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21.10.2016

15:09 Uhr

Kursrutsch unter 1,09 Dollar

Der Euro-Absturz

VonJürgen Röder

Monatelang hat sich beim transatlantischen Wechselkurs wenig getan. Einige Investoren hatten aufgegeben, sich mit diesem Währungspaar zu beschäftigen. Doch nun ist der Euro im Sinkflug. Kommt die Parität zum US-Dollar?

Eine Euro-Münze steht auf einer Dollar-Note. Die Verluste beim Euro gehen weiter, kommt bald das Verhältnis 1:1. dpa

Euro - Dollar

Eine Euro-Münze steht auf einer Dollar-Note. Die Verluste beim Euro gehen weiter, kommt bald das Verhältnis 1:1.

DüsseldorfNach wochenlang maximal homöopathischen Schwankungen um 1,12 US-Dollar kommt seit einigen Tagen Bewegung in den transatlantischen Wechselkurs. Der Euro-Dollar-Kurs rutschte bereits an diesem Donnerstag nach der EZB-Sitzung deutlich unter die Marke von 1,10 US-Dollar. Und am Freitag setzt die europäische Gemeinschaftswährung ihre Talfahrt fort und liegt bei 1,0876 Dollar. Das ist der tiefste Stand seit März dieses Jahres.

Kommt nun die Parität zwischen den beiden Währungen? Robin Brooks, Chef-Währungsstratege der US-Bank Goldman Sachs prognostizierte bereits im September 2014, dass 2017 der Euro zum Dollar die Parität erreichen, also genau einen Dollar kosten könnte. Damals kostete ein Euro 1,31 Dollar. Kurze Zeit später erwartete auch die Deutsche Bank die Euro-Dollar-Parität für Ende 2017.

Zwar legte Goldman-Chefvolkswirt Jan Hatzius im April 2015 in einem Handelsblatt-Interview nach und prophezeite den Gleichstand schon für das Jahr 2015. Doch dazu kam es nicht, der tiefste Stand lag in jenem Jahr bei 1,0452 US-Dollar.

Geschichte des Euro

Anfänge

Das Ziel einer Währungsunion war bereits im EG-Vertrag verankert. Am 1. Januar 1999 ist es so weit: Der Euro wird gemeinsame Währung von elf Ländern. In Euro bezahlt werden kann per Scheck, Kredit- oder EC-Karte. Das alte Geld bleibt jedoch zunächst das allein gültige Zahlungsmittel. Wenige Tage später nehmen auch die Finanzmärkte den Handel mit Euro auf.

Euro-Zone

Zu den ersten Ländern, die den Euro einführten, gehörten Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien. Griechenland trat erst 2001 der Gemeinschaft bei, da es vorher nicht die Auflagen erfüllte. Großbritannien, Dänemark und Schweden verzichteten auf den Euro.

Bargeld

Am 1. Januar 2002 wird der Euro in zwölf Ländern gesetzliches Zahlungsmittel. Die D-Mark behält für zwei Monate ihr Gültigkeit, kann danach aber immer noch gegen Euro eingetauscht werden. Der Wechselkurs ist festgesetzt auf 1 Euro = 1,95583 D-Mark.

Neue Mitglieder

2004 werden zehn Länder in Mittel- und Osteuropa sowie im Mittelmeerraum neue EU-Mitglieder. Sie müssen die Gemeinschaftswährung übernehmen, sobald sie die Konvergenzkriterien erfüllen. Bis heute sind allerdings nur fünf weitere Staaten der Euro-Zone beigetreten, nämlich Slowenien, Malta, Zypern, Estland und die Slowakei. Damit gibt es insgesamt 17 Länder in Europa, in denen offiziell mit Euro bezahlt werden kann.

Höchststand

Ende August 2008 steigt der Euro zum ersten Mal über die psychologisch wichtige Marke von 1,50 US-Dollar. Sein bisheriges Allzeithoch von 1,5990 Dollar erreicht die Gemeinschaftswährung am 15. Juli, wobei der höchste je am Markt gehandelte Kurs sogar über 1,60 Dollar liegt.

Schuldenkrise

Im Frühjahr 2010 kommt Griechenland in immer größere Finanznöte und muss als erstes Euro-Land Milliardenhilfen beantragen. Damit nimmt eine Schuldenkrise ihren Lauf, in dessen Zuge weitere Länder, darunter Irland und Portugal, um Geldmittel bitten müssen. In der Öffentlichkeit wird heftig über einen möglichen Zusammenbruch der Euro-Zone spekuliert. Die Gemeinschaftswährung wertet kontinuierlich ab.

