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29.01.2007

12:22 Uhr

Keine Leitzinssenkung

Fed beunruhigt die Märkte

VonTorsten Riecke

Während der Markt ungeduldig auf Aktionen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) wartet, bleiben Zinssenkungen voraussichtlich aus. Schlimmer noch: Für den Herbst werden Erhöhungen befürchtet. Gleichzeitig kehrt das Vertrauen in die US-Wirtschaft zurück.

NEW YORK. Niemand an der Wall Street erwartet, dass die US-Notenbank am Mittwoch die Leitzinsen verändern wird. Dass die Finanzmärkte dennoch mit wachsender Nervosität auf die Untätigkeit der Federal Reserve (Fed) blicken, liegt an enttäuschten Erwartungen und aufkeimenden Befürchtungen. Enttäuscht sind viele Händler deshalb, weil die Fed nicht wie erhofft ihre Zinszügel lockern will. Im Gegenteil. Großbanken wie JP Morgan rechnen inzwischen gar mit einer Zinserhöhung im nächsten Herbst. Und so mischt sich auch Sorge in den Verdruss der Börsianer. Der Aktienmarkt in New York verlor daher zuletzt spürbar an Boden.

An den Terminmärkten für Zinskontrakte sind die Chancen für eine Zinssenkung bis Mitte des Jahres inzwischen auf den Nullpunkt gesunken. Für den Rest von 2007 ist nur noch eine Lockerung im Dezember eingepreist. Vor kurzem waren die Händler noch von drei Zinssenkungen in diesem Jahr ausgegangen. Die Leitzinsen in den USA liegen seit Ende Juni bei 5,25 Prozent. Die US-Notenbanker haben zuletzt immer wieder betont, dass ihre Hauptsorge der Inflation und nicht dem Wachstum gilt.

Durch die jüngsten Konjunktursignale können sich Fed-Chef Ben Bernanke und seine Kollegen jetzt bestätigt fühlen. „Wir haben in den vergangenen sieben Wochen nur Zeichen der wirtschaftlichen Stärke gesehen“, sagt John Ryding. So stiegen die Aufträge für Investitionsgüter gerade um gut drei Prozent. Der Chefökonom der Investmentbank Bear Stearns erwartet, dass sich die Serie in dieser Woche fortsetzen wird. „Ich rechne damit, dass sowohl das Wirtschaftswachstum im vierten Quartal als auch die Beschäftigung im Dezember relativ stark ausgefallen sind“, sagt Ryding. Beide Zahlen werden in den nächsten Tagen bekannt gegeben.

Die Rückkehr der Zuversicht in die US-Wirtschaft bedeutet eine überraschende Kehrtwende. Noch vor wenigen Monaten hatten die meisten Volkswirte mit einem spürbaren Wachstumseinbruch 2007 gerechnet. Mit Blick auf den wackligen Immobiliensektor wurde selbst eine Rezession nicht ausgeschlossen. „Es hat sich noch nie ausgezahlt, eine Rezession zu prophezeien“, sagt David Resler, Chefökonom bei der japanischen Großbank Nomura in New York, „die Befürchtungen sind übertrieben.“ Er rechnet in den kommenden zwölf Monaten mit einem Wirtschaftswachstum von rund drei Prozent. Damit würde die US-Wirtschaft ziemlich genau ihr Potenzial ausschöpfen.

Grund für den Konjunkturoptimismus sind erste Anzeichen, dass sich die Lage auf dem Immobilienmarkt stabilisiert. „Die Anträge auf Hypothekendarlehen steigen wieder“, sagt John Lonski, Chefökonom bei der Ratingagentur Moody's. Und auch die Hausverkäufe haben im Dezember wieder angezogen. Er sei deshalb nicht mehr ganz so pessimistisch. Wie Resler rechnet aus Lonski damit, dass die Fed in den kommenden Monaten die Leitzinsen unverändert lassen wird.

Ryding schließt indes angesichts anhaltender Inflationsgefahren eine Zinserhöhung nicht aus. Bei der Fed sieht man das offenbar ähnlich. „Ich würde (die Inflationsrate) lieber etwas niedriger sehen“, sagte Fed-Gouverneurin Susan Bies. Die Preissteigerungsrate für den privaten Verbrauch (ohne Energie- und Lebensmittel) lag zuletzt bei 2,2 Prozent. Besonders genau beobachten die Notenbanker den Arbeitsmarkt. Obwohl sich das Wachstumstempo der Wirtschaft 2006 verlangsamt hat, ist die Arbeitslosenquote auf 4,5 Prozent gesunken. Folglich sind die Stundenlöhne deutlich angestiegen. Ein Preisschub, der auf die Produktmärkte überspringen könnte. Bies sagte jedoch voraus, dass sich der Preisauftrieb verlangsamen werde, wenn sich die Wirkungen der früheren Zinserhöhungen voll entfaltet hätten. Die Zeitverzögerung kann bis zu einem Jahr dauern.

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