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01.12.2014

11:07 Uhr

Krisenwährung

Gold glänzt nicht mehr

In Zeiten niedriger Inflation trocknet der sichere Hafen Gold aus. Das müssen die Fans des Edelmetalls gerade wieder spüren. Seit geraumer Zeit bröckelt der Preis für eine Unze. Wann ist ein Ende der Talfahrt in Sicht?

Ein lokaler Goldhändler preist zwei Goldstücke an: Der Preis des Edelmetalls gerät weiter unter Druck. Reuters

Ein lokaler Goldhändler preist zwei Goldstücke an: Der Preis des Edelmetalls gerät weiter unter Druck.

FrankfurtEs treibt Goldfans schier in die Verzweiflung: In den großen Volkswirtschaften laufen die Notenbankpressen auf Hochtouren, trotzdem ist weit und breit keine Inflationsgefahr auszumachen, die den Goldpreis beflügeln könnte. Im Gegenteil: Die Europäische Zentralbank (EZB) bekräftigt immer wieder ihre Bereitschaft, die Geldschleusen im Kampf gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche noch weiter zu öffnen.

Die Folge: Vermögende Anleger verlieren zunehmend das Interesse, Gold als Inflationsschutz zu kaufen. Der Goldpreis ist seit dem Jahreshoch im März bei knapp 1400 US-Dollar je Feinunze (etwa 31,1 Gramm) um etwa 16 Prozent auf zuletzt 1200 Dollar gefallen.

Seit geraumer Zeit drückt außerdem der starke Dollar auf den Goldpreis. Das Edelmetall wird auf dem Weltmarkt in der US-Währung gehandelt. Mit dem kräftigen Aufschwung in den USA ging es auch mit dem Kurs des Greenback deutlich nach oben. Die Folge: Gold wird in Regionen außerhalb des Dollarraums wie beispielsweise Europa und Asien tendenziell teurer. Das bremst ebenfalls die Nachfrage.

Jüngste Daten des Branchenverbands World Gold Council zur Nachfrage in China sorgten für einen herben Dämpfer bei Goldoptimisten. Die Boomregion in Asien mit ihrer aufstrebenden Mittelschicht galt in der Vergangenheit immer wieder als Garant für eine starke Nachfrage. Umso größer war die Überraschung, als der Verband für die Monate Juli bis September einen Einbruch der Nachfrage bei Goldschmuck, Barren und Münzen um 37 Prozent im Jahresvergleich auf nur noch 182,7 Tonnen meldete.

Die wichtigsten Fakten zu Gold

Goldnachfrage

Die gesamte Goldnachfrage im ersten Quartal 2015 betrug 1079,3 Tonnen. Damit ist die Nachfrage nur um knapp 11 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr (Q1'14: 1089,9) gefallen.

Quelle: World Gold Council

Schmucknachfrage

Die weltweite Nachfrage nach Schmuck betrug im ersten Quartal 2015 insgesamt 600,8 Tonnen und ist damit um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr (Q1'14: 620,2) gefallen.

Industrienachfrage

Die Nachfrage des Technologiesektors belief sich im ersten Quartal 2015 auf 80,4 Tonnen und fiel, verglichen mit den 81,9 Tonnen im ersten Quartal 2014, um zwei Prozent.

Goldbarren- und Münznachfrage

Die Nachfrage nach Goldbarren und -münzen ist im ersten Quartal 2015 gesunken – auf 253,1 Tonnen. Ein Minus von zehn Prozent im Vergleich zu 2014 (Q1: 281,5).

EFTs und ähnliche Produkte

Die Nachfrage bei den Gold-EFTs betrug im ersten Quartal 2015 25,7 Tonnen. Im ersten Quartal des Vorjahres wurden noch Abflüsse in Höhe von 13,5 Tonnen verzeichnet.

Notenbanken

Die Nettoeinkäufe von Zentralbanken betrugen im ersten Quartal 2015 119,4 Tonnen. Im Vergleich zum Vorjahr blieb der Wert damit nahezu gleich (Q1'14: 119,8).

Investment gesamt

Die Goldnachfrage im Investment belief sich im ersten Quartal 2015 auf 278,8 Tonnen. Das ist eine Steigerung von vier Prozent, im Vorjahresquartal waren es 268 Tonnen.

Rohstoffexpertin Dora Borbély von der Dekabank sieht aber noch eine weitere Ursache für die Talfahrt beim Goldpreis: „Die europäische Staatsschuldenkrise ist zwar lange noch nicht beendet. Sie hat aber mittlerweile deutlich an Brisanz verloren und damit an Bedeutung für den Goldpreis.“ Zum Vergleich: In der Hochphase der Krise hatte der Preis im September 2011 ein Rekordhoch von 1920 Dollar erreicht.

Kommentare (49)

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Frau Helga Trauen

01.12.2014, 11:24 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Ro Stu

01.12.2014, 11:36 Uhr

Jeden Tag kommt mehr Papiergeld in die Welt und noch viel mehr Buch"geld". Daß man davon immer mal weniger für eine Goldunze hinlegen muß, ist eigentlich erfreulich für die Fans. Da Gold aber eher der langfristigen Absicherung dient, kann man diese Zacken geruhsam aussitzen. Ich würde Gold jederzeit den griechischen Staatsanleihen vorziehen. Die Handelsblatt-Prätorianer sehen das zwar anders, aber das ist halt Vielfalt. ;-)

Herr Woldemar von Stechlin

01.12.2014, 11:59 Uhr

Gut, dass mich das HB wachgerüttelt hat!

Ich werde noch heute mein Gold verkaufen und alles in Staatsanleihen investieren. Die bringen schließlich eine Rendite und sind 1000% sicher!

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