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09.03.2018

12:40 Uhr

Kursrutsch um ein Viertel

Warum sich die Bitcoin-Zukunft in Argentinien entscheiden könnte

VonFelix Holtermann

Die Erholung ist vorbei, der Bitcoin-Kurs fällt unter 9.000 Dollar. Schuld ist das harsche Vorgehen der Aufseher. Es droht eine globale Regulierungswelle.

Warum sich die Bitcoin-Zukunft in Argentinien entscheiden könnte imago/ZUMA Press

Parlament in Buenos Aires

Die argentinische G20-Präsidentschaft knöpft sich die Krypto-Branche vor.

DüsseldorfDie Talfahrt des Bitcoins geht weiter. Die Cyper-Devise verbilligte sich am Freitag um rund 13 Prozent auf 8.513 Dollar. Damit summiert sich das Minus seit Wochenbeginn auf rund 25 Prozent. Auch andere Kryptowährungen gaben deutlich nach.

Laut Daten des Analysehauses Coinmarketcap, das die Kurse auf zahlreichen Börsen vergleicht, notierte die zweitgrößte Kryptowährung Ethereum am Freitagmittag über 13 Prozent im Minus, für Ripple ging es über zwölf Prozent abwärts, für Bitcoin Cash knapp 14 Prozent und für Litecoin knapp zwölf Prozent. Vor dem Hintergrund des anhaltenden Bitcoin-Kursverfalls brachen auch die Aktien der Bitcoin Group, des Betreibers der einzigen deutschen Bitcoin-Börse, zwischenzeitlich um gut zehn Prozent ein.

Für Krypto-Anleger kommt der Kursverfall auf breiter Front zur Unzeit: Gerade erst hatte sich der Bitcoin-Kurs bei 10.000 Dollar stabilisiert, nachdem er Anfang Februar auf seinen bisherigen Jahrestiefstwert von 6.227 Dollar gefallen war. Mitte Dezember hatte der Kurs das Rekordhoch von 20.000 Dollar erreicht, war dann aufgrund des Vorgehens der Aufseher in zahlreichen Ländern aber kontinuierlich gesunken.

Das Krypto-ABC

Bitcoins

Bitcoins sind eine elektronische Währung, manchmal auch Kryptowährung genannt. Sie basiert auf einer Blockchain. Die Identität des Gründers, Satoshi Nakamoto, ist unbekannt.

Blockchain

Blockchains sind elektronische Buchhaltungen, die jedem Nutzer dezentral in identischer Form zur Verfügung stehen.

DAO

DAO steht für „Digitale autonome Organisation“. Das Unternehmen existiert virtuell, und die Eigentümer lenken es durch elektronische Entscheidungsprozesse.

Ethereum

Ethereum ist ein Projekt, das dem der Bitcoins ähnelt. Die zugehörige Währung heißt Ether. Die zentrale Gründerfigur ist der russischstämmige Kanadier Vitalik Buterin. Eine besondere Rolle spielen dabei Smart Contracts.

ICO

ICO steht für Initial Coin Offering. Im Internet sammeln Firmen bei virtuellen Börsengängen Geld für Geschäftsprojekte ein, häufig in Form von Bitcoins. Im Gegenzug erhalten die Investoren Tokens. Oft befinden sich die Projekte in einem frühen, sehr experimentellen Stadium. Manchmal handelt es sich bei den Unternehmen um DAOs.

Kryptowährungen

Kryptowährungen sind Zahlungsmittel, die allein auf einer Software basieren – auf einer globalen, praktisch fälschungssicheren Datenbank (der Blockchain). Die bekannteste Währung ist der Bitcoin. Elektronische Verschlüsselung stellt sicher, dass die digitalen Einheiten oder Münzen (Coins) nur ihren Besitzern zur Verfügung stehen.

Ripple

Ripple ist eine Alternative zu Bitcoins, die für den Zahlungsverkehr unter Banken gegründet wurde. Die zugehörige Währung heißt XRP. Das wichtigste Unternehmen ist Ripple-Lab.

Smart Contracts

Smart Contracts bewirken automatisch Vorgänge, etwa Zahlungen, bei Erfüllung bestimmter Bedingungen.

Token

Tokens werden im Rahmen von ICOs herausgegeben und sind keine Aktien. Sie ähneln eher digitalen Gutscheinen oder Einzahlungsbelegen, versprechen eine Beteiligung an künftigen Gewinnen oder Management-Entscheidungen, oder einen Zugang zum geplanten Service der Firma. Die Tokens sollen den Investoren die Teilhabe an dem Projekt garantieren, das mit ihrem Geld realisiert wird. Rechte für die Anleger sind mit ihnen aber meist nicht verbunden, teilweise deklarieren die Anbieter sie sogar als „Spenden“. Viele Anleger handeln sie wie Bitcoins – in der Hoffnung auf Spekulationsgewinne.