Aus Sicht der technischen Analyse hat der Euro derzeit auch noch weiteres, zumindest kurzfristiges Abwärtspotenzial. „Das technische Bild bleibt von Risiken geprägt, denn die Indikatoren im Tageschart geben keine Hinweise auf Stabilisierungstendenzen“, schreibt der Helaba-Analyst Ralf Umlauf in seinem Tageskommentar an diesem Freitag. Darüber hinaus sei der Euro unter das sogenannte Brexit-Tief gefallen, das sich unmittelbar nach dem Votum von Großbritannien zum Austritt aus der Euro-Zone gebildet hatte. „Dadurch eröffnet sich ein Potenzial bis 1,0820 US-Dollar.“

Ein Blick auf den mittelfristigen Chart zeigt aber auch ein anderes Bild: Seit eineinhalb Jahren bewegt sich der Euro zwischen 1,16 auf der Ober- und 1,460 Dollar auf der Unterseite. „Gerade in der Zone zwischen 1,0820 bis 1,0460 Dollar befinden sich daher massive Unterstützungen“, meint Umauf. Diese Unterstützungen machen ein weiteres Abrutschen eher unwahrscheinlich.

Auch die Commerzbank glaubt nicht, dass der Euro deutlich tiefer fallen wird. „Solange wir keine klare Aussage der EZB haben, wie es weitergeht, gibt es eigentlich keinen Grund für eine verstärkte Euroschwäche“, schreiben die Analysten. Zumindest gilt die Aussage bis zum 8. Dezember 2016. Denn „vor dem Nikolaus werden wir nicht erfahren, wie es mit dem Anleihenkaufprogramm der EZB weitergeht“, meinen die Commerzbank-Experten.

Kommentare (9)

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Herr Christian Lebert

21.10.2016, 16:31 Uhr

Draghi druckt den Euro in den Bankrott und reißt damit Europa in den Ruin.
Gelddrucken löst keine strukturellen Probleme - niedrige Zinsen waren vor dem
letzten Crash das größte Problem - Draghi braucht dringend die rote Karte und
Amtsenthebung.das billige Geld der Notenbank ist wie eine harte abhängig machende Droge.Offensichtlich können wir nicht mehr ohne sie leben mit allen Konsequenzen
und Kolateralschäden.Der Crash ist vorprogrammiert.
"Ja der Euro ist grandios gescheitert" sagt Prof. Hans-Werner Sinn.

Herr Leo Löwenstein

21.10.2016, 16:40 Uhr

Herr Christian Lebert - 21.10.2016, 16:31 Uhr
Draghi treibt den Euro nicht unbedingt in den Bankrott.
Er möchte nur Zustände einer Lira, Peseta, Drachme herstellen, damit es endlich so funktioniert, wie es in den Südländern vor dem Euro war.
Die Rechnung geht nur nicht auf. Deutschland bricht einfach nicht zusammen, noch nicht.
Vorher gehen die anderen drauf, aber das Opfer ist es doch Wert.
nebenbei machen seine Freunde bei Goldmann Sachs den fetten Reibach.
Staastanleihen der Südländer kaufen, zu erhöhten Zinsen, mit Null Risiko. Denn sollte was passieren, werden die Banken gerettet, ohne jemals das Risiko einlösen zu müssen.
Ziemlich praktisch das Ganze.

Herr Renatus Isenberg

21.10.2016, 16:53 Uhr

Der Euro Absturz zum Ende diesen Jahres war Ende vorigen Jahres in den USA prognostiziert worden. Gibt es einen besseren Beweis dafür, dass der Euro kein europäisches Produkt, sondern eine Gewollte Paralellwährung zum Dollar sein musste, die dann nach Belieben hoch oder runter manipuliert werden kann? Vor der US Finanzkrise 2008 hatten wir Euro Stände bis 1,60 for 1 $. Nach der Krise immerhin 1,35.

Nun mussen das britische Pfund und der Dollar steigen, damit Japans und Englands Wirtschaft gerettet werden,. Länder, die allemal strategisch wichtiger sind als die komplizierte EU, bei der man täglich mit wechselnden politischen Meinungen zu tun hat.

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