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11.05.2011

20:42 Uhr

Kurseinbruch

Neue Verkaufswelle erfasst die Rohstoffmärkte

VonRalf Drescher

Drei Tage herrschte am Rohstoffmarkt Ruhe, jetzt setzt die Verkaufspanik wieder ein. Neue Inflationsdaten schrecken die Investoren auf, sie fürchten höhere Zinsen. Besonders hart erwischt es erneut den Silberpreis.

Überraschend hohe Inflationskennziffern haben die Rohstoffpreise auf Talfahrt geschickt. Besonders stark betroffen war der Silberpreis. Quelle: dpa

Überraschend hohe Inflationskennziffern haben die Rohstoffpreise auf Talfahrt geschickt. Besonders stark betroffen war der Silberpreis.

Die vorübergehende Erholung am Rohstoffmarkt ist am Mittwoch jäh beendet worden. Noch am Morgen sah es so aus, als würden die Preise von Öl, Gold und Silber den leichten Aufwärtstrend der letzten drei Tage fortsetzen. Am Morgen stiegen die Notierungen zunächst an. Doch überraschend hohe Inflationskennziffern aus mehreren Ländern sorgten ab dem Mittag für neue Verunsicherung, die zu einer erneuten Flucht aus Rohstoffen führte. Der GSCI-Index, der die Entwicklung von 24 Rohstoffen misst, lag am Abend 3,3 Prozent im Minus. Der Preis für Öl sackte zeitweise um 4,5 Prozent ab, Silber verbilligte sich um mehr als acht Prozent.

Erst in der vergangenen Woche hatten Rohstoffe den stärksten Kurseinbruch seit 2008 erlebt. Am Donnerstag waren die Preise für die Ölsorten Brent und WTI um knapp zehn Prozent gefallen, der Silberpreis verlor rund zwölf Prozent. Unter dem Strich sackte Silber als mit Abstand größter Verlierer am Rohstoffmarkt binnen einer Woche um ein Viertel ab.

Verstärkt wurde der Preisrutsch durch einen deutlichen Kursanstieg des Dollars. Die US-Währung notierte am Abend bei weniger als 1,42 Dollar je Euro. Anfang Mai hatte ein Euro noch mehr als 1,49 Dollar gekostet. Ein steigender Dollar-Kurs ist negativ für Rohstoffe, weil er diese für Investoren aus Nicht-Dollar-Staaten verteuert.

Meilensteine in der Entwicklung des Silberpreises

3000 vor Christus

Die ersten Versuche des Silberabbaus beginnen.

550 vor Christus

Die ersten Silbermünzen werden im östlichen Mittelmeerraum geprägt.

269 vor Christus

Das Römische Reich nimmt Silber in die Standard-Münzprägung auf.

206 vor Chr. bis 220 nach Chr.

Während der Han-Dynastie ist Silber Bestandteil der offiziellen Währung in China, allerdings bleibt die Verwendung der königlichen Familie vorbehalten.

750 bis 1200

Mehrere Silberminen werden in Sachsen und anderen Regionen Mitteleuropas entdeckt, darunter im slowakischen Schemnitz, in Rammelsburg und in Goslar.

775 nach Christus

Die Könige von Sachsen geben Silbermünzen heraus, die als „Sterling“ bekannt werden. Aus einem Pfund Silber werden 240 Münzen hergestellt.

1279 bis 1368

Während der Yuan-Dynastie in China sind Silberbarren als Währung weitverbreitet. Von der Ming-Dynastie an sind Silberbarren die am meisten im Umlauf befindlichen Zahlungsmittel bis zum Ende der Qing-Dynastie 1911.

1492

Mit der Entdeckung der „Neuen Welt“ durch Christoph Kolumbus werden die großen Minen in Mexiko, Bolivien und Peru gegründet. Auf sie gehen schließlich über 85 Prozent der weltweiten Silberproduktion zurück.

1792

Als erster Finanzminister der Vereinigten Staaten schlägt Alexander Hamilton die Schaffung eines auf Gold und Silber basierten Währungssystems vor.

1794

Am 15. Oktober wird der erste offizielle US-Silberdollar geprägt

1858

In Nevada wird Silbererz entdeckt. Der Fund sorgt, ähnlich wie beim kalifornischen Goldrausch zehn Jahre zuvor, für großen Wirbel.

1900

Mit dem „Gold Standard Act“ sagen sich die USA vom Bimetallismus los und binden ihre Währung an Gold. Wegen seiner zunehmenden Bedeutung als Geldreserve ist die Nachfrage nach dem Edelmetall bereits in den Jahrzehnten zuvor gestiegen und sorgte bei Silber für fallende Preise

1933

US-Präsident Roosevelt verordnet am 6. März einen viertägigen Bankfeiertag, um das Horten und den Export von Gold und Silber einzudämmen

1946

Der „Silver Purchase Act“ weist die US-Regierung als weltgrößten Silberkäufer aus. Er verpflichtet die Regierung, das Edelmetall nur zu einem festen Preis zu verkaufen.

1973

Die Gebrüder Hunt beginnen, groß ins Silbergeschäft einzusteigen.

18. Januar 1980

In Reaktion auf die sowjetische Invasion in Afghanistan steigt der Silberpreis auf ein Rekordhoch von knapp unter 50 Dollar je Feinunze. Bis zum Jahresende ist er wieder auf rund 15 Dollar gefallen.

