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03.02.2011

16:33 Uhr

Keine schnellen Zinserhöhungen

Trichet schickt Euro auf Talfahrt

Die Spekulation auf steigende Zinsen in der Euro-Zone hat die Gemeinschaftswährung zuletzt massiv angetrieben. Selbst die Marke von 1,40 Dollar schien in Reichweite. Doch EZB-Präsident Trichet bremste die Erwartungen der Investoren jetzt: Zwar ziehe die Inflation an, es gebe aber keinen Grund für übereilte Zinsschritte. Den Euro wirft das deutlich zurück.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet: "Generelle Bewertung nicht geändert." Quelle: Tim Wegner/laif

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet: "Generelle Bewertung nicht geändert."

HB FRANKFURT. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat am Donnerstag all die Anleger enttäuscht, die auf eine rasche Straffung der Geldpolitik in der Euro-Zone gesetzt hatten. In der Folge ging der Euro auf Tauchstation und fiel im Vergleich zum späten Vortagesgeschäft um fast zwei US-Cent auf bis zu 1,3624 Dollar.

Am Rentenmarkt zogen die Kurse für Bundesanleihen an. Der Bund-Future stieg um bis zu 29 Ticks auf 123,16 Zähler. Die Rendite der dem Terminkontrakt zugrundeliegenden zehnjährigen Bundesanleihe fiel auf 3,213 Prozent. Die als besonders zinssensitiv geltende zweijährige Bundesanleihe rentierte mit 1,35 Prozent deutlich niedriger.

Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt wegen der anziehenden Teuerung zwar auf der Hut. Grund für übereilte Gegenmaßnahmen bestehe allerdings derzeit nicht, sagte Trichet nach der monatlichen Zinssitzung des EZB-Rats in Frankfurt. "Wir sehen weiter Beweise für kurzfristigen Inflationsdruck, hauptsächlich verursacht vom Anstieg von Energie- und Lebensmittelpreisen. Das hat unsere generelle Bewertung, dass die Entwicklung der Preise auf mittlere Sicht mit dem Ziel Preisstabilität vereinbar ist, aber nicht geändert", sagte Trichet. Die EZB hatte ihren Leitzins bei einem Prozent belassen.

Zuletzt hatten Spekulationen auf steigende Zinsen den Euro und die Renditen auf Bundesanleihen steigen lassen. "Die Erwartungen der Märkte sind etwas enttäuscht worden", kommentierte DekaBank-Volkswirt Sebastian Wanke Trichets Äußerungen. "Viele haben mehr Hinweise erwartet, dass die EZB ihre Zinsen irgendwann erhöhen wird."

Der Dollar profitierte allerdings nicht nur von Trichets Kommentaren, sondern auch von einer Reihe unerwartet guter US-Konjunkturdaten. Die Produktivität in der weltgrößten Volkswirtschaft war im vierten Quartal stärker als erwartet gestiegen, die Industrieproduktion im Dezember entgegen den Prognosen von Experten gestiegen und der Index der Einkaufsmanager (ISM) der Dienstleistungsbranche deutlich gestiegen. Mit Spannung wurde die Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichtes für Januar am Freitag erwartet.

Kommentare (5)

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Thomas

03.02.2011, 18:10 Uhr

Dieser korrupte Vogel sollte mal das machen wofür er bezahlt wird: Preisniveaustabilität bei unter 2% aufrechterhalten ! Unabhängig von den Regierungen sollte die EZb sein und was machen die ?! Halten das "Umfeld" für die inflation warm und feucht, damit sie schön gedeihen kann.
"Wir sehen weiter beweise für kurzfristigen inflationsdruck, hauptsächlich verursacht vom Anstieg von Energie- und Lebensmittelpreisen." Wenn das kein Grund für Zinserhöhungen ist was dann ? Da die inflationsrate nur mit einem Lag von mehreren Monaten auf eine Zinserhöhung reagiert, muß man zeitnah einschreiten und nicht erst wenn die Spitze des Eisbergs am Schiffsrumpf "kratzt". Durch die Fehlkonstruktion (oder sollten wir es Schnappsidee nennen ?!) "Euro" sollen jetzt die Deutschen wg. der schwachen PiiGS Länder weiter enteignet werden, diesmal still und leise über die "inflationssteuer". Wenn die inflationsspirale erstmal an's Laufen gekommen ist, bekommt man das Ruder nur schwer wieder herumgerissen.

Island

03.02.2011, 18:55 Uhr

Die Aufgabe der EZb ist die Preisstabilität und keine andere!

Die EZb unter den Franzosen Trichet erweist den Euro-Ländern wieder einen bärendienst, wenigstens in der Endphase des Euros sollte die inflation bekämpft werden. Wir werden soviel Kapital verlieren und Trichet macht munter weiter.

Wenn schon nicht der Leitzins erhöht wird, sollte Trichet die Staatsanleihen verkaufen und die Tender Geschäfte reduzieren.

Es gibt soviele Möglichkeiten und er nutzt keine!


Die Türkische Zentralbank handelt durchaus geschickter, diese bremst das Geldmengenwachstum und belässt den Zinssatz auf den alten Stand.

Die Türkische Zentralbank wird nur von der Türkischen Regierung torpediert, weil diese die Ausgaben exorbitant steigert. Diese Ausgaben werden durch Kredite finanziert (Geldschöpfung).

Es sind doch bald Wahlen in Türkei!!!!


Wann sind Wahlen bei uns????

no.7

03.02.2011, 20:31 Uhr

@Vorredner. Regen sich nicht auf, denn es wird so kommen, daß die inflation in Deutschland ganz besonders einschlägt und wir im Laufe des Jahres bis 10% inflation haben werden, nächstes Jahr möglicherweise noch darüber. Das was wir jetzt haben an inflation, ist nur der anfang. Aber wir können uns nicht beschweren, wir haben es so gewollt. Außerdem hat die USA den Weg inflation vorgegeben, wir können uns dem unmöglich entziehen, auch wenn trichet den zins hochziehen würde, auch dann würde es nichts bringen. es ist vollkommen klar daß wir für unsere Schuldenmacherei- unsere, nicht die der griechen etc.- bezahlen werden und wir werden dies über inflation tun. Eine möglichkeit, dies zu verhindern, gibt es nicht, außer wenn Merkel uns die verluste ersetzt, haha. - Es wird nun so sein, daß die inflation deutschland besonders stark treffen wird, im gegensatz zu den Schuldenländern, die von der inflation eher begünstigt werden. So wird denn auch die dämliche hochjubelei der angeblichen "Konjunkturlokomotive Deutschland" ein ende finden, denn es wird uns die inflation das wachstum gründlich verleiden. Also, Frau Kanzlerin, wo bitte bleibt unser inflations-Rettungsschirm ?? warum so bedeckt, frau Kanzlerin ? Warum lassen sie alles treiben ?

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