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06.01.2009

13:44 Uhr

Kurssprung

Ölpreis steigt wieder über 50 Dollar

VonDirk Heilmann

Die Bodenoffensive Israels im Gaza-Streifen und die Zuspitzung im Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine haben den Rohölpreisen einen kräftigen Schub gegeben. Binnen zwei Wochen hat sich Öl um rund 50 Prozent verteuert und liegt erstmals seit Ende November wieder bei rund 50 Dollar. Analysten sehen bereits eine Trendwende: Unter 40 Dollar sollte der Ölpreis ihrer Meinung nach nicht mehr fallen.

Ölproduktion lohnt sich wieder etwas mehr. In den vergangenen zwei Wochen hat sich der Ölpreis um fast die Hälfte verteuert. Foto: dpa Quelle: dpa

Ölproduktion lohnt sich wieder etwas mehr. In den vergangenen zwei Wochen hat sich der Ölpreis um fast die Hälfte verteuert. Foto: dpa

LONDON. Was alle Produktionskürzungen der Opec nicht vermochten, hat der israelische Einmarsch in den Gaza-Streifen geschafft: Der Ölpreis hat sich von seinen vorweihnachtlichen Tiefständen deutlich erholt. Um rund die Hälfte ist er seither gestiegen. Bemerkenswert ist vor allem, dass erstmals seit Monaten wieder geopolitische Faktoren einen stärkeren Einfluss auf den Preis hatten als die Diskussion um die Tiefe der globalen Rezession. Für zusätzliche Verunsicherung sorgt dabei auch die Zuspitzung im Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine.

Den vorläufigen Tiefpunkt hatte der Preis der US-Sorte WTI am 19. Dezember in New York mit 32,40 Dollar je Barrel (159 Liter) erreicht. Am Dienstag kletterte WTI erstmals seit Ende November wieder kurz über die Marke von 50 Dollar, nachdem der Preis schon am Vorabend in New York bei 48,81 Dollar geschlossen hatte. Das europäische Brentöl zog ebenfalls um fast fünf Prozent an und kostet erstmals seit Ende November fast 50 Dollar.

Schon in der Vorwoche hatte das israelische Bombardement des Gaza-Streifens für den höchsten Wochengewinn seit mehr als zwei Jahrzehnten gesorgt. Auch auf dem gegenwärtigen Stand ist das Öl aber immer noch rund 100 Dollar je Barrel billiger als im vergangenen Juli.

„Die Zeichen verstärken sich, dass Öl seinen Tiefpunkt überwunden hat und dass der Preis nicht wieder unter 40 Dollar sinken wird“, sagte Hannes Loacker, Analyst der Raiffeisen Zentralbank in Wien. Die Sorge, dass sich der Nahostkonflikt ausweiten könne, treibe den Preis. Der Iran hat Unterstützung für die Hamas-Kämpfer im Gaza-Streifen angekündigt und die arabischen Staaten zu Öl-Lieferboykotten aufgerufen.

Das hat zwar nach Einschätzung politischer Beobachter keine Aussicht auf Erfolg. Doch es werden dadurch "Erinnerungen wach an das Ölembargo Anfang der 70er Jahre, als sich der Ölpreis infolge eines Lieferstopps der arabischen Länder innerhalb von drei Monaten vervierfachte", schreibt die Commerzbank. Direkte Auswirkungen auf die Ölförderung hat der Gaza-Konflikt nicht.

Wirkung zeigen dafür allmählich die deutlichen Produktionskürzungen, die das Ölkartell Opec im November und Dezember als Reaktion auf den rasanten Verfall des Ölpreises seit Ende Juli beschlossen haben. Daten aus den Opec-Staaten unterstreichen, dass die wichtigsten Mitglieder die beschlossenen Kürzungen tatsächlich umsetzen. Sie sollen den Rückgang der Nachfrage in den USA und Westeuropa ausgleichen. Auch die Nachfrage aus aufstrebenden Wirtschaftsmächten wie China wächst nicht mehr so rasch wie noch vor wenigen Monaten.

Angesichts der äußerst volatilen Preisentwicklung des vergangenen Jahres tun sich Ölanalysten schwer mit Prognosen für 2009. Manche Experten sehen die Talsohle bei 30 bis 35 Dollar bereits erreicht, andere rechnen sogar mit einem Rückgang bis auf 20 Dollar. Allerdings könnte es nach Meinung von Analysten im Jahresverlauf auch rasch wieder aufwärts gehen – vor allem, falls die Konjunkturprogramme greifen und die Rezession noch im laufenden Jahr enden sollte.

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