Aktuell droht erneut eine konzertierte Aktion der Regulierer. Der wachsende Druck der Börsenaufsicht in Japan und den USA verunsichere Anleger, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. „Bislang ist nicht ersichtlich, inwieweit die Regulierungsbehörden durchgreifen und womöglich noch weitere ‚schwarze Schafe‘ aus dem Verkehr ziehen werden.“

Japanische Finanzaufseher wiesen am Donnerstag zwei Handelsplätze an, für einen Monat den Betrieb einzustellen. Weitere Börsen belegten sie mit Strafen. Bei fünf Börsen ordneten sie eine Aufrüstung der Computersysteme an, um Kunden besser zu schützen. Zudem forderten sie die große Kryptobörse Coincheck auf, ihr Vorgehen gegen Geldwäsche zu verschärfen.

Außerdem nimmt die US-Börsenaufsicht SEC Kryptobörsen an die kurze Leine. Diese „potenziell unrechtmäßigen“ Handelsplattformen suggerierten ihren Kunden ein falsches Gefühl der Sicherheit. Um Investoren zu schützen und Betrug sowie Manipulationen zu vermeiden, müssten Kryptobörsen künftig unter bestimmten Umständen eine Registrierung bei der SEC oder eine Ausnahmegenehmigung einholen, hieß es am Mittwoch. Vor allem „Initial Coin Offerings“ (ICOs) dürften darunter fallen. Bei diesen sogenannten digitalen Börsengängen sammeln Firmen Geld bei Investoren ein, die meist in Kryptowährungen zahlen.

Ferner musste die Hongkonger Handelsplattform Binance wegen eines Hackerangriffs zeitweise den Handel einstellen. Am Freitag warnte Chinas Notenbankchef Zhou Xiaochuan vor Gefahren durch Spekulationen mit Kryptowährungen. Man prüfe aber, inwieweit man selbst die dahinter stehende Technologie nutzen könne.

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Sorgen bereitet Anlegern auch das in zehn Tagen stattfindende Treffen der G20-Finanzminister und -Notenbankgouverneure in Buenos Aires. Der französische Finanzminister Bruno Le Maire und sein geschäftsführender deutscher Amtskollege Peter Altmaier (CDU) hatten sich bereits im Januar darauf verständigt, dort Regulierungsvorschläge unterbreiten zu wollen.

In einem gemeinsamen Schreiben an die argentinische G20-Präsidentschaft haben die beiden Minister vier zentrale Diskussionspunkte auf die Tagesordnung gesetzt: Demnach sollen die im Rahmen von ICOs ausgegeben Token definiert und die Folgen der virtuellen Börsengänge für die Finanzmarktstabilität untersucht werden. Außerdem sollen im G20-Rahmen ein besserer Schutz privater Investoren durchgesetzt und der Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung mittels virtueller Währungen verstärkt werden.

Je nachdem, wie die Diskussion konkret ausgeht, könnte sie die Kryptobranche empfindlich treffen, was einen weiteren Kursverfall zur Folge hätte. Im Rahmen der G20-Gruppe der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer wäre erstmals ein global konzertiertes Vorgehen gegen die Eintrittspunkte des Krypto-Netzwerks – also die Börsen und Mining-Pools – möglich. Vertreten sind in Buenos Aires alle wichtigen Standorte der Branche: neben der Europäischen Union vor allem die USA, China, Japan, Südkorea, aber auch Russland, Kanada und andere Staaten.

Sollten sich die G20-Mitglieder am 19. und 20. März hingegen auf ein moderates Vorgehen einigen, könnten die Kurse auch wieder stark anziehen.

Mit Material von Reuters und dpa.

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Kommentare (7)

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Herr Helmut Metz

09.03.2018, 13:50 Uhr

Der zweitgrößte Ökonom (nach Ludwig von Mises) des letzten Jahrhunderts, Friedrich August von Hayek (Gott hab ihn selig!!), machte von entnationalisiertem konkurrierendem Privatgeld nichts weniger als das Überleben der Zivilisation abhängig.
Wenn die Regulierer den Markt tot reguliert haben, gibt es keine Zukunft mehr - auch nicht für die Regulierer. Sie werden nur etwas später als die anderen hungern bzw. verhungern.
Der Markt entwickelt jedoch immer Überlebenskräfte (selbst im härtesten Steinzeitkommunismus gab es Überreste von Marktwirtschaft), d.h. er sucht immer nach Möglichkeiten, um sich von den Knebeln und Fesseln der politischen Regulierer zu befreien. Möglicherweise wird bei den Kryptos die Hashgraph-Technologie die Blockchain ablösen und für die Regulierer eine noch viel, viel härtere Nuss sein...

Herr Jens Jacob

09.03.2018, 13:58 Uhr

Wie heißt es doch immer so schön...Totgeglaubte leben länger....

Herr Heinz Keizer

09.03.2018, 14:44 Uhr

@ Herr Helmut Metz
09.03.2018, 13:50 Uhr
Da wird keiner verhungern, weil man diese "Kryptowährungen" nicht essen kann. Um was handelt sich eigentlich? Da werden mit viel Energie mit riesigen Computeranlagen Bits und Byts produziert, die irgendeinen Wert haben sollen. Angeblich soll das alles durchschaubar sein, weil dank blockchain alles nachvollziehbar ist. Bis dann wieder Bitcoins gestohlen werden und keiner weiß, wo die hingekommen sind. Alles sehr vertrauenswürdig. Aus meiner Sicht nur für Spekulanten und Geldwäscher geeignet. Eine Regulierung ist dringend erforderlich.

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