1988

Die Gebrüder Hunt - Söhne des texanischen Öl-Tycoons Haroldson Lafayette Hunt Jr. - werden wegen versuchter Manipulation des Silbermarktes verurteilt. Sie müssen an ein peruanisches Mineralunternehmen 134 Millionen Dollar Schadenersatz zahlen. Die Brüder erklären ihren Bankrott.

1997 und 1998

Warren Buffett kauft rund 130 Millionen Feinunzen Silber.

2010

Der Silberpreis steigt um mehr als 80 Prozent und entwickelt sich damit deutlich besser als Gold, was 30 Prozent an Wert gewinnt.

2011

Die Rally setzt sich ungebremst fort. In den ersten vier Monaten steigt der Silberpreis um 55 Prozent und erreicht ein neues Rekordhoch bei 49,75 Dollar je Feinunze.

In den vergangenen Monaten waren die Rohstoffpreise allerdings stark gestiegen. Auch hier führte Silber die Entwicklung an. 2010 stieg der Preis für das Edelmetall um 85 Prozent, in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres ging es erneut um bis zu 60 Prozent nach oben. Investoren griffen bei Rohstoffen beherzt zu, weil Liquidität als Folge der Niedrigzinspolitik der weltweiten Notenbanken und zusätzlicher Milliardenhilfen für die Märkte reichlich und günstig zur Verfügung stand und andere Anlageklassen wie Anleihen wenig aussichtsreich erscheinen.

Dieser Trend könnte jetzt aber drehen, wenn die Notenbanken von ihrer Niedrigzinspolitik abkehren sollten. „Anleger müssen sich auf ein Umfeld weltweit höherer Zinsen einstellen”, sagte Stanley Nabi, Rohstoff-Experte von Silvercrest Asset Management, der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Das passiert in jeder wirtschaftlichen Erholung.“

Erhöht wird der Druck auf die Notenbanken jedoch durch die deutlich anziehende Inflation. In vielen Regionen hat sich die Teuerung – auch wegen der hohen Öl- und Rohstoffpreise – zuletzt deutlich beschleunigt. Am Mittwoch bezeichnete der britische Notenbank-Gouverneur Mervyn King die Inflationsrate als „unangenehm hoch“. Im laufenden Jahr würden die Verbraucherpreise vermutlich auf fünf Prozent steigen, hieß es im Inflationsbericht der Bank of England.

Kommentare (18)

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Account gelöscht!

11.05.2011, 22:46 Uhr

Der beste Witz in diesem Artikel ist die Aussage, dass die Investoren steigende Zinsen befürchten. Wenn die Notenbanken tatsächlich die Zinsen anheben würden, um die Inflation zu bekämpfen, müssten die US Regierung und sämtliche EU Staaten innerhalb weniger Monate bzw. Jahre den offenen Staatsbankrott erklären. Da das keiner will, und so wird lustig weiter inflationiert.

Lachhaft

11.05.2011, 23:00 Uhr

Man schreibt sich die Inflationsdaten wieder einmal schön. Dieser Warenpreisindex hat doch überhaupt nichts mit der wahren Inflation gemein. Inflation = Geldmengenwachstum (M3)- BIP Wachstum. Demnach lagen wir in den zurückliegenden 10 Jahren nie unter 5%. Was man uns hier mit diesem fehl gewichteten Warenpreisindex als Inflationsrate präsentiert ist doch nichts anderes als Volksverdummung. Ich kaufe weiter Gold u. Silber, schließlich muß man bei der derzeitigen Finanzblase in kürze mit dem schlimmsten rechnen. Rette sich wer kann!

Blasenalarm

12.05.2011, 02:28 Uhr

Mensch Leute wacht auf! Die durch blanke Spekulation nach oben gepeitsche Rohstoff- und Edelmetallhausse ist gerade am Platzen und Ihr wollt immer noch Gold und Silber kaufen? Das darf doch wohl nicht wahr sein!
Das sind doch alles Verschwörungsspinner die einem was von Euro und Dollarkrise erzählen wollen.
Ihr solltet lieber schleunigst dieses nutzlose metallische Teufelszeug loswerden. Wer jetzt noch verkaufen kann, der sollte es lieber heute als morgen tun! Nur so kann man evtl. wenn man ganz viel Glück hat, gerade noch so plusminus Null aus diesem Wahnsinn aussteigen.

Am besten Ihr schickt mir einfach alles was Ihr so an Gold und Silber habt (Barren, Münzen, Eheringe, Tafelbesteck, Goldzähne etc.) per Post zu und ich Experte
werde das dann bewerten. Nach meiner professionellen Analyse werde ich euch dann ein wirklich faires Angebot für diesen, keine Zinsen erwirtschaftenden und nicht essbaren Plunder machen. Während Briefgold euch nur etwa kanpp 500€ zahlen würde (für welche Menge auch immer)... Bekommt Ihr bei mir für ein 1kg Gold satte 750€, na ist das nicht ein super Angebot, heh?! Stellt euch mal vor was man dafür so alles prima kaufen könnte. Endlich mal wieder richtig shoppen gehen, ach einfach herrlich ;-)!

Ich will ja nur euer Bestes, also schickt es mir einfach zu.

Meine Adresse lautet:

Genosse W. Schäublinski
Wilhelmstr. 97
Berlin!

P.S: Viele Liebe Grüße euch allen, ich freue mich schon auf die zahlreichen Zusendungen...

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