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27.07.2011

13:05 Uhr

Kurshoch

Der stramme Aufstieg des Schweizer Franken

Weil der Euro kriselt investieren etliche Anleger ihr Geld in Schweizer Franken. Das treibt den Wechselkurs nach oben. Experten schätzen, dass sogar eine Parität zum Euro möglich sein könnte.

Schweizer Franken gelten in der Finanzwelt als Hort der Stabilität. Quelle: dpa/picture alliance

Schweizer Franken gelten in der Finanzwelt als Hort der Stabilität.

FrankfurtSchokolade, Käse, Uhren: Die Schweiz hat viele Exportschlager und neuerdings noch einen mehr - den Franken. Kaum eine andere Weltwährung hat in den vergangenen Monaten einen derart strammen Aufstieg hingelegt. Der Gipfel scheint noch nicht erreicht. Experten halten inzwischen für möglich was lange undenkbar schien - die Parität zum Euro. 

Allein seit Mitte Mai hat der Franken zur Gemeinschaftswährung und auch zum US-Dollar rund zehn Prozent gewonnen. Aktuell bekommt man für einen Euro etwa 1,15 Franken, zu Jahresbeginn waren es immerhin noch rund zehn Rappen mehr. Im Herbst 2007, vor Ausbruch der US-Finanzkrise, wurden fast 1,70 Franken gezahlt. Damals galt er als langweilig und wurde wegen der niedrigen Zinsen gern für so genannte Carry Trades eingesetzt - das heißt, Anleger nahmen Kredite im Franken auf und investierten das Geld in renditeträchtigere Anlagen. 

Warum nun transferieren Investoren seit Monaten ihr Geld in die geruhsame Eidgenossenschaft? „Die Märkte sind wegen der Schuldenkrise in Europa und den USA derzeit im Krisenmodus“, sagt Commerzbank-Analystin You-Na Park. „Auf der Suche nach einem sicheren Hafen hatten die Anleger in letzter Zeit kaum Alternativen.“ Weder Euro noch Dollar werden derzeit als verlässliche Anlagen gesehen, auch dem japanischen Yen trauen Investoren wegen der hohen Staatsverschuldung nicht über den Weg. Und Währungen aus den Schwellenländern müssen ihre Krisenfestigkeit erst noch unter Beweis stellen, heißt es. 

Der Franken habe sich dagegen seit Jahrhunderten als Krisenwährung bewährt, hebt DWS-Experte Moritz Rieper hervor. Aus Sicht der Experten grenzt sich die Schweiz vor allem durch ein gutes Schuldenmanagement ab. Die Wachstumsdynamik ist stark, die Bewertung der Bonität durch die Ratingagenturen geradezu vorbildlich. 

Die Puste wird dem Franken angesichts der schwelenden Schuldenkrisen wohl nicht so schnell ausgehen. „Ich denke, die Parität ist das nächste Ziel“, prognostiziert Stratege Joachim Kneissl von der LBBW. „Da Psychologie und Herdentrieb eine wichtige Rolle spielen am Markt, liegt es durchaus im Bereich des Möglichen, dass die Parität zum Euro erreicht wird“, meint auch Portfoliomanager Andre Stagge von Union Investment. 

Für die exportorientierte Schweizer Wirtschaft wird die teure Währung immer mehr zur Bürde. Die ersten Unternehmen sahen sich schon zu Preissenkungen gezwungen, in der Chemieindustrie waren es allein im Juni 20 Prozent. Experten wie Volkswirt Alessandro Bee von der Bank Sarasin warnen vor einer deutlichen Konjunkturabkühlung im nächsten Jahr.

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