Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen.“

Wer profitiert von einem starken Euro?

Für Verbraucher in Deutschland bringt ein starker Euro mehrere Vorteile: Urlaubsreisen in ferne Länder werden tendenziell günstiger, ebenso wie der Sprit an der Tankstelle. Tendenziell werden alle importieren Waren günstiger. Auch Unternehmen, die für ihre Produktion Rohstoffe wie Erdöl einführen müssen, können preiswerter einkaufen. Denn diese Rohstoffe werden in Dollar abgerechnet.

Wem schadet ein starker Euro?

Vor allem der deutschen Exportwirtschaft. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen aufgewertet. Waren aus dem Euroraum werden im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Deutsche Maschinenbauer spüren den stärkeren Euro bereits, weil ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder Asien teurer werden. Doch während sich deutsche Maschinen, Autos und Elektroprodukte auch über guten Ruf und Qualität verkaufen, dürfte der erstarkte Euro vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen machen. Allerdings bezweifelt EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder: „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

Ist der Euro gegenüber Dollar oder Yen schon überbewertet?

Laut Draghi bewegt sich der Euro in der Nähe seines langfristigen Durchschnittswerts. 2008 hatte der Euro mal beinahe 1,60 US-Dollar gekostet, 2003 weniger als 90 US-Cent. Glaubt man dem „Big-Mac-Index“ des Magazins „Economist“, dann ist der japanische Yen gegenüber Euro und US-Dollar noch unterbewertet. Der Index vergleicht den Preis für den gleichen Burger in verschiedenen Währungsräumen. Demnach kostete der Big Mac in den USA im Januar 4,37 Dollar, im Euroraum 4,88 Dollar, in Japan nur 3,51 Dollar. Bereinigt um die Wirtschaftskraft pro Kopf ist der Burger damit in Japan um 17,1 Prozent zu billig, in der Eurozone aber um 20,8 Prozent zu teuer. In Deutschland kostet der Big Mac übrigens demnach „nur“ 17,7 Prozent mehr als in den USA, in Griechenland aber 28,1 Prozent, in Italien sogar satte 34,6 Prozent mehr.

Gleichzeitig ortet die Notenbank erhebliche Konjunkturrisiken. Neben einer Verschärfung der Eurokrise wird die Unsicherheit über den künftigen fiskalpolitischen Kurs in vielen Industrieländern herausgestrichen. Das trübe das Konsum- und Investitionsklima und berge Wachstumsrisiken. "Somit bleiben die globale Konjunkturlage und die Stimmung an den Finanzmärkten verletzlich", erklärten die Währungshüter.

SNB-Kurs bleibt wohl bis 2014 unverändert

Probleme an der Preisfront hat die Schweiz nach Einschätzung der SNB nicht. Die Notenbank rechnet dieses Jahr mit einer Teuerungsrate von minus 0,2 Prozent. Bisher hatte die SNB ein Minus von 0,1 Prozent erwartet. 2014 dürften die Preise dann um 0,2 Prozent steigen und 2015 dürfte die Inflation bei 0,7 Prozent liegen.

Die Inflationsprognose wurde etwas zurückgenommen. Das bedeutet, dass die SNB zweifellos für geraume Zeit an ihrer Geldpolitik festhalten wird - bis weit ins Jahr 2014“, erklärte David Marmet, Ökonom bei der Zürcher Kantonalbank.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

14.03.2013, 12:28 Uhr

Nicht mehr ganz dicht, was passiert denn wenn der Euro zusammenbricht was unausweichlich kommen wird? Und was heisst hier keine Inflation? In Zürich müssen Traditionsgeschäfte dicht machen weil man sich die Mieten nicht mehr leisten kann, diese Geschäfte sind teils bis zu 80 Jahren dort. Ebenso die Mieten in der Schweiz sind im Gegensatz von noch vor 10-15 Jahren ein wahrer Horror. Ein HAus kaufen oder gar bauen, grenzt an einem Himmelfahrtskommando.

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