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30.08.2015

09:09 Uhr

Krisenwährung

„Gold ist out“

VonJulia Löffelholz

Gold hat sein Image als Krisenwährung verloren. Die Vermögensverwaltung von Sal. Oppenheim hat das Edelmetall nun ganz aus ihren Portfolios verbannt. Lars Edler, Leiter Investmentstrategie, erklärt, warum.

Das Edelmetall galt besonders in Krisenzeiten als sichere Anlage. dpa

Goldbarren

Das Edelmetall galt besonders in Krisenzeiten als sichere Anlage.

Mitte 2011 erreichte der Goldpreis einen Höhepunkt. Doch seitdem befindet sich das Edelmetall im Sinkflug. Können Sie uns den langjährigen Abwärtstrend erklären?
Da spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Während der Finanzkrise hat die Sorge um den Euro den Goldpreis in die Höhe getrieben. Mittlerweile sind aber die meisten Marktteilnehmer überzeugt, dass der Euro Bestand haben wird. Auch die Befürchtung, dass es zu Inflation kommt, weil die EZB Liquidität in den Markt pumpt, hat sich nicht bestätigt. Die Finanzmärkte haben sich durch die Geldpolitik der EZB letztlich sogar erholt. Deshalb sehen die Menschen eine Anlage in Gold nicht mehr als so notwendig an.

Auch das Zinsniveau dürfte relevant sein.
Für die Entwicklung des Goldpreises ist es immer schon schlecht gewesen, wenn in den USA die Realzinsen, also Zins abzüglich Inflation, gestiegen sind. Auch jetzt steht die USA wieder am Anfang eines Zinssteigerungszyklus. Dadurch wird der Geldmarkt attraktiver und die Menschen fragen sich, warum sie ihr Gold halten sollten, wo sie doch darauf gar keine Zinsen bekommen.

Nun nimmt Ihre Privatbank Gold sogar komplett aus den Portfolios. Warum so ein radikaler Schlussstrich?
Der Schritt wirkt nur auf den ersten Blick radikal. Bereits seit Frühjahr 2013 haben wir den Anteil von Gold in unseren Portfolios verringert. Für uns als Vermögensverwaltung muss das Risikoprofil einer Anlage immer mindestens so gut sein, wie das anderer Anlagen. Diese Bedingung erfüllt Gold nicht mehr. Relativ zu anderen Anlagen ist das Edelmetall momentan unattraktiv. Kurzgesagt: Gold ist out.

Die wichtigsten Fakten zu Gold

Goldnachfrage

Die gesamte Goldnachfrage im ersten Quartal 2015 betrug 1079,3 Tonnen. Damit ist die Nachfrage nur um knapp 11 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr (Q1'14: 1089,9) gefallen.

Quelle: World Gold Council

Schmucknachfrage

Die weltweite Nachfrage nach Schmuck betrug im ersten Quartal 2015 insgesamt 600,8 Tonnen und ist damit um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr (Q1'14: 620,2) gefallen.

Industrienachfrage

Die Nachfrage des Technologiesektors belief sich im ersten Quartal 2015 auf 80,4 Tonnen und fiel, verglichen mit den 81,9 Tonnen im ersten Quartal 2014, um zwei Prozent.

Goldbarren- und Münznachfrage

Die Nachfrage nach Goldbarren und -münzen ist im ersten Quartal 2015 gesunken – auf 253,1 Tonnen. Ein Minus von zehn Prozent im Vergleich zu 2014 (Q1: 281,5).

EFTs und ähnliche Produkte

Die Nachfrage bei den Gold-EFTs betrug im ersten Quartal 2015 25,7 Tonnen. Im ersten Quartal des Vorjahres wurden noch Abflüsse in Höhe von 13,5 Tonnen verzeichnet.

Notenbanken

Die Nettoeinkäufe von Zentralbanken betrugen im ersten Quartal 2015 119,4 Tonnen. Im Vergleich zum Vorjahr blieb der Wert damit nahezu gleich (Q1'14: 119,8).

Investment gesamt

Die Goldnachfrage im Investment belief sich im ersten Quartal 2015 auf 278,8 Tonnen. Das ist eine Steigerung von vier Prozent, im Vorjahresquartal waren es 268 Tonnen.

Ist diese Entscheidung nun endgültig oder ist es möglich, dass Sal. Oppenheim in einigen Monaten wieder einen Einstieg empfiehlt?
Für uns ist das eine längerfristige Entscheidung. Der Zinssteigerungszyklus in den USA steht noch am Anfang. Wir vermuten, dass er sehr lange dauern wird und sich Gold in dieser Zeit nicht nachhaltig erholen wird. In ferner Zukunft kann es aber natürlich sein, dass Gold wieder attraktiver wird. Aber hier reden wir nicht von Monaten, sondern von Jahren.

Leiter Investmentstrategie bei der Vermögensverwaltung von Sal. Oppenheim. Sal Oppenheim

Lars Edler

Leiter Investmentstrategie bei der Vermögensverwaltung von Sal. Oppenheim.

Seit Mitte Juli ist der Goldpreis wieder leicht gestiegen. Haben Sie sich vielleicht zu früh vom Gold verabschiedet?
Gold hat im Vergleich zu anderen Anlagen eine sehr hohe Volatilität, das heißt eine sehr hohe Schwankung. Langfristig ist sie drei Mal so hoch wie die deutscher Staatsanleihen. Das bedeutet natürlich auch, dass es immer wieder zu Preissteigerungen kommen kann. Aber ich habe nichts von einer Vermögensform, die am einen Tag 100 Dollar gewinnt und am nächsten Tag wieder 100 Dollar verliert. Das erhöht lediglich das Risiko im Portfolio. Wir betrachten lieber die langfristige Entwicklung und langfristig ist der Goldmarkt nicht mehr intakt.

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